Paul Coret
Wohler Physiotherapeut über die Folgen von Homeoffice: «Bewegung ist das Wichtigste»

Corona wirkt sich unmittelbar auf die Arbeit des Wohler Physiotherapeuten Paul Coret aus.

Nathalie Wolgensinger
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Physiotherapeut Paul Coret therapiert vermehrt Patienten mit haltungsbedingten Beschwerden.

Physiotherapeut Paul Coret therapiert vermehrt Patienten mit haltungsbedingten Beschwerden.

Nathalie Wolgensinger

Schlapp und müde seien sie, die ehemaligen Covid-Patienten, erzählt Paul Coret. Diesen hilft der 54-jährige Physiotherapeut, der in Wohlen eine Praxis führt, im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine. Mit einfachen Übungen mobilisiere er die Genesenen, erzählt er. «Für uns ist die Herausforderung, dass wir die Patienten nicht zu sehr fordern, sondern ein Gleich­gewicht zwischen Aktivierung und Erholung finden», so der gebürtige Holländer. «Derzeit haben wir bloss eine Handvoll ehemaliger Covid-Patienten in Behandlung.» Ihm fällt hingegen etwas anderes auf.

Nur wenige trainieren diszipliniert weiter

Derzeit würden ihm öfter Patienten zugewiesen, die über haltungsbedingte Beschwerden klagen. «Das ist auch auf die Arbeit im Homeoffice zurückzuführen», sagt er. Die Büroarbeit am Küchen- oder Wohnzimmertisch wirkt sich nun nach Wochen aus. Hinzu komme, dass sich viele Freiämterinnen und Freiämter zu wenig oder gar nicht bewegen. Der Arbeitsweg falle weg, genauso wie andere Gelegenheiten für Bewegung und Sport, seit Fitness­center geschlossen sind. Konnte man im März noch die Frühlingssonne auf einem Spaziergang geniessen, sei auch das keine Alternative mehr. «Es sind wenige, die diszipliniert sind und ohne Anleitung trainieren», erzählt er. Auch die Begeisterung für die Teilnahme an Online-­Fitnessgruppen sei zurückgegangen. «Sich bewegen ist das Wichtigste», legt er jenen ans Herz, die sich mit Sport schwertun.

Sorgen macht er sich um die Seniorinnen und Senioren, die bis zur bundesrätlichen Verordnung an den Geräten in seinem kleinen Studio trainierten. «Das Training gab ihnen Struktur im Alltag, die fällt nun weg.» Es sei notwendig, dass man eine interdisziplinäre Zusammenarbeit anstrebe, damit es gelinge, die Alten und auch die chronisch Kranken nach dem Lockdown wieder zu aktivieren und zu regelmässiger Bewegung anzuhalten.