Wohlen

Wohler Pfarrei und Caritas bringen Licht ins Dunkel

Das Projekt «lichteRzeit» der katholische Pfarrei soll ein neuartiger Weg in der Adventszeit sein. Es besteht aus einem Lichterpfad im Wald und aus der Aktion «Eine Million Sterne», bei der Hunderte von Kerzen die Kirchentreppe erleuchten.

Behutsam tasten sich drei Gestalten durch den stockfinsteren Wohler Wald und spähen in die Nacht hinaus. Es handelt sich dabei aber nicht etwa um nachtaktive Spaziergänger, sondern um Teilnehmer des diesjährigen Lichterpfades. Organisiert hat ihn die Pastoralassistentin der katholischen Pfarrei Wohlen, Dorothea Wey, zusammen mit Edith Seiler, Mitglied des Pfarreirates.

«Ungezwungene Adventsfeier»

Das Konzept des Lichterpfades ist simpel: Der Weg zwischen dem Wohler Forsthaus und der Station Erdmannlistein ist mit schwach flackernden Kerzchen ausgesteckt. Am Empfang erhält jeder abenteuerlustige Spaziergänger eine Kerze, die ihm als einzige Lichtquelle durch die düstere Natur dient. Der Spaziergang ist somit eine Gratwanderung zwischen Besinnlichkeit und Geheimnisvollem. Einsamkeit, Kälte und Dunkelheit verfliegen aber rasch, sobald sich die Wege zweier Spaziergänger kreuzen: Unbekannte grüssen sich per du, schwärmen vom Glühwein am Ende des Wegs und lachen über das schlechte Schuhwerk der Jungen. Diese warmen Begegnungen sind, was Organisatorin Dorothea Wey sich gewünscht hat: «Der Lichterpfad soll eine ungezwungene Adventsfeier sein», erklärt sie.

Weihrauch und leuchtende Sorgen

Der weihnachtliche Gedanke spiegelt sich denn auch in den vielen Posten, die sich entlang des Lichterpfades befinden. Die Spaziergänger können Weihrauch in der brütenden Glut verbrennen und ihre Herzenswünsche somit symbolisch in den Himmel aufsteigen lassen. An einem weiteren Posten können die Kinder und Erwachsenen ihren Kummer und ihre Anliegen in eine Bienenwachs-Kerze drehen. Daraufhin ordnen sie die Lichter in einer Spirale an und können mithilfe der brennenden Kerzen ihre Sorgen in Licht verwandeln. Das Spirituelle hat somit einen hohen Stellenwert beim Lichterpfad, wie Wey bestätigt. «Überdies soll der Anlass den Leuten ermöglichen, die Kirche auf eine ungezwungene Weise kennenzulernen.»

Weihnachtsstimmung für alle

Am Ziel angekommen belohnen die Organisatoren die leicht fröstelnden, aber glücklichen Wanderer mit Glühwein und Lebkuchen. Wem die vielen Kerzen und Adventsrituale noch keine weihnachtliche Stimmung eingeflösst haben, kommt spätestens jetzt auf seine Kosten. Das knisternde Feuer und die typisch winterlichen Köstlichkeiten versetzen selbst den grössten Weihnachtsmuffel in festliche Stimmung. So zieht Wey am Ende des Abends ein positives Fazit: «Obwohl das Wetter wenig einladend war, nahmen rund 50 Leute am Lichterpfad teil. Da wir ausschliesslich positive Rückmeldungen erhielten, wird der Anlass nächstes Jahr wohl wieder stattfinden.»

Unterstützung für die Armen

In dieselbe weihnachtliche Stimmung kamen viele Autofahrer ganz unverhofft, die von Bremgarten nach Wohlen fuhren. Denn vor der katholischen Kirche strahlten unzählige Kerzen in die Nacht hinaus. Das Projekt «Eine Million Sterne» entstammt den Händen der Caritas und wird in Wohlen mithilfe der Missione Cattolica Italiana (MCI) umgesetzt. Die Einnahmen aus dem Anlass kommen dem Caritas-Markt in Baden zugute. «Die Armut ist auch in unserer Region ein ernst zu nehmendes Problem», erläutert Francesco Marra von der MCI. Zwar wüssten viele darüber Bescheid, aber dennoch werde es oft unter den Teppich gekehrt. Die Sterne sollen somit Mitgefühl und Verbundenheit mit den Notleidenden darstellen.

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