Die Enttäuschung war Gemeindeammann Arsène Perroud anzumerken: «Klar ist der Gemeinderat Wohlen über diese deutliche Ablehnung des Budgets nicht erfreut. Er ist nach wie vor der Meinung, dass eine Steuererhöhung von 110 auf 115 % der richtige Weg wäre, die Wohler Finanzen einigermassen ins Lot zu bringen. Das hat ja übrigens auch der Einwohnerrat in der Budgetdebatte so gesehen», erklärte er in einer ersten Stellungnahme.

Der Wohler Voranschlag mit einer Steuererhöhung um 5 % ist mit 1645:2374 Stimmen unerwartet deutlich bachab geschickt worden. Hat der Gemeinderat im Abstimmungskampf zu wenig unternommen? «Im Nachhinein ist man immer klüger und beurteilt die Lage anders», sagt Perroud. Es habe sich aufgrund der Aktivitäten der Gegner und der allgemeinen Stimmung in den Leserbriefen abgezeichnet, dass es für die gemeinderätliche Vorlage knapp werden würde.

Er sei jedoch der Meinung, der Gemeinderat habe mit seiner informativen Broschüre klar aufgezeigt, um was es gehe und zudem an den Informationsveranstaltungen zu den verschiedenen Projekten in der Vergangenheit auch stets kommuniziert, dass angesichts des grossen Investitionsbedarfs eine Steuererhöhung unumgänglich sei. «Doch», sagt Perroud, «mit Steuererhöhungen ist es halt so eine Sache. Sie sind nie populär, das hat sich heute ja auch in Buchs und Baden gezeigt, wo die Budgets ebenfalls abgelehnt worden sind.»

Gemeinderat will über die Bücher

Wie es weitergeht, dazu konnte und wollte sich der Gemeindeammann am Sonntag noch nicht äussern. «Es gibt verschiedene mögliche Szenarien. Vorerst wird der Gemeinderat das Resultat am Montag seriös analysieren und dann entscheiden, welches Vorgehen er wählt.» Man könne versuchen, sich bei den Ausgaben noch weiter einzuschränken, das würde aber auch Verzicht bedeuten. Der Gemeinderat sei nach wie vor überzeugt, dass ein Steuerfuss von 115 % in Wohlen nötig sei. Doch das bedeute keineswegs, dass er jetzt nicht noch einmal seriös über die Bücher gehe.

Nach wie vor gar nichts von einer Steuererhöhung hält die SVP: «Wir sind natürlich froh, dass es so gekommen ist und dürfen die Ablehnung des Budgets wohl auf unsere Kappe schreiben. Klar hat uns die FDP letztlich auch geholfen, aber den grössten Einsatz im Abstimmungskampf haben sicher wir geleistet», sagt SVP-Präsident und Einwohnerrat Roland Büchi. Kompromissbereit sei seine Partei auch weiterhin nicht: «Wir stehen nach wie vor für einen gleichbleibenden Steuerfuss von 110 % Prozent ein», erklärte er am Sonntagnachmittag.
FDP will mit sich reden lassen

Etwas anders sieht es die FDP. Sie will mit sich reden lassen, wie Parteipräsident und Einwohnerrat Thomas Hoffmann erklärte. «Ich öffne heute keine Champagnerflasche, die Ablehnung des Budgets ist kein Grund zum Feiern», sagt er. Der Gemeinderat habe es verpasst, auf den Kurs der FDP einzuschwenken, die eine moderatere Steuererhöhung um 3 auf 113 % gefordert hatte. Damit könnte die Partei auch weiterhin leben: «Für uns ist klar, dass der Steuerfuss erhöht werden muss. Und wir werden auch Hand bieten, wenn sich in Zukunft im Zusammenhang mit der Realisierung von weiteren Grossprojekten zeigen sollte, dass 113 % nicht reichen. Aber: Jetzt muss der Gemeinderat vorerst das Budget konsequent noch einmal straffen und eine halbe Million einsparen.» Weiter, erklärte Hoffmann, verlange die FDP eine systematische Ausgabenkontrolle, wie sie mit der AHA-Motion gefordert worden sei. Da müsse der Gemeinderat nun einfach einlenken und seine Hausaufgaben machen.