Im Streit um das fehlende Kreuz in der vor einem Jahr sanierten Abdankungshalle in Wohlen bahnt sich eine Lösung an. Eine Arbeitsgruppe, in der neben dem Gemeinderat auch Vertreter der beiden Landeskirchen und deren Seelsorger sowie der für die gelungene Sanierung verantwortliche Architekt Kurt Kolb mitwirkten, hat einen gangbaren Weg aufgezeichnet.

Der Kompromiss ist eine Stele, die sich bei Bedarf zu einem Kreuz aufklappen lässt. Mit dieser Stele, so erläuterte Kurt Kolb, stehe in der Abdankungshalle zudem künftig ein Symbol, das allen Religionen gerecht werde: «Stelen oder Obelisken kennt man seit der griechischen Antike. Sie dienten als Inschriften- oder Grenzsteine, aber auch als Grabmäler.» Die gleiche Lösung ist in der Abdankungshalle Muri realisiert worden und hat sich bewährt.

Spagat für den Gemeinderat

Der Gemeinderat habe mit der Suche nach einem Kompromiss im Kreuz-Streit zu einem Riesen-Spagat angesetzt, erklärte Gemeinderat Urs Kuhn bei dessen Vorstellung: «Einerseits wäre der Gemeinderat verpflichtet gewesen, dem Einwohnerratsbeschluss vom März strikte nachzuleben. Das Parlament hat die Motion der SVP zur Anbringung eines Kreuzes in der Abdankungshalle deutlich abgelehnt.»

Anderseits, sagte Kuhn, habe der Gemeinderat aber auch Handlungsbedarf erkannt, nachdem die SVP eine Volksinitiative lanciert habe: «Abstimmungen über Religions- und Glaubensfragen können in Grabenkämpfe ausarten und in einem Dorf viel Unfrieden stiften. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, unter Einbezug der beiden Landeskirchen eine einvernehmliche Lösung zu suchen», erklärte er.

Jetzt liegt diese vor, ist absolut praktikabel und kostet die Gemeinde nichts. Die Kosten von rund 5000 Franken für Planung und Realisierung werden einerseits aus dem Bacher-Meyer-Fonds beglichen, aus dem schon namhafte Beiträge an die Sanierung der Abdankungshalle entnommen werden durften. Anderseits übernehmen die beiden Landeskirchen einen Teil der Finanzierung.

SVP zieht noch nicht zurück

Die SVP anerkennt laut Peter Tanner, Sekretär des Initiativkomitees, die Bemühungen des Gemeinderates und der kirchlichen Kreise nach einer einvernehmlichen Lösung durchaus: «Mit diesem Vorschlag können wir leben. Wir begrüssen die Initiative des Gemeinderates und hoffen, dass es nicht zu einer Abstimmung kommen muss.»

Dennoch will das Komitee die Unterschriften-Sammlung nicht stoppen: «Uns wurde schon zu oft etwas versprochen, das später nicht eingehalten wurde», begründet Tanner. Damit, erklärt er, ziele die SVP jedoch nicht primär auf den Gemeinderat; «Es wäre ja auch möglich, dass andere Kreise diese gute Lösung in letzter Minute noch torpedieren. Dafür wollen wir gewappnet sein. Wenn die Stele, beziehungsweise das Kreuz, in der Abdankungshalle montiert und absehbar ist, dass dieses Werk dort auch stehen bleiben kann, dann verzichten wir noch so gerne auf eine Abstimmung», erklärte Tanner. Kommentar rechts