Stadion Niedermatten
Wohler Gemeinderat Urs Kuhn: «Die Swiss Football League verkennt die Demokratie»

Wegen fehlender Klappsitze und einer ungenügenden Beleuchtung im Stadion Niedermatten droht die Swiss Football League (SFL) dem FC Wohlen die Lizenz für die nächste Saison zu verweigern. Gemeinderat Urs Kuhn findet das Ultimatum der Lizenzkommission an den Fussballclub völlig daneben.

Toni Widmer
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Gemeinderat Urs Kuhn hat kein Verständnis für die ultimative Forderung der Swiss Football League. az-Archiv To

Gemeinderat Urs Kuhn hat kein Verständnis für die ultimative Forderung der Swiss Football League. az-Archiv To

Toni Widmer

Wegen fehlender Klappsitze und einer ungenügenden Beleuchtung im Stadion Niedermatten droht die Swiss Football League (SFL) dem FC Wohlen die Lizenz für die nächste Saison zu verweigern.

Mit Schreiben vom Dienstag, 25. April, hat die SFL ein Ultimatum gesetzt. Innerhalb von 24 Stunden müsse der FC Wohlen ein Ausweichstadion für die Heimspiele in der Saison 2017/18 benennen, das den Auflagen und Anforderungen der SFL bezüglich Infrastruktur entspreche.

Anruf bei Lizenzkommission: Kein Gehör für Wohler Gemeinderat

Gemeinderat Urs Kuhn hat gestern Donnerstag mit der Lizenzkommission der Swiss Football Ligue telefoniert: «Offenbar war man dort am Tagen und hat für mich gleich ein Konferenztelefon geschaltet», erklärte er. Das war schon der einzige Erfolg seines Anrufs: «Ich habe den Herren unser Unverständnis über das Ultimatum signalisiert und ihnen auch deutsch und deutlich erklärt, dass wir ein solches Gebaren als reine Machtdemonstration des Verbandes interpretieren.

Weiter habe ich ihnen zu erklären versucht, dass der gesetzte Zeitrahmen unter demokratischen Bedingungen schlicht und einfach realitätsfern ist.» Man habe ihm zugehört und am Schluss trocken kommentiert: «Wir sind lediglich die Lizenzbehörde und müssen uns an unsere Vorgaben halten.» Nicht eben gute Erfahrungen hat Kuhn auch bei einem Besuch vor zwei Jahren im Haus des Sports gemacht: «Schon damals versuchte ich erfolglos zu erklären, was unter demokratischen Verhältnissen möglich ist und was nicht.» (to)

Der FC sieht jetzt die Gemeinde am Zug. Sie ist als Betreiberin des Stadions für die Infrastruktur zuständig. Gemeinderat Urs Kuhn will sich aber den schwarzen Peter nicht zuschieben lassen: «Die SFL scheint zu verkennen, dass wir in einer Demokratie leben. Der Gemeinderat Wohlen kann nicht von heute auf morgen irgendwelche Forderungen erfüllen. Er muss sich an die demokratischen Abläufe halten.»

Forderungen überrissen

Die Forderung der Football League nach Klappsesseln – nach einer europäischen Norm – sowie nach einer stärkeren Beleuchtung besteht nicht erst seit gestern. Hat der Gemeinderat die Anliegen einfach negiert oder zumindest auf die lange Bank geschoben? «Keineswegs», sagt Urs Kuhn, «wir waren mit dem Fussballclub stets in Verhandlung. Doch erstens sind diese Forderungen in unseren Augen schlicht und einfach überrissen und schon gar nicht in der kurzen Zeit umsetzbar, wie sich das die SFL wünscht.»

Das Stadion Niedermatten ist am 26. Juni 2004 eingeweiht worden, der FC Wohlen spielt seit 2002 in der Challenge League. Die Anlage wurde also auf die Bedürfnisse dieser Spielklasse konzipiert.

Und da liegt für Kuhn auch der Hund begraben: «Es kann doch nicht angehen, dass die SFL nach wenigen Jahren teure Konzeptänderungen für ein Fussballstadion verlangt, welches bei seiner Eröffnung alle nötigen Kriterien erfüllt hat. Nur weil eine Fernsehstation, die pro Jahr ein paar wenige Spiele überträgt, zu wenig Licht hat, oder weil man plötzlich gemerkt hat, dass nach der europäischen Norm nicht Schalensitze, sondern Klappsitze nötig sind.»

Für Kuhn sind weder die bestehenden Sitze auf der Tribüne ein Sicherheitsrisiko, noch sticht für ihn das Argument, das Licht reiche nicht aus: «Das sind in unseren Augen einfach unrealistische Forderungen. Als Nächstes kommt dann wohl noch die Pflicht für eine Rasenheizung.»

Arbeitsgruppe gebildet

Die SFL habe, erklärt Kuhn weiter, keine Ahnung, was es heisse, wenn ein Fussballstadtion von der öffentlichen Hand betrieben werde. Das zeige sich auch darin, dass sie nicht mit der Gemeinde Wohlen als Stadionbesitzerin spreche, sondern nur mit den Klubs: «Wir können dann von den neuesten Forderungen, Ultimaten und Drohungen auf einem Online-Portal lesen.»

Dennoch habe der Gemeinderat die Forderungen bisher stets ernst genommen. Das zeige sich auch darin, dass man lange vor dem «aktuellen Schildbürgerstreich der SFL» eine Arbeitsgruppe gebildet habe, die sich um das Problem kümmere. Im Mai sei zudem schon seit einiger Zeit ein runder Tisch geplant. Bisher habe jedoch der Kunstrasen Priorität gehabt. Und der sei leider in der Referendumsabstimmung vom 26. März abgelehnt worden.

Kuhn dazu: «Wer jetzt glaubt, wir könnten übermorgen das Stimmvolk um eine Million für eine neue Beleuchtung im Stadion Niedermatten bitten, der verkennt die politische Realität.»