Brauchtum

Wohler Fasnacht soll auch den Muslimen schmecken: Wienerli sind künftig aus Pouletfleisch – SVP empört

Das Wienerli gehört an der Wohler Fasnacht einfach dazu – künftig sind es Poulet-Würstli. (Archivbild)

Das Wienerli gehört an der Wohler Fasnacht einfach dazu – künftig sind es Poulet-Würstli. (Archivbild)

An der Kinderfasnacht Wohlen werden die Kleinsten jeweils mit Wienerli verpflegt. Die Kammergesellschaft hat nun entschieden, auf Poulet-Würste umzustellen, wegen der muslimischen Kinder. Die SVP sieht darin eine «Kapitulation vor der Islamisierung».

Als Minions, als Mäuse, oder mit einem ganzen Schwimmbad im Schlepptau zogen die Schulklassen am Schmutzigen Donnerstag in den letzten Jahren durch Wohlen. Die Kinderfasnacht hat jahrzehntelange Tradition. Nach den Konfetti-Schlachten und dem vielen zuwinken und herumhüpfen braucht es eine Stärkung, und die gibt es in Wohlen in Form eines Wienerlis – wohl für viele Kinder der Höhepunkt des Tages.

Wie «Blick» nun berichtet, hat die Kammergesellschaft Wohlen für den nächsten Umzug eine Neuerung eingeführt: Die Schweine-Würstchen werden durch Geflügel-Würstchen ersetzt.  «Uns fällt kein Zacken aus der Krone, wenn wir auf Poulet umstellen», sagt Vorstandspräsident Peter Michel gegenüber Blick. Man habe die Würstchen aus der lokalen Metzgerei probiert und sie hätten genauso gut geschmeckt. 

Man habe sich dafür entschieden, weil man die Tradition am Leben halten und möglichst viele Leute ansprechen wolle, so Michel weiter. 

Nicht erfreut über den Entscheid ist Jean-Pierre Gallati, SVP-Grossrat und jahrelang Einwohnerrat in Wohlen. In der Aktion sieht er eine «Kapitulation vor der Islamisierung».

Die Fasnacht habe einen christlichen Hintergrund, dass man sich jetzt wegen des Besucherrückgangs den Muslimen anbiedere, sei dumm.

Michel dagegen argumentiert, die Kinder hätten eine riesen Freude am Wienerli-Brauch: «Lassen wir die Kinder also Kinder sein. Der Rest ist wurst.»

Aus dem Archiv: Der Kinderumzug in Wohlen

Vor dem Wienerli war die Cervelat

Es ist nicht der erste Streit um die Wurst: Aus Rücksicht auf muslimische Kinder sollte für das Abschlussfest der Schule in Strengelbach kein Schweinefleisch mitgebracht werden. Wie sich herausstellte, handelte es sich aber nicht um ein Cervelat-Verbot, wie SVP-Nationalrat Andreas Glarner auf Facebook monierte, sondern lediglich um eine Bitte der Schule, damit beim gemeinsamen Mittagessen alle davon essen können.

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