Der Regierungsrat lässt den Steuerfuss in Wohlen auf 110 Prozent und blockt so den Wunsch des Gemeinderats nach einer Steuererhöhung ab. Juristisch ist der Entscheid nachvollziehbar, doch er bringt Wohlen keinen Schritt weiter. Damit steckt die Gemeinde nur tiefer im Schuldensumpf und hat es schwerer, die Mehrheit der Stimmbürger von höheren Steuern zu überzeugen. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass die Gegner den Entscheid so interpretieren werden, dass eine Steuererhöhung grundsätzlich nicht nötig ist. Dabei sprechen die getätigten grossen Investitionen, wie Bushof, Badi und Eisbahn sowie die sanierungsbedürftigen Schulhäuser eine andere Sprache.

Im Einwohnerrat war ausser der SVP keine Fraktion gegen eine Steuerfusserhöhung. Auch die FDP setzte sich dafür ein, wenn auch für eine moderatere um drei statt fünf Prozentpunkte. Der grosse Fehler war, dass die Mehrheit des Einwohnerrats vor der zweiten Abstimmung nicht auch diesen Kurs einschlug. Die Stimmbürger zweimal über dieselbe Vor- lage abstimmen zu lassen, war kontraproduktiv. Nun geht alles wieder von vorne los. Gut möglich, dass in einem Jahr wieder die Regierung den Steuerfuss festlegen muss. Dann voraussichtlich mit anderem Ergebnis.