Projekt «SpielPolitik!»

Wohler Bezirksschüler spielen Nationalrat in Bern: «So kann man Jugendliche für Politik begeistern»

Die Jugendlichen sind sich einstimmig einig die Initiative «Ja zur einwegplastikfreien Schweiz» abzulehnen. Bild: Simon Kuhn

Die Jugendlichen sind sich einstimmig einig die Initiative «Ja zur einwegplastikfreien Schweiz» abzulehnen. Bild: Simon Kuhn

Während «SpielPolitik!» erhalten Schulklassen die Möglichkeit, Nationalrat zu spielen. Matthias Hehlens Klasse aus Wohlen ist eine davon.

Der Nationalratsaal ist heute nur halb gefüllt und dies auch nicht mit den üblichen Nationalräten, sondern mit zwei Schulklassen. Sie werden wie echte Politiker über ihre selbst entworfenen Initiativen und deren Gegenvorschläge diskutieren. Diese haben sie im Rahmen des Projekts «SpielPolitik!» erarbeitet.

Matthias Hehlen nimmt zusammen mit seiner Wohler Bezirksschulklasse am Projekt teil. Während des Staatskundeunterrichts und dreier Projekttage haben sie das politische System der Schweiz vertieft und eine eigene Initiative entworfen. Sie besuchten die kanadische Botschaft, trafen SP-Nationalrat Cédric Wermuth und diskutierten am 6. November ihre Initiative im Bundeshaus in Bern. Diese trägt den Titel «Solarland Schweiz» und es geht darum, dass auf allen neuen Bauten, auf denen es sich rentiert, Photovoltaikanlagen installiert werden müssen. Deren Bau soll vom Staat subventioniert werden.

Wohler Bezirksschüler als Nationalräte in Bern

Als Erstes wurde die Initiative mit dem Namen «Ja zur einwegplastikfreien Schweiz!» einer Sekundarschulklasse aus Berikon diskutiert. Gemäss diesem Vorstoss soll bis 2021 kein Einwegplastik in der Schweiz mehr angeboten oder produziert werden. Zudem soll die Einfuhr mit Geldstrafen sanktioniert werden. Felicity Heinz und Anja Moser teilten zuerst die Beratung der Kommission, die ebenfalls aus Schülerinnen und Schülern besteht. Diese hat sich einstimmig für einen Gegenvorschlag entschieden. Anja Moser erzählt: «Der Gegenvorschlag besteht darin, dass die sieben Plastikprodukte, welche in der EU nicht erlaubt sind, und vier weitere verboten werden.» Zuletzt übernahm Nationalrätin Priska Seiler das Wort. Sie erklärte: «Die Initiative selbst, wie auch deren Gegenentwurf, seien zu konkret und zu kurzfristig.» Der Gegenentwurf wurde trotz Seilers Empfehlung von den Jugendlichen angenommen.

Nun stand die Initiative von Hehlens Klasse auf der Tagesordnung. Auch hier empfahl die Kommission, die Initiative abzulehnen und den Kommissionsgegenvorschlag anzunehmen. Dieser schlägt vor, dass erst 2030 auf allen Neubauten Solaranlagen installiert werden müssen. Andere Gebäude müssen mit erneuerbarem Strom versorgt werden. Der Gegenvorschlag des Bundesrats, entworfen vom Spielleiter Stefan Walter, schlägt vor, alle Neubauten mit Photovoltaikanlagen auszurüsten. Colin Rohs fand den Gegenvorschlag der Kommission problematisch. «Das bestehende Problem wird nur über ein Jahrzehnt aufgeschoben», sagt er. Die Jugendlichen einigten sich für den Gegenentwurf des Bundesrates.

Staatskunde selbst erleben, statt sie nur zu lesen

«Am Projekt ‹SpielPolitik!› habe ich schon einmal mit einer Klasse teilgenommen und war davon hell begeistert. Ich finde es eine äusserst nachhaltige Form von Staatskundeunterricht», sagt Hehlen. «Am liebsten würde ich jedes Jahr mit einer Klasse teilnehmen.» Mit dieser Meinung ist er nicht alleine, auch seine Schülerinnen und Schüler fanden das Projekt sinnvoll. Valentin Karpatchev meint dazu: «Wir hätten uns in der Schule sicher weniger Mühe gegeben als hier im Nationalratssaal.» Auch Colin Rohs, der sich bereits vorher politisch informierte, sagt: «Das Projekt ist super und ich habe einen genaueren Einblick in unser politisches System erlangt. Ich denke, so kann man mehr Jugendliche für Politik begeistern.»

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