Wohlen
Zusätzliche Stellen abgelehnt: Doch wie sollen nun die neue Tiefgarage und die Hofmattenhalle unterhalten werden?

Der Wohler Einwohnerrat lehnte kürzlich neue Stellen im Bereich Liegenschaften (Hauswart und Reinigung) ab. Diese wären primär für die Dreifachhalle Hofmatten und die Bahnhoftiefgarage gedacht gewesen. Die Grünen zeigen sich enttäuscht, die SVP will die Vereine in die Pflicht nehmen.

Marc Ribolla
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Die Einfahrt in die neue Tiefgarage beim Bahnhof Wohlen, die bald eröffnet werden wird.

Die Einfahrt in die neue Tiefgarage beim Bahnhof Wohlen, die bald eröffnet werden wird.

Marc Ribolla

In wenigen Wochen wird in Wohlen die neue Tiefgarage unter dem Bushof am Bahnhof in Betrieb gehen – und im Herbst 2022 soll die neue zusätzliche Dreifachturnhalle Hofmatten eröffnet werden. Für den Gemeinderat ist klar, dass dadurch dort und auch an anderen gemeindeeigenen Örtlichkeiten der Bedarf an Personal im Bereich Liegenschaften grösser wird.

Er beantragte deshalb an der letzten Einwohnerratssitzung Ende Juni eine Erhöhung der Pensen bei den Hauswarten um 175 Stellenprozente. Für die Hofmattenhalle wären dabei 100 Prozent und für die Tiefgarage 25 Prozent vorgesehen gewesen. Zusätzlich sollte beim Reinigungspersonal im Stundenlohn allgemein um 195 Stellenprozent aufgestockt werden.

Die Anträge wurden aber knapp mit 15:17-Stimmen abgelehnt. Wie zuvor auch eine geringfügige Kürzung der Pensen, die die Mitte beantragt hatte. Die Stellen sind damit nicht bewilligt. Doch wie weiter nun?

Eine Visualisierung der neuen Sporthalle Hofmatten in Wohlen, die im Herbst 2022 fertig sein wird.

Eine Visualisierung der neuen Sporthalle Hofmatten in Wohlen, die im Herbst 2022 fertig sein wird.

zvg

Über ein Referendum nachgedacht

Die Einwohnerratsfraktion der Grünen, die die Anträge unterstützt hatte, ist auch mit etwas Abstand noch sauer. Anna Keller, Franziska Matter und Patrick Schmid erklären gemeinsam:

«Es ist unverständlich, verantwortungslos und skandalös, dass wir eine tolle neue Dreifachhalle bauen, aber kein Geld zur Verfügung stellen, um einen Hauswart oder Putzpersonal anzustellen.»

Das Gleiche gelte für die P&R-Anlage am Bahnhof. Mit den vorhandenen Kapazitäten müsse der Betrieb der neuen Turnhalle auf den gesetzlichen Turnunterricht begrenzt werden, behaupten die Grünen. Verschiedene Vereinspräsidenten, SP, GLP oder EVP seien auf ihre Anfrage hin ebenfalls konsterniert gewesen.

Kurzzeitig dachten die Grünen deshalb daran, das Referendum zu ergreifen. Angesichts der Sommerferien und der Frist 2. August hätten sie das Vorhaben schweren Herzens aufgegeben.

Unverständnis zeigen die Grünen für die ablehnende Haltung der bürgerlichen Ratsparteien. Sie erklären rhetorisch: «In den Abstimmungsunterlagen wurden die benötigen Stellenprozente immer klar und deutlich ausgewiesen und das Volk hat die Vorlagen mit deutlichem Mehr genehmigt. Wer hat da nicht fertig gelesen?»

Harry Lütolf, Einwohnerrat und Präsident der Mitte Wohlen.

Harry Lütolf, Einwohnerrat und Präsident der Mitte Wohlen.

zvg

Für Mitte-Präsident Harry Lütolf steht seinerseits fest, wer den Schwarzen Peter hat. Er sagt auf AZ-Anfrage: «Das Scheitern der Hauptanträge des Gemeinderates muss sich, man kann es drehen und wenden, wie man will, die Ratslinke anrechnen lassen. Sie hielt am Maximum fest, statt auf eine kleine Reduktion einzuschwenken.»

Die Mitte habe nie behauptet, dass es für die Hofmattenhalle und die Tiefgarage nicht mehr Pensen braucht, so Lütolf. Er sagt:

«Die Sturheit der Linken hat schliesslich zum Absturz der gesamten Pensenerhöhung geführt.»

Werkhof-Personal und Vereine sollen mitarbeiten

Dezidiert gegen die zusätzlichen Stellen sprach sich hingegen die SVP aus. Präsident Roland Büchi liefert auch einen Vorschlag, wie die fehlenden Stellen kompensiert werden können. Er sagt:

«Jeder öffentliche Parkplatz wird vom Werkhof-Personal unterhalten. Dieses kann somit auch die Reinigung der Tiefgarage übernehmen.»
Roland Büchi, Einwohnerrat und Präsident der SVP Wohlen.

Roland Büchi, Einwohnerrat und Präsident der SVP Wohlen.

zvg

Die neue Hofmattenhalle werde mit der bestehenden zusammengebaut. Gemäss Büchi könne das bisherige Personal so auch den gemeinsamen Unterhalt übernehmen. Und er meint auch: «Bei der Reinigung am Wochenende müsste man die Vereine miteinbeziehen. Sie nutzen die Anlage und sind sicher bereit, Hand zu bieten.»

Büchi gibt zu bedenken, dass man auch die Auslastung der Hauswarte wieder einmal überprüfen könnte. Er verweist auf Berechnungen des Fachverbandes der Hauswarte bezüglich Arbeitsaufwand.

Büchi sagt: «Eine solche Analyse würde den effektiven Bedarf an Personal aufzeigen. Man muss bereit sein, Lösungen zu suchen und nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen. Es ist Sparen angesagt.»