Wohlen
Wurzeln, Risse und Einbrüche – man sieht den Büttikerbach zwar nicht, aber er muss dringend saniert werden

Es sind nur 380 Meter Betonrohr, aber dieses kann bei einem hundertjährigen Hochwasser schnell zur Gefahr werden. Denn der eingedolte Büttikerbach, der unter Wohlen hindurchfliesst, hat schon öfter für Überschwemmungen gesorgt. Für 3,6 Mio. Franken soll dieses Problem nun behoben werden.

Andrea Weibel
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Durch die neue Linienführung soll der unterirdische Büttikerbach hier die Freiämterstrasse nicht mehr diagonal, sondern gerade (auf dem Bild von links nach rechts entlang der Unteren Farnbühlstrasse) queren.

Durch die neue Linienführung soll der unterirdische Büttikerbach hier die Freiämterstrasse nicht mehr diagonal, sondern gerade (auf dem Bild von links nach rechts entlang der Unteren Farnbühlstrasse) queren.

Marc Ribolla

Der kleine Büttikerbach hat zu kämpfen. In seinem Betonrohr hat er bei schweren Regenfällen schon wegen des geringen Durchmessers von 50 Zentimetern Mühe all sein Wasser abzuführen. Nun zeigen Aufnahmen der Abteilung Tiefbau und Verkehr der Gemeinde Wohlen, dass ihm durch Risse, Einbrüche und viele Wurzeleinwachsungen an unzähligen Stellen der Weg zusätzlich erschwert wird. Bei einem Hochwasser kann er darum gar nicht anders, als beispielsweise beim Kontrollschacht an der Unteren Farnbühlstrasse auszutreten und die Gärten zu überschwemmen. Das soll sich nun ändern.

Der Wohler Gemeinderat beantragt beim Einwohnerrat einen Kredit von 3,6 Mio. Franken, um dem Büttikerbach zu mehr Freiraum und einem guten Durchkommen zu verhelfen. Oder in den Worten des Gemeinderats: «Die Büttikerbachleitung befindet sich in einem einsturzgefährdeten, nicht mehr funktionstüchtigen Zustand. Ein Neubau ist zwingend erforderlich.» Denn nur so sei es möglich, das Wasser eines «hundertjährigen Regenereignisses» – also 2,3 Kubikmeter pro Sekunde – ohne Schaden ableiten zu können.

380 Meter neuer Bachlauf, 160 Meter sanierte Kanalisation

Es sind rund 380 Meter Bachlauf, die ab dem bestehenden Einlauf innerhalb der Unteren Farnbühlstrasse und dem Bollmoosweg bis zum Hochwasserentlastungsbauwerk im Bereich Bollmoosweg/Steindlerstrasse saniert werden sollen.

Dabei wird aber nicht nur die Betonröhre von 50 auf 120 Zentimeter erweitert. Auch soll der Bach neu so gut wie möglich der Strassenführung folgen und nicht mehr durch private Parzellen führen. So könnten auch Arbeiten daran einfacher ausgeführt werden, sollte es dereinst wieder nötig werden.

Das Projekt, das der Gemeinderat am 8. November dem Einwohnerrat zur Genehmigung unterbreitet, ist in Zusammenarbeit mit dem Kanton entstanden. Es umfasst neben den Arbeiten am Büttikerbach auch ein Ersatz der Kanalisationsleitung ab Knoten Untere Farnbühlstrasse und Freiämterstrasse auf einer Länge von rund 160 Metern. Dieser Teil wird mit Kosten von 630'000 Franken veranschlagt.

Kanton und Gebäudeversicherung unterstützen Gemeinde finanziell

Ausgelöst wurde die Planung durch das Sanierungsprojekt der Freiämter- und Friedhofstrasse des Kantons. Deswegen hat die Abteilung Tiefbau und Verkehr der Gemeinde Ende 2018 die Ausarbeitung eines Vorprojektes mit mehreren Varianten für die Vergrösserung und Umlegung der Büttikerbachleitung in Auftrag gegeben.

So sehen die Leitungen teilweise aus: Sie haben Risse, wodurch Wurzeln einwachsen und den Durchfluss teilweise stark erschweren.

So sehen die Leitungen teilweise aus: Sie haben Risse, wodurch Wurzeln einwachsen und den Durchfluss teilweise stark erschweren.

Bericht und Antrag Gemeinde Wohlen

Ende Februar 2020 wurde die Variantenstudie der kantonalen Abteilung für Landschaft und Gewässer zur Stellungnahme vorgelegt. Die beiden Abteilungen haben sich auf das vorliegende Projekt geeinigt und es als nachhaltigste Linienführung empfohlen. Ausserdem hat der Kanton in Aussicht gestellt, sich finanziell am Projekt zu beteiligen.

Er stellt 40 Prozent (480’000 Franken) an den Mehrkosten für die Kapazitätserweiterung beim Büttikerbach in Aussicht. Zusätzlich kann auch mit einem Beitrag der Aargauischen Gebäudeversicherung von 5 Prozent (130’000 Franken) gerechnet werden.

Läuft alles gut, kann im Winter 2022/2023 mit den Arbeiten begonnen werden. Die Bauzeit soll dann rund zwei Jahre betragen, ein Grossteil der Arbeiten wird gleichzeitig mit den Strassenarbeiten des Kantons an der Freiämterstrasse durchgeführt.

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