Wohlen
«Woran haben Sie unter der Dusche gedacht?» – Murianer Künstler bringt 3D-Kunst und spannende Fragen ins Schlössli

Felix Fassbind hat sich so ins älteste Wohler Steinhaus verliebt, dass er sich eine Ausstellung überlegt hat, wie sie das Schlössli noch nie gesehen hat. Ab Freitag kann man in eine virtuelle Welt abtauchen, im Dschungel verschwinden, gemeinsam ein Schaukelpferd schaukeln oder die Duschkabine besuchen.

Andrea Weibel
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Der Murianer Künstler Felix Fassbind macht das Schlössli in Wohlen zum Dschungel.

Der Murianer Künstler Felix Fassbind macht das Schlössli in Wohlen zum Dschungel.

Andrea Weibel

«Ich bin sehr gespannt. So etwas hatten wir hier im Schlössli noch nie», sagt Hans Furter, Mitglied der Wohler Kulturkommission. Dabei schaut er die grossen Palmwedel aus bunt bemaltem Papier an, die der Künstler Felix Fassbind in Händen hält. Neben ihnen auf dem Tisch liegen sogenannte VR-Brillen, durch die man in eine virtuelle Realität schauen kann. Ein wenig Skepsis schwingt mit, doch er freut sich auch sichtlich.

Fassbind dagegen ist voller Tatendrang. Er baut gerade seine Ausstellung auf, die er eigens für das Wohler Schlössli konzipiert hat. «Ich unterrichte bildnerisches Gestalten an der Bezirksschule Wohlen und war daher schon öfter im Schlössli. Es ist ein fantastischer Raum, ich wollte immer schon wahnsinnig gerne hier etwas machen», berichtet er.

Nur mit Teamwork gelingt das Schaukeln – ein Symbol für die Gesellschaft

«Mir war schon bald klar, dass ich auf der Empore eine VR-Arbeit erschaffen möchte», erzählt Fassbind. «Dort sollen die Zuschauer innert weniger Minuten einen ganzen Tag erleben können. Die Arbeit ist durch Corona geprägt, sie soll der Sehnsucht, endlich wieder reisen zu können, entgegenwirken und einen abtauchen lassen.» Mehr verrät er noch nicht.

Im Parterre hingegen laden zwei weitere Arbeiten zum Mitmachen ein. Das grosse hölzerne Schaukelpferd, das derzeit noch beim Schreiner steht, soll zum Schaukeln gebracht werden. Dies wird jedoch nicht ohne Teamwork gehen – ein Umstand, in dem der Künstler nicht zuletzt auf die Gesellschaft als Ganzes verweist.

Neben dem Pferd in der Ecke entsteht derzeit etwas Unerwartetes: eine Duschkabine. «Meine Ideen entstehen oft beim Duschen», erklärt der Künstler lachend. «Ich möchte herausfinden, woran die Besucherinnen und Besucher unter der Dusche denken.» Diese Gedanken schreiben sie auf und heften sie an den Duschvorhang, sodass damit wiederum andere Leute inspiriert werden können.

Er will Schülern zeigen, dass Kunst Spass machen kann

Die Ausstellung soll aber nicht nur für die Zuschauer interessant sein. «Kunst erreicht fast nie die breite Bevölkerung. Ich möchte jedoch auch meinen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, zu erkennen, dass Kunst Spass machen kann», sagt Fassbind.

Schmunzelnd fügt er hinzu: «Hinter Französisch und Mathematik ist Kunst vermutlich das am wenigsten beliebte Fach an der Schule, das ist mir bewusst. Dabei könnte man so tolle Dinge gestalten. Und genau das möchte ich mit der Ausstellung vermitteln.» So konnten jene Schüler, die Lust hatten, bei der Ausstellung mitanpacken. Sie schnitten und bemalten beispielsweise die Palmblätter, die bald schon den Schlössli-Dschungel bilden werden.

«Rumble in the Jungle» Vernissage am Freitag, 24. September, 20 Uhr, im Schlössli, Steingasse 6, Wohlen. Covid-Zertifikat ist Pflicht.

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