Wohlen
Wohlen wappnet sich mit höherem Steuerfuss gegen den Absturz

Wohlen braucht Mittel für Investitionen. Die Gemeinde will daher den Steuerfuss ab 2015 um 3 auf 116 Prozent erhöhen. Gleichzeitig sollen Löcher gestopft werden. So soll die Grünabfuhr nicht weiter jährlich mit 800000 Franken subventioniert werden.

Fabian Hägler
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Gemeindeammann Walter Dubler, Vizeammann Matthias Jauslin und Finanzverwalter Gregor Kaufmann präsentieren den Finanzplan. fh

Gemeindeammann Walter Dubler, Vizeammann Matthias Jauslin und Finanzverwalter Gregor Kaufmann präsentieren den Finanzplan. fh

«Wir haben ein Einnahmenproblem», stellte der Wohler Gemeindeammann Walter Dubler bei der Präsentation des Finanzplans 2012–2016 fest. Mit lediglich 2047 Franken Steuerertrag pro Kopf der Bevölkerung steht Wohlen im Bezirk Bremgarten schlecht da. «Wenn wir dieselbe Steuerkraft hätten wie in Oberwil-Lieli, würden Wohlen pro Jahr 39 Millionen mehr zur Verfügung stehen», rechnete Dubler vor. Von so hohen Zahlen mag Vizeammann Matthias Jauslin nicht träumen. «Wenn wir es schaffen, das Bezirksmittel von 2554 Franken bei der Steuerkraft zu erreichen, würde Wohlen pro Jahr rund 7 Millionen mehr einnehmen», erklärte er.

Tatsache ist aber: Wohlen kann in den nächsten Jahren nicht mit markant höheren Steuererträgen rechnen. Die Erschliessung des Rebbergquartiers soll gute Steuerzahler anziehen, das Standort-Marketing-Konzept soll demnächst präsentiert werden, der Gestaltungsplan für das Jacob-Isler-Areal ist fast fertig – doch die Wirkung dieser Massnahmen dürfte erst längerfristig eintreten. Kurzfristig muss das Geld für Investitionen aus anderen Quellen kommen.

Grüngutgebühr ab 2013 geplant

«Wir wollen die Abfallbewirtschaftung, insbesondere das Grüngut, ab 2013 nicht mehr mit Steuergeldern subventionieren», kündigte Jauslin an. Bisher setzt die Gemeinde dafür 800000 Franken pro Jahr ein. Sagt die Bevölkerung Ja zur neuen Gebühr – die in den letzten Jahren mehrfach abgelehnt wurde – würde sich die Finanzlage etwas entspannen.

Das reicht aber noch nicht, um die anstehenden Projekte zu realisieren. Für die Sanierung von Schwimmbad und Eisbahn sind insgesamt rund 20 Mio. Franken eingeplant. Für Jauslin ist klar: Grossprojekte lassen sich nur mit höheren Steuern finanzieren. «Wir rechnen damit, dass wir den Steuerfuss ab 2015 von 113 auf 116 Prozent anheben müssen», sagte er. Der Finanzvorsteher betonte: «Es ist wichtig, dass wir diese Projekte realisieren, das stärkt den Standort, erhöht die Attraktivität und schafft Goodwill bei der Bevölkerung.»

Neutrale Rechnungen ab 2020

Ob das Stimmvolk die Steuererhöhung goutiert, ist derzeit noch offen. Im neuen Finanzplan sind die Auswirkungen von 113 oder 116 Prozent ab 2015 aber schon aufgeführt. «Wenn wir nicht total abstürzen wollen, brauchen wir 116 Prozent», erklärte Jauslin. Bei einem Steuerfuss von 113 Prozent seien die Investitionen nicht finanzierbar, ohne dass sich Wohlen massiv verschulde, erklärte er. Auch mit einer Steuererhöhung reichen die Einnahmen nicht, um die geplanten Investitionen zu finanzieren. Immerhin könnte Wohlen ab dem Jahr 2020 aber mit neutralen Abschlüssen ohne Aufwandüberschuss rechnen.

Das finanzpolitische Ziel, den Steuerfuss auf das Kantonsmittel von 107 Prozent zu senken, will der Gemeinderat dennoch weiterverfolgen. Allerdings wurde der Zeithorizont dafür von mittel- auf langfristig geändert.