Wohlen
Streit ums Gemeindehaus: Vier von sechs Fraktionen sind für eine Sanierung

Der Einwohnerrat hat einer Sanierung des Wohler Gemeindehauses sowie der kurzfristigen Ausquartierung des Betreibungsamtes aus Platzgründen zugestimmt. Dagegen haben Die Mitte und die SVP das Referendum ergriffen. SP, Grüne, FDP/Dorfteil Anglikon und GLP/EVP stellen sich nun hinter die Sanierungspläne des Gemeinderats.

Andrea Weibel
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Vier von sechs Einwohnerratsfraktionen stellen sich hinter die Sanierung des Wohler Gemeindehauses.

Vier von sechs Einwohnerratsfraktionen stellen sich hinter die Sanierung des Wohler Gemeindehauses.

Marc Ribolla (Juli 2020)

Im Wohler Gemeindehaus herrscht Platzmangel, so viel ist seit Jahren bekannt. Am 26. April hat der Einwohnerrat daher mit 21:18 Stimmen einem vorerst kleinen Sanierungspäckli des Gemeinderats zugestimmt. Darin sind einerseits 270'000 Franken für die Sanierung und vorläufige Neuaufteilung der Räume enthalten. Andererseits sind jährlich wiederkehrende Kosten von 65'149 Franken für die vorübergehende, bis zu zehn Jahre dauernde Auslagerung des Betreibungsamtes ins Migros-Gebäude vorgesehen.

Die beiden Ortsparteien Die Mitte und SVP haben dagegen ein so genanntes Zwillingsreferendum ergriffen. Jetzt wehren sich alle anderen Einwohnerratsfraktionen in einer gemeinsamen Stellungnahme dagegen und stellen sich auf die Seite des Gemeinderats.

Vier Fraktionen wollen «die Fakten klarstellen»

«Es mag sein, dass dieser Entscheid von der Mitte und SVP als knapp empfunden wird. Es mag sein, dass diese zwei Parteien grosse Visionen für die Gemeinde Wohlen haben. Es mag aber auch sein, dass hiermit Profilierung und politisches Marketing betrieben wird. Schliesslich finden im Herbst 2021 die Gesamterneuerungswahlen statt», schreiben die vier Fraktionspräsidenten von SP, Grüne, FDP/Dorfteil Anglikon und GLP/EVP in einem gemeinsamen Brief.

Sie erklären, die Referendumsparteien hätten die Fakten verzerrt. «Wir schätzen solche Aktionen nicht und möchten die Fakten klarstellen.» Die Botschaft der Mitte und der SVP, «Investieren statt Mieten», klinge für die anderen Fraktionen sehr gut, «hätten wir nicht den akuten Raumbedarf im Gemeindehaus und eine angespannte finanzielle Lage».

Sie erklären: «Die Initianten wollen ein Gesamtkonzept für alle gemeindeeigenen Liegenschaften und dass das Gemeindehaus gar ersetzt wird.» Und sie fragen sich:

«Was soll denn das kosten? Von der Vision bis zur Umsetzung werden es Millionen sein.»

Da erscheine der Vorschlag des Gemeinderates aus finanzieller Sicht «viel pragmatischer». Das Raumproblem werde entschärft, die Finanzen geschont.

Referendumsfrist läuft noch bis am 31. Mai

«In der Argumentation schreiben die Initianten, dass bei der Sanierung des Gemeinderatszimmers die Trennwand 100'000 Franken kostet. Falsch, sie kostet 20'000 Franken», ist den vier Fraktionen wichtig. Auch das Argument, dass aus Sicherheitsgründen Regionalpolizei und Betreibungsamt im gleichen Haus untergebracht sein sollten, sehen sie als unnötig an. Zudem handle es sich bei den Räumen der Regionalpolizei im Gemeindehaus, die in zwei Jahren frei werden, lediglich um «ein kleines Büro und die Umkleidekabinen der Polizei». Sie halten fest:

«Die Platznot im Gemeindehaus ist nichts Neues. Bewilligt der Einwohnerrat neue Stellen, dann braucht es logischerweise auch mehr Platz.»

Die Umbauten seien dringend nötig, «der aktuelle Zustand mit den offenen, ungeschützten Schaltern im Sozialamt, den überbelegten Büros und den fehlenden Sitzungszimmern ist einer Zentrumsgemeinde wie Wohlen nicht würdig».

Darum vertrauen die vier Fraktionen «auf den gesunden Menschenverstand der Wohlerinnen und Wohler und dass sie nicht auf die wahltaktischen Schaumschlägereien von Mitte-rechts hereinfallen».

Damit die beiden separaten Referenden gültig sind, muss das Komitee die Unterschriften von zehn Prozent der Wohler Stimmberechtigten einholen. Dies entspricht laut Gemeindekanzlei 842 Personen. Die Frist läuft noch bis am 31. Mai.