Wohlen
Neue Gemeinderätin: Viel neues Wissen oder ein derber Verlust fürs Dorf?

Am Sonntag wurde der langjährige Wohler Gemeinderat Paul Huwiler (Die Mitte) abgewählt. Seinen Sitz übernimmt im Januar Denise Strasser (FDP). Die AZ hat die beiden Ortsparteipräsidenten gefragt, was das für Wohlen bedeutet.

Andrea Weibel
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Denise Strasser (FDP) hat den Sprung in den Wohler Gemeinderat geschafft. Das freut nicht alle.

Denise Strasser (FDP) hat den Sprung in den Wohler Gemeinderat geschafft. Das freut nicht alle.

zvg

«Das müsst ihr euch anhören, die FDP jubelt vierstimmig!», rief ein Bekannter am Sonntag ins Büro der AZ-Redaktion Freiamt in Wohlen. Die Resultate der Gemeinderatswahlen waren noch nicht auf der Gemeindewebsite aufgeschaltet. Aber es konnte nur einen Grund geben, warum sich die Ortspartei derart freute: Ihre Kandidatin Denise Strasser hat es in den Gemeinderat geschafft. Später zeigte sich: Die 41-Jährige hat mit 1841 Stimmen den fünften Ratssitz ergattert. Dafür wird allerdings Paul Huwiler (Die Mitte), der 1606 Stimmen erhalten hat, seinen Sitz Ende Jahr räumen müssen.

Wie kam das zustande? Von der FDP hörte man im Wahlkampf in Wohlen wenig, und dennoch hat sie den Sprung zurück in den Gemeinderat geschafft. Liegt das an der Partei? Oder an Strasser selbst? FDP-Ortsparteipräsident Thomas Hoffmann hat dazu eine klare Antwort parat: «Es mag gut sein, dass viele der Wählerinnen und Wähler die FDP wieder zurück im Rat sehen wollten, zumal davor die Mitte klar übervertreten war. Aber ich denke, es lag vor allem an der Persönlichkeit von Denise Strasser und an ihrem grossen Umfeld, das für sie gestimmt hat.» Sie bringe das mit, was dem Rat derzeit fehle: «Mit einem Sozialarbeiter, einem Polizisten und zwei Lehrern fehlt vor allem eines: Ahnung von Finanzen. Und die hat sie», findet Hoffmann.

Er habe immer daran geglaubt, dass sie es schaffen könne. Und doch habe er mehrmals angefragt, ob sie nicht mehr Wahlwerbung betreiben wolle. «Aber wir haben statt eines Personenkultes im Dorf unser ganzes Umfeld und das der Partei motiviert. Und das hat geklappt.»

Nun bekomme die Partei wieder einen direkten Draht in den Gemeinderat, ist Hoffmann zufrieden. «Jetzt kann die liberale Haltung bereits in die Erarbeitung der Vorlagen einfliessen, statt erst im Einwohnerrat, wenn die Anträge bereits fertig ausgearbeitet vorliegen.» Das Ziel der Partei sei es, schon bei der Ausarbeitung genauer auf die Finanzen zu achten – «und zwar bei jedem Geschäft», betont Hoffmann.

«Wohlen verliert enorm viel Erfahrung»

Für Harry Lütolf, Parteipräsident der Mitte Wohlen, sieht die Situation nicht ganz so rosig aus. Für ihn haben die Argumente, dass langjährige oder ältere Gemeinderatsmitglieder abgewählt und durch jüngere ersetzt werden müssten, in den seltensten Fällen ihre Berechtigung. «Mit der Abwahl von Paul verliert der Gemeinderat enorm viel Erfahrung», sagt er.

Gründe, warum Huwiler seinen Sitz wird abgeben müssen, nennt Lütolf vor allem drei: «Erstens ist Paul ein enormer Teamplayer. Er stellt sich nicht ins Rampenlicht, wie das andere tun, sondern hilft, wo er kann. Davon hat Wohlen schon so oft profitiert. Aber im Wahlkampf muss man sich eben manchmal selber auf die Schulter klopfen und sich präsentieren, wie es scheint.» Ausserdem habe Huwiler tatsächlich in den vergangenen paar Jahren wenige Projekte im Gemeinderat begleitet, die ihm grosses Ansehen in der Öffentlichkeit gebracht hätten.

Und drittens sieht Lütolf in Wohlen destruktive Kräfte am Werk: «Es gibt hier Leute, insbesondere ehemalige Politiker, die noch Rechnungen von früher mit einigen Gemeinderäten offen hatten. Sie haben viele dazu gebracht, diesen ihre Stimmen nicht zu geben. Aber all jene, die diesen Leuten gefolgt sind, haben Wohlen einen Bärendienst erwiesen.» Huwiler könnte das die 200 Stimmen gekostet haben, die er hinter der FDP-Kandidatin zurückgefallen sei, glaubt Lütolf. «Aber Wohlen verliert so sehr viel Know-how – und zwar einfach nur, weil jene Wähler nicht nachgedacht haben. Das ist lächerlich.»

Er hoffe, dass Paul Huwiler zumindest weiterhin in der Parteileitung bleiben werde, sodass seine Erfahrung hier einfliessen könne. Denn mit Ariane Gregor sei noch eine Mitte-Vertreterin im Gemeinderat, darüber freue sich Lütolf sehr. Sie werde nun ebenfalls Mitglied des Parteivorstands, sodass sie die Anliegen und Ansichten der Partei direkt in den Gemeinderat einbringen könne.

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