Am 17. Dezember 1916 hat die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn (WM) ihren Betrieb aufgenommen. Sie ist allerdings zeitlebens nie bis dorthin gefahren, wohin sie nach den ursprünglichen Plänen ihrer Gründerväter hätte fahren sollen. Ein Bahnhofgebäude stand in Meisterschwanden damals zwar schon bereit. Doch der Schienenstrang endete aus finanziellen Gründen nach 8233 Metern in Fahrwangen.

Dort steht denn mit dem Bahnhofgebäude noch einer der wenigen Zeugen aus der Zeit der Regionalbahn, die am 31. Mai 1997 nach nur 81 Jahren ihren Betrieb eingestellt hat. Der nie als solcher genutzte Bahnhof Meisterschwanden ist vor 10 Jahren abgebrannt. Die ehemaligen Bahnhöfe in Sarmenstorf, Hilfikon und Villmergen sind schon früher abgebrochen worden. Und auch das Bahnhofgebäude in Fahrwangen hat den 100. Geburtstag nur knapp geschafft. Demnächst muss auch es einer Wohnüberbauung weichen.

Originaltriebwagen unterwegs

In Betrieb, wenn auch längst nicht mehr fahrplanmässig, sondern lediglich noch für Nostalgiefahrten ist der WM-Triebwagen BDe 4/4 Nr. 2. Mit ihm geht es am kommenden Sonntag, 18. Dezember, auf Jubiläumsfahrt (siehe Text rechts unten). Das einstige Schienennetz kann dabei nicht mehr befahren werden. Vom Bahnhof Wohlen bis zur ehemaligen Ferrowohlen liegen die Gleise zwar noch auf dem ursprünglichen Trassee, befahren wird das kleine Teilstück – wenn überhaupt – aber lediglich noch mit Dieselloks und Güterwagen.

Sonst sind die Spuren der einst so stolzen Bahn weitgehend verschwunden. Am besten nachverfolgen lässt sich das frühere Trassee noch zwischen Villmergen und Sarmenstorf, wo es zu einem Radweg umgebaut worden ist. Und zwischen Sarmenstorf und Fahrwangen ist der alte Bahndamm teilweise als Spazierweg erhalten geblieben.

Eine platonische Liebe

Schon 1965 war erstmals in Betracht gezogen worden, den Betrieb der WM von Bahn auf Bus umzustellen. Der sich abzeichnende Widerstand aus der Bevölkerung, welche ihre Bahn hochverehrte, führte zu einem Umdenken der Verantwortlichen und einer umfassenden Sanierung mit neuem Rollmaterial und umgestelltem Stromnetz. Die von der Talschaft bekundete Liebe war allerdings eher platonischer Natur und liess sich nie in die nötigen Frequenzsteigerungen ummünzen, die für das definitive Überleben nötig gewesen wären. So unternahm die Regierung 1979 einen zweiten Anlauf, die WM auf Busbetrieb umzustellen. Diesmal wurden die Pläne mit einem regelrechten Volksaufstand verhindert, der Grosse Rat lehnte das Begehren deutlich ab.

Doch die Zahlen entwickelten sich weiterhin negativ. 1994 reagierte das Bundesamt für Verkehr und bezeichnete die Betriebsstruktur als nicht mehr überlebensfähig. Die Bahn hatte 1965 letztmals schwarze Zahlen geschrieben. 1975 überschritt das erwirtschaftete Defizit erstmals die Millionengrenze. Der Reiseverkehr ging stetig zurück. Hatte die Bahn 1965 mit 460 000 Personen noch einen neuen Frequenz-Rekord erzielt, konnten 1983, knapp 20 Jahre später, nur noch 270 000 beförderte Passagiere ausgewiesen werden. Nach 1990 ging auch der Güterverkehr, der die Bahn bis dahin noch einigermassen hatte über Wasser halten können, drastisch zurück. Verantwortlich dafür war vor allem die Schliessung der Ferrowohlen, aus deren Aufträgen die WM zeitweise über 70 Prozent der Einnahmen hatte generieren können. 1990 wies das Unternehmen 282 000 Tonnen transportierte Güter aus, 1996 waren es noch 90 000 Tonnen.

Bus fährt bis Meisterschwanden

Im gleichen Jahr empfahl die Aargauer Regierung dem Grossen Rat erneut die Umstellung auf Busbetrieb. Bei seinem Entscheid stützte sie sich auf ein Gutachten des Büros Infras, welches in dieser Studie von einem Sparpotenzial zwischen 0,8 und 1 Mio. Franken ausgegangen war. Am 17. September 1996 läutete der Grosse Rat mit einem klaren Resultat von 98:16 Stimmen das Ende des Bahnzeitalters ein. Seit dem 1. Juni 1997 verkehrt der Bus. Von Wohlen bis nach Meisterschwanden.