Wohlen
Grosse Nachfrage: Ruth Salzmann ermöglicht 388 Jugendlichen einen Blick in die Berufswelt

Seit sieben Jahren werden in Wohlen die Berufsinfotage angeboten und erfreuen sich grosser Nachfrage. Am Dienstag und Mittwoch lernen 388 Jugendliche in 75 Betrieben die unterschiedlichsten Arbeitsfelder kennen. Ruth Salzmann heisst die Frau, die das Angebot initiierte und seit sieben Jahren durchführt.

Nathalie Wolgensinger
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Ruth Salzmann organisiert seit sieben Jahren Berufe Wohlen+ und ermöglicht so, dass Jugendliche in die verschiedensten Berufsfelder hineinschnuppern können.

Ruth Salzmann organisiert seit sieben Jahren Berufe Wohlen+ und ermöglicht so, dass Jugendliche in die verschiedensten Berufsfelder hineinschnuppern können.

Nathalie Wolgensinger

Sie gehört in die Vita jedes Schulkindes: die Schnupperlehre. Einen oder mehrere Tage lang besuchen die 14- bis 15-Jährigen einen Betrieb und erhalten so einen ersten Einblick in die Arbeitswelt der Erwachsenen und lernen die Anforderungen ihres möglichen Wunschberufes kennen.

Auch Ruth Salzmanns Kinder befassten sich vor einigen Jahren mit der Berufswahl. Sie erzählt: «Mein Sohn besuchte die Bezirksschule und hatte damals keine Probleme, eine Schnupperlehre zu finden. Meine Tochter hingegen war Sekundarschülerin und erhielt keine Möglichkeit, im KV zu schnuppern.»

Auch der Beruf Floristin wurde letztes Jahr im Rahmen der Berufsinfotage präsentiert.

Auch der Beruf Floristin wurde letztes Jahr im Rahmen der Berufsinfotage präsentiert.

Marc Ribolla (23. September 2020)

Die 58-Jährige liess nichts unversucht, damit ihre Tochter doch noch in ihrem Wunschberuf schnuppern konnte. Sie erzählt: «Ich fragte mich damals, wie das wohl jenen Jugendlichen geht, deren Eltern keine Zeit oder mangelnde Sprachkenntnisse haben, um ihre Kinder bei der Suche zu unterstützen.»

Als sie wenig später von Berufe Muri+ in der Zeitung las, habe es gleich klick gemacht, erzählt sie begeistert. Sie habe in derselben Sekunde noch entschieden: «Dieses Angebot muss es auch in Wohlen geben.» Das war vor sieben Jahren, mittlerweile ist Berufe Wohlen+ nicht mehr aus dem Berufswahlangebot an den Schulen in Wohlen, Niederwil und Villmergen wegzudenken.

Sie schafft 1800 Einblicke in die Berufswelt

Die Berufsinfotage sind das ideale Angebot für die Schülerinnen und Schüler, die mitten in der Phase der Berufswahl stecken. Den 388 Jugendlichen stehen heuer 75 Lehrbetriebe zur Auswahl, die während zweier Tage ihre Türen öffnen und ihnen Einblicke in die Berufswelt gewähren. Ruth Salzmann freut sich:

«Dieses Jahr sind es 1800 Zeitfenster, die wir den Schülerinnen und Schülern anbieten können.»

Die Berufsinfotage haben sich etabliert und werden von Eltern und Lehrpersonen gleichermassen geschätzt. Möglich ist das Angebot nur, weil Ruth Salzmann einen grossen Teil ihrer Freizeit dafür investiert.

Eine der unzähligen Möglichkeiten, Einblick in einen Beruf zu nehmen: Hamburger brutzeln bei der Hotel Villmergen AG.

Eine der unzähligen Möglichkeiten, Einblick in einen Beruf zu nehmen: Hamburger brutzeln bei der Hotel Villmergen AG.

Marc Ribolla (23. September 2020)

Um das Angebot auch im unteren Freiamt anbieten zu können, setzte sich die kaufmännische Angestellte mit dem Murianer Gewerbeverein und den Schulen in Verbindung. Sie durfte viel von dem erarbeiteten Know-how der Murianer übernehmen. Dann folgte die Knochenarbeit mit unzähligen Telefonaten und E-Mails. Salzmann liess nicht locker, bis sie im Jahr 2014 zum ersten Mal zu Berufe Wohlen+ einladen konnte. Da war sie längst nicht mehr als eine Einzelkämpferin unterwegs. Es gelang ihr im Verlauf der Wochen, Vertreter aus der Wohler Wirtschaft und der Schule mit an Bord zu holen.

«Für mich war diese konzeptionelle Arbeit auch eine Weiterbildung. Das stand damals nämlich auch noch auf meinem Plan», erzählt sie lachend. Die Arbeit für Berufe Wohlen+ brachte ihr nicht nur zahlreiche neue Kontakte ein, sondern auch vertiefte Einblicke und zusätzliches IT-Wissen.

Gemeinsam mit einem achtköpfigen Kernteam arbeitet sie seit sieben Jahren hart daran, dass Schülerinnen und Schüler der zweiten Oberstufenklassen in möglichst unterschiedliche Berufe hineinschnuppern können. Das Angebot ist riesig. So gross, dass es Salzmann sogar nach sieben Jahren immer wieder erstaunt. Sie schwärmt: «In Wohlen sind so viele unterschiedliche Gewerbe ansässig, da muss man nicht weit fahren, um eine Schnupperlehre zu machen.»

Viel mehr als bloss schnuppern

Am Dienstag und Mittwoch zirkulieren die Jugendlichen aus Wohlen, Niederwil und Villmergen zwischen den Türen der verschiedenen Unternehmen. Das Angebot reicht vom Automechatroniker über die Fachfrau Betreuung, den Elektriker bis hin zum Geomatiker oder Bäcker.

Während anderthalb Stunden schnuppern die Jugendlichen in den Beruf hinein und bilden sich so vor Ort eine Meinung. «Das genügt, um einen ersten Eindruck zu erhalten und sich für oder gegen einen Beruf zu entscheiden», erzählt Salzmann. Mit zum Angebot gehören auch ein Bewerbungscoaching und ein Workshop zum Thema Geld und Budget.

Den Abschluss bildet jeweils ein Apéro am Abend des zweiten Tages, zu dem die Verantwortlichen der teilnehmenden Betriebe eingeladen sind. Jedes Jahr dürfen zudem Jugendliche über ihre Erfahrungen Bilanz ziehen. Diese Rückmeldungen sind es, die Salzmann immer wieder dazu motivieren, weiterzumachen. Schüler Aron fasste es in seiner Bilanz treffend zusammen:

«Mein Tipp an Sie, Frau Salzmann, machen Sie weiter so!»