Wohlen

Wohlen gedenkt Martin Ruf mit Ausstellung im Gemeindehaus

Das Werk «Mondfisch» regte an der sehr gut besuchten Vernissage zu allerlei Gesprächen an. Susanna Vanek

Das Werk «Mondfisch» regte an der sehr gut besuchten Vernissage zu allerlei Gesprächen an. Susanna Vanek

Der Künstler Martin Ruf hat in Wohlen Spuren hinterlassen – sei es mit seiner Brunnenskulptur, sei es als Lehrer. Nun würdigt eine posthume Ausstellung im Wohler Gemeindehaus bis zum 15. Mai sein Schaffen.

Ein Fisch springt in die Höhe, um nach dem Vollmond zu schnappen, aber Wassertropfen, die eigentlich aufspritzen müssten, wenn ein Fisch aus dem Wasser springt, fehlen. Hat der Fisch in seiner vergeblichen Bemühung, den Mond zu schnappen, vergessen, in sein angestammtes Element zurückzukehren? Ist sein Aufsteigen demnach als Aussteigen zu sehen? Mit welchen Konsequenzen?

So oder ähnlich wurde an der Ausstellung im Wohler Gemeindehaus, in der Werke von Martin Ruf gezeigt werden, diskutiert. Das Werk, detailreich und sehr genau mit Farbstiften realisiert, beflügelte die Fantasie. Übrigens: Martin Ruf hat sich stets geweigert, die eigenen Werke zu deuten, verriet an der Vernissage Laudator Fridolin Stähli. «Je nach Betrachter sind alle Deutungen offen», habe Ruf selber gesagt.

Ausgezeichneter Handwerker

Ruf, Sohn eines Schindelmachers, der eine Lehre als Goldschmied absolvierte und wissenschaftlicher Zeichner war, bevor er Lehrer wurde und der nach sieben Jahren als Zeichenlehrer an der Bez Wohlen bis zu seiner Pensionierung an der Alten Kantonsschule in Aarau wirkte, vereinte eine grosse Fantasie mit einem sehr guten Blick für die Ästhetik und grossem handwerklichem Können. Gleichzeitig, verriet Stähli, war er ein Besessener, einer, der nie zufrieden mit sich selber war, der immer mehr wollte.

Zum Beispiel bei der Wohler Brunnenskulptur, erinnerte Hans Furter, Kunstkommission Wohlen, in seiner Einführung. Metallverarbeitende Firmen hatten abgewinkt, als Ruf mit seinen Entwürfen bei ihnen vorstellig wurde. Das sei zu kompliziert, die geforderte Genauigkeit nicht zu erreichen. Also hatte Ruf die Skulptur, die an ein Bändeli aus Strohgeflecht erinnern soll, selber realisiert. 2000 Stunden Arbeit investierte er dafür, «wohl zum grössten Teil unbezahlt», so Furter.

In Fahrwangen, wo Ruf mit seiner Frau Doris viele Jahre lebte, konnte man ihn tagaus tagein im Atelier unermüdlich am Tisch arbeiten sehen. Sogar noch kurz vor seinem Tod, als der Krebs den grossen Schaffer mit furchtbaren Schmerzen quälte.

Reduktion aufs Wesentliche

Das grosse handwerkliche Können erlaubte es Ruf, sich in sehr verschiedenen künstlerischen Sprachen auszudrücken. Eine Weile lang beschäftigten ihn Farbstiftzeichnungen, in denen er immer wieder mit viel Witz über menschliche Schwächen reflektierte. Nach der Fertigstellung des Bildes «Mondfisch», mit dem er, wie selten bei ihm, für einmal zufrieden mit sich selber war, wandte er sich Skulpturen zu.

Beim Holz, dem er sich anfänglich widmete, beschränkte er sich ganz im Gegensatz zu den Zeichnungen aufs Wesentliche, übte sich in der Reduktion. Später, schon an Krebs erkrankt, wandte er sich dem Stein zu, als wolle er dem eigenen Verfall ein unverwüstliches Material entgegenstellen. Er begann auch, Figuren und Köpfe herzustellen, wurde also wieder gegenständlich. Damit schlug er, der Kranke, nochmals ein neues Kapitel auf. Was für ein Wille, sich künstlerisch auszudrücken. Noch kurz vor seinem Tod sägte er aus Balsaholz auf den Millimeter genau Bildobjekte.

Am 8. Mai 2011 verstarb Ruf, aber noch immer interessiert sein Schaffen. Die Vernissage am Freitagabend im Wohler Gemeindehaus war sehr gut besucht. In der Gästeschar konnte man unter anderem den Künstler Bruno Landis oder den Schriftsteller Christian Haller entdecken.

Bis zum 15. Mai ist die Ausstellung im Wohler Gemeindehaus werktags von 8.30 Uhr bis 11.45 und 13.30 bis 17 Uhr sowie samstags von 13.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

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