Wohlen
Es war Liebe auf den ersten Biss: Wie Fabiana Di Loreto den Pinsateig entdeckte

Seit drei Jahren verkaufen Fabiana und Claudio Di Loreto an der Aeschstrasse in Wohlen Pinsateig. Die bekömmliche Alternative zum Pizzateig findet auch in der Schweiz begeisterte Anhänger. Es ist dem Zufall und ihrem rührigen Vater zu verdanken, dass die Freiämter Geschwister die Pinsa für sich entdeckt haben.

Nathalie Wolgensinger
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Geschäftsführerin Fabiana Di Loreto präsentiert den Pinsateig, der aussen knusprig und innen weich ist.

Geschäftsführerin Fabiana Di Loreto präsentiert den Pinsateig, der aussen knusprig und innen weich ist.

Nathalie Wolgensinger

«Einmal gegessen, nie mehr vergessen», so lautet der einfache Slogan, mit dem Fabiana und Claudio Di Loreto für die Pinsa Romana werben. Der Teig ist mit jenem einer Focaccia vergleichbar, er ist aussen knusprig und innen weich. «Ich war vom ersten Bissen an begeistert vom Geschmack und der Konsistenz der Pinsa», schwärmt Fabiana Di Loreto.

«Essen hat in unserer Familie einen grossen Stellenwert», erzählt die Tochter eines Italieners und einer Schweizerin. Reisen in die Heimat des Vaters sind für die Familie eine Selbstverständlichkeit und immer mit einem kulinarischen Genuss verbunden. Die 29-Jährige schwärmt:

«Meine Tante ist weitherum bekannt für ihre Kochkünste, ihre Pizza ist eine Wucht!»

So waren sie und ihr Bruder erstaunt, als ihr Vater vor wenigen Jahren, nach einer Reise in die Heimat, Pinsateig mitbrachte und nicht Köstlichkeiten aus Tantes Küche. Doch nach einem Bissen war es um Fabiana und Claudio geschehen.

Sie wollten mehr davon. In der Schweiz war die Spezialität nicht erhältlich. Aus diesem Grund setzte ihr Vater auf seine Kinder. Fabiana Di Loreto erzählt:

«Mein Vater handelt neben seiner Arbeit mit Wein, den er aus Italien importiert. Er war begeistert vom Pinsateig und riet uns, diesen zu importieren.»

Doch bis der erste Pinsateig in Wohlen über die Ladentheke ging, benötigte es Ausdauer und viel Ehrgeiz.

Die Kunden reisen sogar aus Bern an

«Als Tennisspielerin habe ich Disziplin und Durchhaltewillen gelernt», blickt sie auf ihre Karriere als ambitionierte Tennisjuniorin zurück. Sie liebäugelte kurze Zeit sogar mit einer Profikarriere. Doch dann entschied sie sich für eine KV-Lehre mit Berufsmaturität und studierte anschliessend internationales Management. Diese Fähigkeiten kamen ihr bei der Suche nach einem verlässlichen Pinsa-Lieferanten und dem Aufbau der eigenen Firma zugute.

Von Donnerstag bis Sonntag kann man frische Pinsa an der Aeschstrasse holen oder nach Hause liefern lassen.

Von Donnerstag bis Sonntag kann man frische Pinsa an der Aeschstrasse holen oder nach Hause liefern lassen.

Nathalie Wolgensinger

Aber ganz so einfach war es nicht, einen Lieferanten zu finden, dessen Pinsateig den Ansprüchen der Geschwister genügte. Der Teig besteht aus Weizen-, Soja- und Reismehl, enthält keine Hefe und muss mindestens 24 Stunden ruhen.

Die Geschäftsräume hingegen fand das Duo schnell. Das Unternehmer-Gen liegt in der Familie. An der Aeschstrasse in Wohlen, wo ihr Onkel seit Jahren Kaffeemaschinen verkauft, mieteten sie vor drei Jahren einen Raum, richteten eine Kühlzelle ein und besuchten mögliche Abnehmer. Di Loreto erinnert sich: «Anfänglich wurden wir belächelt, und keiner wollte an unsere Idee glauben.»

Der Funke sprang erst, als im vergangenen Jahr in den Medien über die Vorzüge des kalorienarmen Pizzateigs berichtet wurde. Mittlerweile reisen die Kunden aus Basel und Bern an, um sich in Wohlen mit frischem Pinsateig aus Italien einzudecken.

Süss oder salzig? Der Fantasie sind kein Grenzen gesetzt

Den Verkaufsladen eröffneten die Geschwister mitten während der Pandemie. Doch dies sollte sich als Glücksfall erweisen. Die Kunden wollten nicht nur Pinsateig kaufen, sondern auch ofenfrische Pinsa daheim geniessen. Deshalb bietet der Pinsa-Store von Donnerstag bis Sonntag die Köstlichkeit über die Gasse an und liefert auch nach Hause. Das Angebot schlug ein, und seither hatten die junge Unternehmerin und ihr Bruder keinen freien Tag. Am Samstagmorgen nämlich sind sie auch noch am Wohler Wochenmarkt mit einem Marktstand vertreten.

Fabiana Di Loreto arbeitet nach wie vor Vollzeit in ihrem Job im Marketingbereich. Dass sie diese Arbeit im Homeoffice erledigen kann, kommt ihr zugute. Dennoch sind ihre Arbeitstage lang.

Aber das mache ihr nichts aus, beteuert sie. Die Wohlerin ist begeistert vom Produkt. «Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, ob süss oder salzig, eine Pinsa kann man mit praktisch allem belegen.» Regelmässig erweitert sie das Angebot ihres Take-aways und pröbelt an neuen Kreationen. An Ideen mangelt es ihr nicht. Die Woche habe, so erzählt sie lachend, einfach zu wenige Tage für sie und ihre Ideen.

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