Analyse
Wohlen: Den Steuerfuss zu belassen ist verständlich, aber mutlos

Eigentlich müsste man den Steuerfuss in weiser Voraussicht erhöhen. Das sagte Gemeindeammann Walter Dubler, als er das Budget 2015 der Gemeinde Wohlen präsentierte. Und damit hat er recht.

Dominic Kobelt
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In Wohlen - hier das Gemeindehaus - stehen Investitionen an.

In Wohlen - hier das Gemeindehaus - stehen Investitionen an.

AZ

Es stehen grosse, wichtige Investitionen an. Die Gemeinde hat wenig Geld, um diese zu finanzieren. Trotzdem will der Gemeinderat den Steuerfuss bei 113% belassen – eine Erhöhung sei politisch nicht machbar. Auch damit hat er vermutlich recht. Trotzdem ist es enttäuschend, dass es nicht versucht wird.

Für die angestrebten Ziele braucht es mehr Geld

Zwar ist der Gemeinderat mit Steuererhöhungen vor dem Volk bisher immer gescheitert: 2003 sagten 75% der Stimmenden Nein, 2007 waren es sogar 80%. Auch der Versuch im letzten Jahr scheiterte mit 64,6% Nein-Stimmen. Das ändert aber nichts daran, dass Wohlen Geld braucht: Im Legislaturprogramm des Gemeinderats stehen kostspielige Projekte, von der Schulraumerweiterung bis zur Sanierung von Badi und Eisbahn. Woher die nötigen Mittel kommen sollen, um diese Pläne zu realisieren, bleibt aber ein Rätsel.

Irgendwann sind auch die Reserven aufgebraucht

Auf lange Sicht kann eine Gemeinde nicht auf Pump leben. Irgendwann sind auch die Reserven aufgebraucht, obwohl Wohlen, was die Vermögenswerte anbelangt, nicht allzu schlecht dasteht. Der Gemeinderat und auch ein Grossteil des Einwohnerrats sind von der Notwendigkeit überzeugt, dass investiert werden muss. Dann muss man auch vors Volk treten und klar sagen: Das wollen wir machen, dafür brauchen wir Geld. Gerade weil das politische Klima gelinde gesagt schwierig ist, braucht es den Einsatz aller Parteien, damit Projekte wie die Schulraumerweiterung nicht an finanziellen Fragen scheitern.

Natürlich ist es kein einfaches Unterfangen, den Stimmbürgern klarzumachen, warum sie mehr Steuern zahlen sollen. Sollten Projekte wie die Schulraumerweiterung aber scheitern, steht man vor einem viel grösseren Scherbenhaufen. Dann nimmt nämlich die Attraktivität der Gemeinde ab, und es wird noch schwieriger, Steuerzahler in die Zentrumsgemeinde zu locken. Und durch zeitliche Verzögerungen, Überarbeitungen und Neubeurteilungen geht oft mehr Geld verloren, als schliesslich gespart wird.

Zentrumslasten bleiben auf absehbare Zeit

Gemeindeammann Walter Dubler hat auch gesagt, dass andere Aargauer Gemeinden ihren Steuerfuss wohl bald anheben müssten. Dann stehe man im Quervergleich besser da. Aber selbst wenn das der Fall sein sollte, ist es fraglich, ob es dadurch zu einem Umdenken in Wohlen kommt. Die Freiämter Metropole wird auf absehbare Zeit Zentrumslasten und -pflichten zu tragen haben und lässt sich deshalb schwer mit den umliegenden Gemeinden vergleichen.

Warten, bis der Wagen gegen die Wand gefahren ist

Überhaupt macht es den Eindruck, als wolle man jetzt zuwarten, bis die Probleme so gravierend sind, dass man nicht mehr um eine Steuererhöhung herumkommt. Wenn der Wagen gegen die Wand gefahren ist, werden wohl alle einsehen, dass man die bittere Pille Steuerfusserhöhung zu schlucken hat.

Das kann doch aber keine Taktik für eine Gemeinde wie Wohlen sein, die eigentlich den umliegenden Gemeinden als Vorbild dienen sollte. Wenn Wohlen vorwärtskommen will, dann muss es mutig sein; sparen, wo es möglich ist und investieren, wo es sinnvoll und nötig ist – und, auch wenn es schmerzt, die Steuern erhöhen.