Wohlen
Damit es ruhiger wird: Kanton plant ab 2022 zusätzliche Lärmschutzmassnahmen an fast 70 Gebäuden

Die Belastung durch den Strassenlärm ist auf einer der Hauptachsen, der K127, durch Wohlen zu gross und überschreitet teilweise sogar den Alarmwert. Nun wird der Kanton aktiv und legt ein Nachsanierungsprojekt auf. Betroffen sind rund 1600 Personen.

Marc Ribolla
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Entlang der oberen Wohler Zentralstrasse wird der Immissionsgrenzwert und teilweise sogar der Alarmwert praktisch durchgehend überschritten.

Entlang der oberen Wohler Zentralstrasse wird der Immissionsgrenzwert und teilweise sogar der Alarmwert praktisch durchgehend überschritten.

Nathalie Wolgensinger

Lastwagen, Personenwagen, Motorräder, Busse – fast im Sekundentakt fahren sie tagsüber mitten durch Wohlen. Viele von ihnen sind auf der K127 von der Bullenbergkreuzung kommend über die Zentralstrasse bis ausgangs Dorf Richtung Bremgarten unterwegs oder umgekehrt. Und verursachen einigen Lärm.

Von diesem sind vor allem die Anwohnerinnen und Anwohner rund um die Uhr direkt betroffen, aber auch Angestellte der Gewerbebetriebe entlang dieser Wohler Hauptachse. Um diese Menschen besser vor dem Lärm zu schützen, legt der Kanton nun ein Strassenlärm-Nachsanierungsprojekt (NASA) auf.

Schon vor rund zehn Jahren wurde auf einem Teil der K127 im Bereich der Bremgarterstrasse ein neuer lärmarmer Belag eingebaut sowie bei rund 100 Gebäuden Schallschutzfenster installiert. Das nun vorliegende NASA geht auf einen früheren Regierungsratsbeschluss zurück. Gemäss diesem sollen Liegenschaften schon ab dem Überschreiten der Immissionsgrenzwerte Schallschutzfenster bekommen, wenn sich der Eigentümer mit 50 Prozent an den Kosten beteiligt.

Auch die Strassenbeläge sollen bis 2036 ersetzt werden

Bei den aktuellen Berechnungen des Lärmpotenzials geht der Kanton von einem Zeithorizont bis 2036 aus. Bis dahin sollen auch die heutigen noch älteren Strassenbeläge an der Zentralstrasse und der Villmergerstrasse durch leisere ersetzt werden. Trotzdem würden auch dann noch viele Personen und Gebäude einem zu grossen Lärm ausgesetzt sein.

An dieser Stelle beim Schulhaus Halden ist bereits seit 2012 ein lärmarmer Strassenbelag eingebaut.

An dieser Stelle beim Schulhaus Halden ist bereits seit 2012 ein lärmarmer Strassenbelag eingebaut.

Nathalie Wolgensinger

Im Bericht lautet der Vergleich so: «Ohne Massnahmen sind die Immissionsgrenzwerte bei 137 Liegenschaften überschritten. Insgesamt sind 1635 Personen von Grenzwertüberschreitungen betroffen», und weiter: «Die Immissionsgrenzwerte werden auch mit den Massnahmen noch bei 128 Liegenschaften überschritten.» Beeinträchtigt vom Lärm wären dann noch geschätzte 1527 Personen.

Nicht in Frage kommen als Schutzmassnahme übrigens Lärmwände. Die Suche nach solchen möglichen Standorten wurde bereits bei der ersten Sanierung getätigt. Dabei konnten entlang der K127 keine Lärmschutzwände empfohlen werden, weil beispielsweise die Platzverhältnisse ungünstig sind, das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu tief ist oder auch aus ästhetischen Gründen bezüglich des Ortsbildes.

Übersicht der geltenden Lärmgrenzwerte.

Übersicht der geltenden Lärmgrenzwerte.

zvg

Gemäss dem kantonalen Bericht hätten aufgrund der Belastung 103 Gebäude Anspruch auf Massnahmen. Nach teilweisem Verzicht der Eigentümer oder Neubewertungen ist nun bei 68 Gebäuden wegen der noch immer zu hohen Lärmbelastung vorgesehen, Schallschutzfenster und Schalldämmlüfter einzubauen. Dabei wird zwischen zwei Faktoren unterschieden:

  1. An Gebäuden, an denen der Alarmwert überschritten wird, werden die Fenster und Lüfter ganz auf Kosten der öffentlichen Hand installiert. Dabei handelt es sich um 37 Liegenschaften.
  2. An Gebäuden, wo die Empfindlichkeitsstufe III über-, aber der Alarmwert noch unterschritten wird, werden die Fenster und Lüfter nur eingebaut, wenn sich der Eigentümer mit 50% der Kosten beteiligt. Hier wären 31 Gebäude betroffen.

Die Gesamtkosten des Nachsanierungsprojekts werden etwa 1,53 Millionen Franken geschätzt. Der Bund übernimmt 339'000 Franken, der Kanton 631'000 Franken und die Gemeinde Wohlen 560'000 Franken. Zusätzlich müssen die Eigentümer der Liegenschaften einen Anteil von 510'000 Franken beisteuern.

Die Massnahmen sollen, wenn alles nach Plan verläuft, voraussichtlich ab Frühling 2022 umgesetzt werden. Damit die Anwohnenden an der K127 für die nächsten Jahre in ihren Wohnungen ein etwas ruhigeres Leben führen können.

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