Wohlen
Aufstockung: Gemeinde Wohlen braucht mehr Polizei, Schulsekretariat, Reinigungskräfte und Beamte

Die Gemeinde Wohlen beantragt in sechs Verwaltungsabteilungen eine Erhöhung von insgesamt 750 Stellenprozenten. Dabei geht es um die Abteilung Finanzen und das Betreibungsamt. Auch Regionalpolizei und Schuladministration brauchen Verstärkung. Und in der Abteilung Liegenschaften und Verwaltung sind es die Hauswarte und das Reinigungspersonal, die aufgestockt werden sollen.

Andrea Weibel
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Die neue Dreifachturnhalle Hofmatten ist einer der Gründe, wieso der Gemeinderat Wohlen mehr Stellenprozent für Hauswarte und Reinigungspersonal beantragt.

Die neue Dreifachturnhalle Hofmatten ist einer der Gründe, wieso der Gemeinderat Wohlen mehr Stellenprozent für Hauswarte und Reinigungspersonal beantragt.

Visualisierung / zvg

Die Gemeinde Wohlen beantragt in sechs Verwaltungsabteilungen eine Anpassung der Stellenprozente. Die Abteilung Finanzen müsse um 80% aufgestockt werden, das Betreibungsamt um 100%. Die Regionalpolizei braucht eine zusätzliche 100%-Stelle, ebenso die Schuladministration der Regelschule. Ausserdem soll das Pensum der Hauswarte um 175% und jenes des Reinigungspersonals um 195% aufgestockt werden.

Dies beantragt der Gemeinderat Wohlen für das Jahr 2022 beim Einwohnerrat. Bei der Abteilung Finanzen schreibt der Gemeinderat in seinem Bericht und Antrag, was wohl für alle Abteilungen gilt: «Die Gemeinde hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Dem stetigen Mengen- und Aufgabenzuwachs sind auch die dazu notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Seit Jahren ist festzustellen, dass die zu erfüllenden Arbeiten nur mit ständigen Überstunden erledigt werden konnten.» Diese Entwicklungen hat der Gemeinderat bereits im Finanzplan festgehalten.

Bei Finanzen und Betreibungen sprechen die Zahlen für sich

Der Gemeinderat zeigt am Beispiel der Abteilung Finanzen auf, wie prekär die Verhältnisse sind: Die Überzeit- und Ferienguthaben der Angestellten wiesen per Ende 2020 kumuliert rund 120 Tage aus. Das regionale Betreibungsamt, das nebst Wohlen auch für Hägglingen und Niederwil zuständig ist, wird per 1. Dezember 2021 auch noch die Führung des Betreibungsamtes Dottikon übernehmen. Die Zahl der bearbeiteten Betreibungen wird sich dann um voraussichtlich 1200 pro Jahr erhöhen; das Betreibungsamt Dottikon hatte in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 1271 Betreibungen pro Jahr zu bearbeiten. Das kantonale Betreibungsinspektorat geht davon aus, dass mit einem Stellenpensum von 100% rund 1000 Betreibungen bearbeitet werden können.

Regionalpolizei braucht bis 2031 drei zusätzliche Stellen

Bei der Regionalpolizei (Repol) sieht es nicht viel besser aus. Hier ist es das Polizeigesetz, das aufzeigt, dass in den kommenden Jahren gestaffelt drei weitere 100%-Stellen notwendig werden. Das Polizeigesetz verlangt, dass pro 700 Einwohner eine Polizistin oder ein Polizist im Dienst sein soll. Zwei Drittel davon sollen die Kantonspolizei, ein Drittel die Regionalpolizei abdecken. Derzeit arbeiten 17 Polizisten bei der Repol Wohlen. 2022 soll die Bevölkerung in ihrem Gebiet jedoch rund 38'000 Einwohner zählen. Das macht die Anstellung eines zusätzlichen Polizisten unumgänglich.

Bis ins Jahr 2031 soll das Gebiet der Repol Wohlen sogar rund 42'400 Einwohner zählen. Bis dann braucht es also total 60 Polizistinnen und Polizisten, von denen 20 von der Repol gestellt werden sollen. Auch das ist bereits im Finanzplan der Gemeinde Wohlen vorgesehen.

Hofmatten und Bahnhof-Tiefgarage brauchen mehr Reinigungspersonal

Die Schule Wohlen beschäftigte 2004 noch 225 Lehrpersonen. Heute sind es 327, was einen Anstieg von 45% bedeutet. Unverändert aber blieb die Schuladministration mit 335 Stellenprozent ausgestattet. Der Verband Schulverwaltungen Aargau/Solothurn empfiehlt pro vier Schülerinnen und Schülern 1 Stellenprozent und zusätzlich pro Lehrperson 0,5 Stellenprozent als Richtwert. Wohlen mit rund 2180 Schülerinnen und Schülern in 107 Abteilungen und 327 Lehrpersonen (Stand 1. August 2020) hat demnach einen Bedarf von rund 710 Stellenprozenten. Laut diesen Empfehlungen hätte die Schulverwaltung auch nach der beantragten Erhöhung um 100% noch 275 Stellenprozente zu wenig.

Im Herbst 2022 soll die neue Dreifachhalle Hofmatten bezugsbereit sein. Durch sie und auch durch die neue Tiefgarage beim Bahnhof braucht die Gemeinde mehr Hauswarte und Reinigungspersonal. Ausserdem schreibt der Gemeinderat: «Die gesellschaftliche Entwicklung hat auf die Aufgaben des Facility Managements relevante Auswirkungen (vermehrtes Littering und Vandalismus).» Die Bezirksschule musste weitere Räume anmieten, was mehr Reinigungspersonal nötig macht.

Ausserdem löse das Bevölkerungswachstum einen Mehrbedarf an Räumen und Flächen aus, die es dann auch zu reinigen gelte. So sollen die Hauswarte um 175 Stellenprozente und das Reinigungspersonal um 195 Stellenprozente aufgestockt werden.

Es braucht keine zusätzlichen Räume für die Stellen

Zur Finanzierung schreibt der Gemeinderat: «Die Besoldungen erfolgen gemäss der Funktionseinstufung des geltenden Personalreglements der Gemeinde Wohlen.» Er geht davon aus, dass eine 100%-Stelle im Durchschnitt eine Lohnsumme von 120‘000 Franken generieren wird. Konkret sei beim Reinigungspersonal allerdings von tieferem Besoldungsaufwand auszugehen.

Die nötigen Arbeitsplätze für die beantragten Stellen stehen hingegen bereits zur Verfügung «respektive können durch organisatorische Massnahmen vorerst geschaffen werden», heisst es weiter. «Die Probleme der fehlenden Arbeitsplätze in den Bereichen Planung, Bau und Umwelt sowie Gesellschaft, Soziales und Bildung bleiben bestehen.»

Zum Schluss hält der Gemeinderat fest: «Nur mit den erforderlichen Mitteln ist es möglich, dass die Gemeindeverwaltung die ihr übertragenen Aufgaben ordentlich erfüllen kann.» Die Stellenaufstockungen kommen nun vor den Einwohnerrat.