Der Weisse Sonntag, seit dem Jahr 2000 auch «Sonntag der Barmherzigkeit» genannt, ist der erste Sonntag nach Ostern und fällt dieses Jahr auf den 12. April. An diesem Tag ist in vielen Pfarreien im Freiamt und auf der ganzen Welt auch der Termin für die Erstkommunion, ein Fest der katholischen Kirche. Woher aber stammt der Ausdruck «Weisser Sonntag»? So viel vorweg: Es hat nichts mit den möglichen Schneefällen im April zu tun. 

Die Getauften in Weiss

Der Ausdruck «Weisser Sonntag» entstand schon, bevor er zum Termin für die Erstkommunion auserkoren wurde. Ganz sicher ist man sich bei seiner Herkunft allerdings nicht. Sehr naheliegend ist aber, dass bereits in der Frühzeit des Christentums Erwachsene erstmals das Sakrament der Taufe in der Osternacht (Nacht vom Karsamstag auf den Ostersonntag) empfingen und dabei weisse Gewänder trugen. Zuvor bereiteten sich die Anwärter während zwei bis drei Jahren mit Fasten, dem Lesen von biblischen Texten und Beichten auf das Taufritual vor. Die weissen Kleider waren ein Zeichen für die Reinigung durch das Taufwasser und den in Christus neu geborenen Menschen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Brauch, die weissen Taufgewänder von der Taufe in der Osternacht an für acht Tage zu tragen, bis zum ersten Sonntag, der auf Ostern folgt – dem «Weissen Sonntag».

Warum findet die Erstkommunion seit dem 17. Jahrhundert ausgerechnet an diesem symbolträchtigen Tag statt? Die Erstkommunion ist die Fortsetzung der Taufe und der «Weisse Sonntag» beendet das achttägige Osterfest, deshalb fiel die Wahl auf diesen Termin. Dass die Kinder heute, wie damals die getauften Erwachsenen in den Anfängen des Christentums, wiederum weisse Gewänder tragen, hat einen anderen Grund, welcher noch nicht allzu lange her ist.

Gewänder schaffen Gleichheit

Nach bürgerlicher Tradition trugen die Mädchen weisse Kleider und ein Kränzchen auf dem Kopf. Die Jungen schmückten ihren Anzug mit einem weissen Seidenblümchen. Paul Schuler, Pfarrer in Villmergen und seit zwanzig Jahren als Seelsorger tätig, erinnert sich: «Zu meiner Jugendzeit herrschte unter den Kindern zuweilen ein Konkurrenzkampf, wer das schönste Kleid beziehungsweise den schönsten Anzug zur Erstkommunion trug, was letztlich eine finanzielle Frage war. Um den Konkurrenzdruck, gerade für die Eltern der Kinder, zu mindern, führten die Pfarreien deshalb in der Schweiz ungefähr in den 60er-Jahren ein einheitliches, weisses Gewand, die Albe, ein.» Das schaffte Gleichheit unter den Kindern und sorgte zusätzlich für ein schönes Bild in der Kirche. Obwohl alle Kinder das gleiche Gewand erhalten, wird jedes sorgfältig an seinen Besitzer angepasst.

Ob Kleid, Albe oder Anzug hängt zudem auch von der Kultur ab. Ueli Hess, Diakon und Leiter der Kirchgemeinden und Pfarreien Jonen, Lunkhofen, Zufikon, Hermetschwil-Staffeln und Bremgarten: «In einigen Familien werden die Kleider von Generation zu Generation weitergegeben», «da kann es auch schon vorkommen, dass ein Kind das Kleid der Grossmutter trägt.»

Die Einhaltung des Datums wird nicht mehr so strikt gehandhabt wie im 17. Jahrhundert. Aus praktischen Gründen kann das Fest auch schon mal auf andere Sonn- oder Feiertage fallen. Pfarrer Paul Schuler sieht dafür als möglichen Grund den Mangel an Priestern in den Pfarreien.

Ob sie nun am «Weissen Sonntag» stattfindet oder nicht, in einer Albe oder einem normalen Kleid – die Erstkommunion ist und bleibt eine bedeutsame Feier. «Jede Gemeinde zelebriert auf der ganzen Welt die feierliche Aufnahme der Kinder in die Kommunion», weiss Diakon Ueli Hess und fügt hinzu: «Die Erstkommunion ist nach wie vor ein sehr beliebtes Fest für die Kinder, deren Familien und Paten, für die Pfarreien und letztendlich für die gesamte katholische Kirche.»