Muri

Wo Späne fliegen, ist Präzision gefragt

An dem 22. Aargauischen Holzerwettkampf werden Holzskulpturen für bis zu 4000 Franken versteigert.

In der heissen Luft liegt der Geruch von Sägemehl und Bratwürsten, Motorsägen dröhnen in den Ohren. Alle zwei Jahre findet der Holzerwettkampf statt, jedes Mal in einer anderen Region des Aargaus. Dieses Jahr ist Muri der Veranstalter und kombiniert die Holzereimeisterschaft zusammen mit dem Dörflerfest. Stefan Staubli, Förster und OK Präsident, erklärt warum: «Durch das Dörflerfest können wir Besucher anlocken, die sich nicht in der Branche auskennen und ihnen unseren Beruf vorstellen.»

Der Wettkampfplatz und das Festzelt sind gut besucht, fleissig wird Bier und Wasser ausgeschenkt und der Moderator warnt stetig vor der Hitze. 170 Kandidaten halten tapfer durch, sie sind es gewöhnt, in langer Arbeitskleidung in der Sonne zu arbeiten. Auch Andreas Budliger, Forstwart und Gewinner der letzten beiden Holzerwettkämpfe, ist dieses Jahr wieder dabei. Möchte er heute den Hauptpreis holen? «Mit etwas Glück schaffe ich das», antwortet er bescheiden, «es braucht viel Erfahrung, Training und Präzision, um möglichst viele Punkte zu holen.» Budliger spricht von fünf Disziplinen, bei denen die Wettkämpfer getestet werden: Eine Baumkrone entasten, einen Präzisionsschnitt durchführen oder eine Fallkerbe sägen. Alles sind Aufgaben, welche die Förster und Forstwarte in ihrem alltäglichen Beruf ausüben.

Wettkampf ist auch Treffpunkt

Der Kreativwettbewerb hingegen ist spezieller: Die acht Teilnehmer schnitzen mit ihren Motorsägen Skulpturen aus einem Holzblock, die später am Tag versteigert werden. Heinz Haller probiert sich an einem Weisskopfadler. Der gelernte Zimmermann schnitzt und sägt zusammen mit seinem Sohn, es ist ein gemeinsames Hobby geworden: «Man braucht viel Kreativität und Geschick, um eine Figur zu gestalten», sagt Haller. «Bei der Versteigerung geben manche Leute für die Skulpturen bis zu 4000 Franken aus.» Die anderen Teilnehmer arbeiten an einer Schildkröte, einem riesigen Steinbock und einer massiven, kunstvoll dekorierten Bank. Zuschauer stehen vor den Absperrungen und bestaunen die Arbeiter: «Schau mal Papi wie die Späne durch die Luft fliegen!»

Die Späne fliegen auch, als die Schweizer Nationalmannschaft auf dem Wettkampfplatz zu den Motorsägen greift. «Viele von den Professionellen haben spezielle Maschinen mit einer stärkeren Kette oder höherer Drehzahl», erklärt Staubli. Am Freitag eröffnete er unter der Nummer 1 den Wettbewerb und hofft, gut abgeschnitten zu haben. Neben Punktezahlen, Ranglisten und Sekunden geht es beim Holzerwettkampf aber auch um etwas anderes, in Micha Plüss’ Augen, wichtigeres. Plüss ist langjähriger Moderator des Wettkampfes, war Jurymitglied und selbst Forstbetriebsleiter: «Dieser Anlass ist auch dafür da, die anderen Forstwarte und Förster kennenzulernen und die Jungs von früher zu treffen.» Man trifft aber nicht nur «Jungs» auf dem Wettkampfplatz.

Kyra Stolp, Forstwartin, ist eine von insgesamt drei Frauen, die sich angemeldet haben. Wie ist es, als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten? «Am Anfang ist die Skepsis der Männer hoch, aber dann wird man von ihnen in der Gruppe aufgenommen und man erfährt viel Unterstützung und Hilfsbereitschaft.»

Um 17 Uhr wird die Rangliste verkündet und die Teilnehmenden versammeln sich vor dem Gabentempel. Vom Bobby Car bis zur Kettensäge und vom Geschirr zu Arbeitshandschuhen, alles ist dabei. Kyra Stolp belegt Rang 68, Stefan Staubli hat es auf Platz fünf geschafft und Andreas Budliger auf Platz zwei. Der Gewinner Daniel Gautschi hat es schon sieben Mal auf den ersten Rang geschafft, so auch dieses Jahr. Er darf im Gabentempel den ersten Preis, einen massiven Eichentisch, mit nach Hause nehmen.

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