Hitze 2018
Wo sind denn die Bäche geblieben? Im Oberfreiamt fliesst nichts mehr

Die Region leidet unter der Trockenheit der letzten Wochen. Obwohl die Gegend normalerweise reich an Wasser und Bächen ist, sind momentan nur Rinnsale zu finden.

Eddy Schambron
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Sembach in Auw.
Das Sörikertobel in Muri, bekannt für seine wilde Natur, ist sozusagen ausgetrocknet.
Wissenbach in Beinwil/Freiamt.

Eddy Schambron

Ziemlich krass: Das Sörikertobel in Muri, wo normalerweise der Sörikerbach munter ins Tal rauscht und in kalten Wintern das aus der Erde drückende Wasser zu unzähligen Eiszapfen gefriert, kann man trockenen Fusses begehen – im Bachbett. Da schlängelt sich, teilweise kaum mehr sichtbar, nur noch ein kleines Rinnsal zwischen den Steinen hindurch. Immerhin werden die Fische im Tobelweiher mit etwas Frischwasser versorgt.

Ein Augenschein in anderen Bächen zeigt kein wesentlich anderes Bild: Ein Rechen im Alikerbach ist nur noch ein kleiner Damm aus dürren Ästen, der Wissenbach in Beinwil nichts weiter als eine Ansammlung von Steinen mit ein paar Pfützen drin. Auch bekannte kleine Moorlandschaften scheinen komplett ausgetrocknet. Das fehlende Wasser hat Auswirkungen, nicht nur die dramatischen auf einen allfälligen Fischbestand, sondern auf die gesamte Flora und Fauna.

Erstaunlich anpassungsfähig

Im Hitzesommer 2003 war die Lage nicht viel anders. Damals hat das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wasser und Geologie (BWG) und MeteoSchweiz eine Dokumentation über die Auswirkungen auf die Gewässer erarbeitet. Der Bericht stellt interessanterweise unter anderem fest, dass Feuchtgebiete wie Auen und Moore trotz Austrocknung wegen ihrer hohen natürlichen Anpassungs- und Regenerationsfähigkeit den Hitzesommer insgesamt gut überstehen konnten. Die Ausnahmesituation brachte zudem seltene Phänomene hervor: So wuchsen beispielsweise an gewissen Orten Pflanzen, die seit Jahrzehnten nicht mehr beobachtet wurden.

Oder es siedelten sich Pioniergemeinschaften auf vorübergehend trockenliegenden Kiesflächen an, um nach dem Ende der Wassertiefstände wieder zu verschwinden. Das ist auch jetzt wieder entlang der Bäche festzustellen. Eine der Schlussfolgerungen war, dass das Vernetzen von Lebensräumen gerade bei klimatischen Extremereignissen von grösster Bedeutung für den Artenschutz ist.