Das Katzenexperiment

Wo sich Bimbo eine Woche lang rumtrieb und wie Jogy eine Kamera zunichtemachte

Was treiben Katzen eigentlich den lieben langen Tag lang? Und wo streuen sie nachts rum? Wir wollten es genau wissen und banden den beiden Freiämter Katern Bimbo und Jogy für sieben Tage einen GPS-Sender um den Hals. Eine Auswertung.

Als Johanna Bereuter laut durch den Garten ruft, dauert es nur ein paar Sekunden, und Kater Bimbo kommt angerannt. Er schmiegt sich um die Beine seines Frauchens, die vorsichtig den Klickverschluss am Halsband löst – der Versuch ist beendet. Eine Woche lang trugen die beiden Kater Jogy und Bimbo ein GPS-Ortungsgerät. Jogy taucht etwas später auf, er hat die Aufzeichnung bereits selber beendet, indem er sein Halsband abgestreift oder verloren hat.

Um den Lesern zu zeigen, wie die Welt aus Katzenaugen aussieht, muss Jogy für einen weiteren Versuch herhalten: Am Halsband wird eine Kamera für Katzen und Hunde der Firma Eyenimal montiert. Jogy scheint sich am neuen Accessoire nicht zu stören und begibt sich auf seinen Rundgang durch den Garten.

Nach wenigen Metern sieht er einen mit Regenwasser gefüllten Blumentopf und trinkt daraus. Als sei er sich seiner Aufgabe bewusst, sprintet er dann den Weg hinauf und verschwindet in der angrenzenden Wiese, um sein Revier zu filmen. Nach einer Viertelstunde ist er zurück, stolz blickt er sein Frauchen und den az-Reporter an und lässt sich die Kamera abnehmen. Aber die Aufnahme-Leuchte blinkt nicht mehr. Nach einer kurzen Inspektion wird klar: Beim Trinken hat Jogy die Kamera ins Wasser getaucht und damit das technische Wunderwerk nach kurzer Einsatzzeit zerstört. Jogy scheint mit dem Konzept «Big Brother is watching you» nicht einverstanden zu sein.

Ein typischer Tag im Leben von Bimbo: grösstenteils hält er sich rund um sein Zuhause auf (oberer roter Fleck), zwischendurch spaziert er nach Süden.

GPS-Daten von Kater Bimbo

Ein typischer Tag im Leben von Bimbo: grösstenteils hält er sich rund um sein Zuhause auf (oberer roter Fleck), zwischendurch spaziert er nach Süden.

Unterschiedliche Reviere

Auch wenn die Daten nicht lückenlos sind, nach der Auswertung zeigt sich: Die beiden Kater bewegen sich sehr viel, aber nicht weit. Knapp 350 Meter weit erstreckt sich Bimbos Revier, Jogy getraut sich etwas weniger weit von seinem Zuhause weg.

Jogy hat sich mehr nach Norden und nach Westen bewegt, einen Abstecher zu einem nahe gelegenen Bauernhof gemacht und ist oft rund um die hochgewachsenen Wiesen herumspaziert. Bimbo dagegen zog es eher in den Osten, oft lief er die Quartierstrasse südlich hinunter und wieder zurück. Ein paarmal spazierte er auch einem Acker entlang, über die Wiese bis zum Waldrand – in den Wald hinein hat er sich nicht gewagt.

Beide Katzen hielten sich die meiste Zeit im grossen Kräuter- und Gemüsegarten ihrer Besitzerin Johanna Bereuter auf. Zwischen 6 Uhr morgens und 12 Uhr mittags bewegen sich die beiden Tiere am wenigsten. Meistens machen sie ein bis zwei Spaziergänge, ansonsten halten sie sich in der näheren Umgebung auf und ruhen sich aus. Bis um 18 Uhr werden die Rundgänge ausgedehnter. Dann folgen meist wieder etwas ruhigere Phasen, erst in der Nacht machen sich die beiden auf die Pirsch. Die Abstecher, die Bimbo und Jogy an die Randpunkte ihres Reviers führen, finden meist am Abend oder in der Nacht statt. Auch die Zugerstrasse überqueren die beiden höchstens in den Stunden, in denen sehr wenig Verkehr herrscht.

Nach dem Regen auf Mäusejagd

Bei Regen bewegten sich die GPS-Sender nur noch sporadisch – ein lauschiges, trockenes Plätzchen scheint Jogy und Bimbo besser zu behagen als eine Katzenwäsche. Allerdings waren sie nach dem Regen umso aktiver: Die beiden haben mehrere Mäuse mit nach Hause gebracht, berichtet Bereuter. «Vielleicht sind die Mäuse wegen des Regens mehr an die Oberfläche gekommen», vermutet sie. Mäuse erwischen die beiden Kater ab und zu, auch Blindschleichen brachten sie schon nach Hause, und selten haben sie einen Vogel erwischt.

Bimbo lässt sich am Bauch kraulen

Bimbo lässt sich am Bauch kraulen

Die beiden Kater sind Brüder, bald zehn Jahre alt, und leben schon seit Geburt an der Ifangstrasse in Zufikon. «Ich habe ihrer Mutter Diva bei der Geburt geholfen, ihr den Bauch gestreichelt, als sie auf die Welt kamen», erinnert sich Bereuter. Vielleicht ist es diesem Umstand zu verdanken, dass die beiden eine äusserst starke Bindung zu ihr aufgebaut haben.

Während Johanna Bereuter Unkraut jätet, kommt es nicht selten vor, dass einer der Kater sie auf Schritt und Tritt begleitet, und wenn sie Bimbo zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, dann springt er ihr kurzerhand auf den Rücken und legt sich auf ihre Schultern, um zu seinen Streicheleinheiten zu bekommen.

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