Waltenschwil

Wo selbst die harten Jungs weich werden – der Sagenweg feiert Jubiläum

Der Freiämter Sagenweg in Waltenschwil feiert heuer das 10-Jahr-Jubiläum und verfügt sogar über eine eigene App. Die AZ war mit den Gründern im Wald unterwegs.

Kulturvermittlerin Irene Briner muss nicht lange überlegen, wenn man sie nach ihrer eindrücklichsten Führung fragt. «Das werde ich nie vergessen. Das war der Rundgang mit den jungen Männern aus dem Strafvollzug», sagt sie. Die Bewohner des Jugendheims Aarburg waren nicht eben erpicht auf einen Waldspaziergang mit einer Geschichtenerzählerin.

Entstandene Werke sollen in der Region bleiben

«Sie erkannten aber, dass Sagen viel mit ihnen und ihrem Leben zu tun haben. Es tat sich für sie eine völlig neue Welt auf und sie waren sichtlich berührt», erzählt Briner mit leuchtenden Augen. Und so wurde der Rundgang für beide Seiten zu einem unvergesslichen Erlebnis. Denn: «Sagen sind das Gewissen einer Region», so die Kulturvermittlerin. Sie dienten im Mittelalter, als die Mehrheit der Bevölkerung weder schreiben noch lesen konnte als moralische Leitlinien.

Die aussergewöhnliche Idee, Kunst und Sagen miteinander zu verbinden, lancierten die beiden Steinbildhauer Alex Schaufelbühl und Raphael Häfliger. Sie trommelten erstmals 2003 und 2005 Steinbildhauer aus nah und fern für das Freiämter Bildhauersymposium zusammen. Ihr Wunsch war, dass die entstandenen Werke in der Region bleiben.

Realisation löste damals auch Diskussionen aus

Denn die Bildhauer liessen sich von der Freiämter Sagenwelt inspirieren und schufen während des zehntägigen Symposiums zwölf eigenständige Werke aus Holz, Stein, Beton und Eisen. Daraus entwickelte sich die Idee, einen Sagenweg anzulegen. Mit dem Verein Erlebnis Freiamt fand das Duo einen verlässlichen Partner und Trägerverein an seiner Seite. Innerhalb kurzer Zeit gelang es dem Team, die Sponsorengelder von 100000 Franken für die Realisation des Weges zu sammeln.

Zehn Jahre ist es nun her, dass der Kulturpfad, der beim Waltenschwiler Waldhaus beginnt, eingeweiht wurde. Dass die Realisation nicht ganz einfach war und auch kontroverse Diskussionen auslöste, das streitet Herbert Strebel, Präsident von Erlebnis Freiamt nicht ab. «Die alten Geschichten wollen wir endlich hinter uns lassen und nun vorwärtsschauen», sagte er anlässlich des Pressetermines im Waltenschwiler Wald. Das Zusammentreffen wurde anberaumt, weil das Fest unter dem Motto «Das isch s Zähni!» vom kommenden Sonntag coronabedingt abgesagt werden musste. Die Feier wurde um ein Jahr verschoben. An das Jubiläum wollte das Trio dennoch erinnern.

Sogar eine eigene App

Der Sagenweg wird längst nicht nur von Familien und Schulen besucht. «Vom Kleinkind bis zum Senior trifft man alle auf dem Weg an», erzählt Rafael Häfliger. Jährlich führen Irene Briner und ihr Team 60 bis 70 Gruppen über die zwölf Stationen. Dieses Jahr waren es etwas weniger Besucher. Dennoch erfreute sich das Ausflugsziel im Waltenschwiler Wald grosser Beliebtheit.

Der Weg, der zu den Schweizer Freilichtmuseen zählt, verfügt über eine eigene App. Diese wurde in den vergangenen Wochen fleissig heruntergeladen. Und so blicken die Verantwortlichen optimistisch in die Zukunft. Die Bewilligung für den Weg wurde eben erst um weitere fünf Jahre verlängert und die vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden sind motiviert, den Weg und damit die Kulturgeschichte weiterhin am Leben zu erhalten.

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