Prozess in Bremgarten

Wo ist der Töff? Renitenter Bauer nimmt es mit vier Polizisten auf

Der Landwirt wollte den Standort seines Töffs partout nicht verraten. (Symbolbild)

Der Landwirt wollte den Standort seines Töffs partout nicht verraten. (Symbolbild)

Ein Bauer und zwei Kantonspolizisten lieferten sich ein Handgemenge. Die Bremgarter Einzelrichterin hatte über den Fall zu befinden. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

Der Bauer Fausto wurde bei einer Kontrolle gegenüber den beiden Kantonspolizisten Max und Moritz (alle Namen geändert) handgreiflich. Die Gesetzeshüter hätten ihn überfallen, behauptete der 60-Jährige am Donnerstag vor der Einzelrichterin Isabelle Wipf in Bremgarten.

Am Anfang war Fahrerflucht

Ihren Anfang nahm die Geschichte bei einem Verkehrsunfall im Sommer 2013 in Zürich, wo ein beteiligter Motorradlenker den Unfallort pflichtwidrig verlassen hatte. Anhand des Kontrollschildes konnte der Töff-Halter im Freiamt ausfindig gemacht werden. Die Zürcher Polizei ersuchte die Kantonspolizei Aargau um eine Kontrolle beim Motorradbesitzer, um allfällige Unfallspuren am Töff zu sichern. Die Polizisten Max (36) und Moritz (37) erhielten den Auftrag, auf dem Hof des Bauern vorzusprechen. Sie trafen den Besitzer des Motorrades zu Hause an, stellten sich vor und fragten ihn, ob sie den Töff sehen könnten. Nach Angaben der beiden Polizisten weigerte sich Fausto von Anfang an, den Standort seines Motorrades bekannt zu geben, da er es angeblich ausgeliehen hätte.

Renitenten mit Gewalt gebodigt

«Der Mann verhielt sich überhaupt nicht kooperativ, worauf ich ihn bat, sich auszuweisen und zur Befragung mit auf den Polizeiposten zu kommen», erinnerte sich Max. Doch der Bauer habe sich geweigert und gesagt, dass er ohne seinen Anwalt keine Aussagen machen werde und ihm die Polizei nichts anhaben könne. Er wollte sich nach Angaben des Polizisten der Kontrolle entziehen, indem er versuchte, die Haustüre zu schliessen. Doch Max kam dem Hausbewohner zuvor, indem er blitzschnell seinen Fuss vorschob. Fausto wollte den Polizisten am Hals packen und wegschieben. Doch Max gelang es, den Angriff abzuwehren und sein renitentes Gegenüber mit Gewalt zu bodigen.

Bei Treppensturz verletzt

Fausto leistete heftige Gegenwehr, sodass ihm Max die Hände mit Handschellen fixieren musste. Vor dem Hauseingang versuchte der Bauer erneut, sich dem polizeilichen Gewahrsam zu entziehen, indem er Max auf der Treppe zur Seite stiess. Da ihn dieser festhielt, stolperten beide einige Stufen hinunter, stürzten zu Boden und verletzten sich leicht.

Moritz erinnerte sich: «Trotz Arretierung mit Handschellen, wehrte sich der Bauer mit Händen und Füssen, sodass ich meinem Kollegen zu Hilfe kam. Wir beschlossen, Unterstützung anzufordern. Eine Patrouille der Regionalpolizei war in wenigen Minuten mit ihrem Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Sirene vor Ort. Erst, als wir ihn zu viert beruhigen konnten, gab Fausto seinen massiven Widerstand auf und liess sich schliesslich von der Repol auf den Posten bringen.»

Fausto erhob gegen Max und Moritz Anklage wegen einfacher Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Tätlichkeiten. Auf seine Anklagepunkte wegen Gefährdung des Lebens (Fausto gab an, dass er während der Verhaftung zwischendurch kaum noch atmen konnte), Freiheitsberaubung und Amtsmissbrauch trat die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg, welche die Ermittlungen wegen Befangenheit der Kolleginnen und Kollegen in Muri leitete, wegen Unerheblichkeit gar nicht ein. Die beiden Polizisten klagten gegen Fausto wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Beschimpfung und Sachbeschädigung.

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