«War es der Preis oder die Grösse der Wohnung, war es die geografische Lage oder waren es familiäre oder andere soziale Gründe, die Sie dazu bewogen haben, in Rottenschwil Wohnsitz zu nehmen?» – die Behörde will es wissen. Sie fühlt mit dieser und verschiedenen weiteren Fragen den Puls der Bevölkerung im rund 800 Einwohner zählenden Dorf. «Der Gemeinderat wird im ersten Quartal des nächsten Jahres die Legislaturziele für die Amtsperiode 2018/2021 definieren. Darüber wollen wir jedoch nicht im Stil der ‹fünf Weisen› im stillen Kämmerlein brüten, sondern zuvor möglichst exakt wissen, welche Anliegen und Bedürfnisse die Einwohnerinnen und Einwohner haben und auch, was die Unternehmen im Dorf von uns erwarten», erläutert Frau Gemeindeammann Giordana Erne das Ziel der Erhebung.

Noch kaum eine Gemeinde im Aargau hat bisher eine so umfassende Volksbefragung durchgeführt. Warum macht man das ausgerechnet in einem so kleinen, überschaubaren Dorf? «Die Beteiligung an unseren Gemeindeversammlungen ist zwar noch immer recht hoch, und auch der vom Gemeinderat regelmässig durchgeführte ‹runde Tisch› ist meist gut besucht. Doch es sind vielfach dieselben Leute, die sich aktiv für das Geschehen in der Gemeinde interessieren und dem Gemeinderat ein Feedback geben. Mit unserer Umfrage möchten wir auch jene Bevölkerungsgruppe erreichen, die weder an den Gemeindeversammlungen noch am ‹runden Tisch› teilnimmt», sagt Erne.

Mit Wettbewerb verbunden

Die Fragebogen – es gibt je eine Version für die Einwohner und die Unternehmen – sind in der vergangenen Woche verschickt worden, und bereits sind die ersten Rückmeldungen da: «Wir sind überrascht, wie schnell die Leute reagiert haben, offenbar ist das Bedürfnis vorhanden, sich gegenüber dem Gemeinderat zu äussern», freut sich Gemeindeschreiberin Cornelia Burkard. Die Fragen können anonym beantwortet werden. Die Adresse notieren muss man jedoch auf einem Talon, welcher der Umfrage angefügt ist. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden Gutscheine für den Landgasthof Hecht und das Restaurant Reussbrücke («s’ewige Liechtli») verlost. «Wir erhoffen uns, mit diesem Wettbewerb eine zusätzliche Motivation zur Beteiligung an der Umfrage zu schaffen», sagt Giordana Erne.

Mitmachen können nicht nur stimmberechtigte Rottenschwilerinnen und Rottenschwiler oder Unternehmen. Angesprochen sind auch Jugendliche ab 14 Jahren. «Auf diese Weise hoffen wir, ein möglichst umfassendes Bild über die Stimmung und die Befindlichkeiten im Dorf zu erhalten», erklärt die Frau Gemeindeammann. Zusätzliche Fragebogen könnten über die Website der Gemeinde (www.rottenschwil.ch/verwaltung/standortanalyse) heruntergeladen werden.

Ergebnisse im Dezember

Präsentiert werden die Ergebnisse am nächsten «runden Tisch» vom Dienstag, 5. Dezember, 20 Uhr, im Gasthof Hecht. «Die Auswertung wird sicher nicht ganz einfach, aber wir werden das nach professionellen Kriterien angehen», erklärt Giordana Erne, die beruflich mit Umfragen einige Erfahrung hat.

Und am Ende werden alle geäusserten Wünsche und Anliegen in das neue Legislaturprogramm einfliessen? Giordana Erne zeigt sich als gute Diplomatin: «Wir stellen Fragen zu verschiedensten Themen, zu Lebensqualität, Attraktivität des Ortskerns, Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangebot, Bildung, medizinische Versorgung ebenso wie zu politischen Themen wie Steuer- und Informationspolitik. Da wird es natürlich auch eine breite Palette von Antworten und entsprechenden Wünschen geben, welche wir nicht umgehend alle erfüllen können.»

Sie sei aber überzeugt, sagt die Frau Gemeindeammann weiter, dass diese Umfrage dem Gemeinderat aufzeige, in welche Richtung die Bevölkerung das Dorf langfristig entwickelt sehen möchte. «Wir erhoffen uns eine gute Grundlage für unsere Arbeit in der nächsten Amtsperiode», erklärt Erne, sieht das Ganze aber auch realistisch: «Klar wird es Anliegen und Forderungen geben, die nicht so einfach umzusetzen sind. Aber ganz bestimmt gibt es auch Sachen, die wir rasch ändern können», meint sie. Etwa, wenn – beispielsweise – eine Mehrheit die Kehrichtabfuhr auf einen anderen Tag verlegen oder sonstige organisatorische Anpassungen verlangen würde. Mit anderen Anliegen wiederum werde sich der Gemeinderat vertieft befassen, dazu Konzepte erarbeiten und diese mit der Bevölkerung zur definitiven Entscheidungsfindung diskutieren müssen. «Ich bin gespannt», sagt Giordana Erne, «was nach dieser Umfrage auf dem Tisch liegt.»