Gebührenmarken, offizielle Kehrichtsäcke oder doch Container mit Gebührenplomben? Die az Freiamt wollte wissen, wie teuer 35 Liter Abfall in den Freiämter Gemeinden ist. Die Unterschiede sind auf den ersten Blick frappant.

Grundsätzlich sind die Gemeinden für die Finanzierung der Abfallbewirtschaftung zuständig und dürfen keine Steuergelder verwenden. Sie legt kostendeckende Gebühren nach dem Verursacherprinzip fest (in Form der Gebührenmarken, offiziellen Kehrichtsäcken oder Plomben), sowie eine Grundgebühr für Haushalte.

Die Gebühren sind so bemessen, dass die Kosten für Bau, Betrieb, Unterhalt, Verzinsung und Abschreibung der Abfallanlagen in den Gemeinden, den Sammelstellen, sowie die übrigen Kosten der Abfallwirtschaft (Transport, Entsorgung, Eigenleistungen, Information, Administration) vollumfänglich gedeckt werden.

In der Grundgebühren können die Bereitstellung von Infrastruktur, Unterhalt und Betrieb der Sammelstellen, Grüngutabfuhren und Altpapiersammlungen enthalten. Gemeinsam mit den übrigen Gebühren für Wasser, Abwasser und Strom wird die Grundgebühr direkt an die Haushalte verrechnet.

Grosse Gebührenunterschiede

Nicht jede Gemeinde regelt die Abfallbewirtschaftung gleich. Sie unterscheiden sich zum Teil in ihren Abfuhrsystemen und verrechnen Kehricht, Grün-, Sonderabfälle anders.

Einige setzten tiefe Gebühren an, verlangen aber hohe Pauschalen. Réne Fischer, Gemeindeschreiber von Buttwil, rechtfertigt die höchste Gebühr im Freiamt: «Unsere Gebühren sind seit Jahren unverändert und notwendig, damit die Kosten gedeckt werden können. Unsere Grundgebühr ist tief und für die Grünabfuhr verrechnen wir keine weiteren Kosten.»

In Oberwil-Lieli, der Gemeinde mit den tiefsten Gebühren, entpuppt sich der voreilige Schluss als trügerisch. Tatsächlich ist die tiefe Sackgebühr durch die hohe Grundgebühr von 180 Franken erklärbar. Die Grundgebühr deckt die Kosten des ganzen Entsorgungsprozesses. Die Grüngutentsorgung wiederum ist frei von Kosten.

Oberwil-Lieli hat als zweitletzte Gemeinde seit dem ersten Januar dieses Jahres die Sackgebühren eingeführt. Mit Erfolg – die Menge des Abfalls hat sich halbiert. «Das Bewusstsein der Leute ist gestiegen», vermutet Gemeindeammann Andreas Glarner.

Natürlich sei nicht auszuschliessen, dass es «Widerstandsnester» gebe, die in ihrem Kamin oder der Kanalisation den Müll entsorgen. Sicher sei aber, dass ein grosser Teil des auswärtigen Abfalls nicht mehr zu ihnen komme.

Jetzt muss nur noch Arni nachziehen: die Gebühren stehen fest, eingeführt werden sie nächstes Jahr. Waltenschwil und Bünzen verteilen Plomben für Container verschiedenen Volumens.

Die Kosten für 35 Liter Abfall wurde durch den Plombenpreis für einen 120-Liter-Container berechnet. In Uezwil, Merenschwand und Kallern fehlt eine Vergleichsgrösse, da sie nicht nach Volumen, sondern pro Kilo abrechnen.

Im Vordergrund steht auch hier das Verursacherprinzip: Wer mehr Abfall produziert, zahlt auch mehr. Brigitte Woodtli, Gemeindeschreiberin von Uezwil erklärt: «In einen 35-Liter-Müllsack kann man Steine oder Watte packen. Beide füllen das Volumen, jedoch in einer ganz anderen Gewichtsklasse.»

Jeder Container eines Haushalts ist gechipt. Die Fuhrhalterei Koch in Wohlen übernimmt die Leerung und schickt den Haushalten die Rechnung. Verrechnet werden die Anzahl Kilo Abfall und die Kosten pro Leerung.

Dieses System scheint gerechter – und ist keineswegs neu. Seit 15 Jahren hat die Gemeinde Uezwil diese Art von Abfallentsorgung.

Weshalb überwiegt aber in den meisten Gemeinden das System mit Gebührensäcken oder Marken? «Der administrative Aufwand wäre zu gross», sagt Peter Eberhart, Leiter Umwelt und Energie der Gemeinde Wohlen.

Ein derartiges Verfahren sei bei der Grüngutabfuhr in Diskussion gewesen, jedoch nicht in Aktion getreten. Das Gewerbe allerdings muss ihren Abfall pro Kilo bezahlen, mittels gechipten Containern. Dies betrifft 250 Unternehmen in Wohlen.