Bezirksgericht Bremgarten

Witwe (63) verheimlichte Einkünfte – Gläubiger warten auf 121'000 Franken

Im Bezirksgericht Bremgarten musste sich eine 63-jährige Witwe verantworten.

Im Bezirksgericht Bremgarten musste sich eine 63-jährige Witwe verantworten.

Eine 63-jährige Witwe verschwieg ihre wahren Einkünfte. 121'000 Franken ungedeckte Forderungen bleiben so zurück. Ob die Gläubiger je zu ihrem Geld kommen, ist ungewiss. Jetzt wurde sie bestraft.

Sie beziehe nur eine Witwenrente, gab die Frau dem Betreibungsamt an. Sie verheimlichte das erhebliche Einkommen, welches sie aus ihren Arbeitsstellen erzielt hatte. Es kam zu Pfändungen, die aber nicht vollzogen werden konnten, weil ihr das Amt das Existenzminimum zugestehen musste. Vom Betreibungsamt wurden die Gläubiger deswegen mit Schuldscheinen abgespeist. Zurück blieben Forderungen über insgesamt 121 000 Franken.

Lohnabrechnungen entdeckt

Frühmorgens läutete die Polizei an der Haustüre der Frau. Sie nahm eine Hausuntersuchung vor. Dabei kamen die Lohnabrechnungen zum Vorschein, welche die wahren Einkommensverhältnisse offenbarten. Die Frau gestand sofort alles ein. Der Weg zum abgekürzten Strafverfahren war somit offen.

Die Beschuldigte gab vor dem Bezirksgericht Bremgarten an, dass sie alte Schulden ihres verstorbenen Ehemannes habe decken wollen und ein Auto gekauft habe, um leichter zur Arbeit zu gelangen. Ihr tue alles leid. Nächstes Jahr gehe sie in Rente und wolle in ihr Heimatland, nach Deutschland zurückkehren. Dort könne sie von der Rente gut leben.

Der Staatsanwalt forderte im Einvernehmen mit der Verteidigerin eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und eine Busse von 2000 Franken. Das Delikt sei als mehrfacher betrügerischer Konkurs und Pfändungsbetrug zu werten. Eigentlich wären in diesem Fall auch zweieinhalb bis drei Jahre unbedingt möglich gewesen, erklärte er. Aber die Frau habe ihre Tat sofort gestanden. Sie sei einsichtig und habe bei der Aufarbeitung des Falles mitgeholfen.

Es sei anzunehmen, dass die Frau ihre Lehren gezogen habe. Bei einem Rückfall sei aber eine unbedingte Strafe nicht mehr zu vermeiden. Die Verteidigerin führte die schwierige private Situation ihrer Mandantin ins Feld. Nach der Krankheit und dem Tod ihres Ehemannes habe sie sich Nachlässigkeiten geleistet. Sie habe ihre wahren Einkommensverhältnisse vor dem Betreibungsamt nicht direkt versteckt, das Amt hingegen mit falschen Angaben getäuscht.

Nicht auf leichte Schulter nehmen

Das Gericht erhob den Urteilsvorschlag zum Beschluss. Gerichtspräsident Peter Thurnherr warnte die Frau davor, ihre Tat auf die leichte Schulter zu nehmen. Es sei «ned nüd», was sie angerichtet habe. Ihr Geständnis habe das Gericht zur Kenntnis genommen. Die Bereitschaft, mit den Untersuchungsbehörden zu kooperieren, habe ihr dazu verholfen, den Fall im abgekürzten Verfahren abzuwickeln. Thurnherr empfahl der Frau, die auf drei Jahre angesetzte Probezeit dafür zu nutzen, «dass jetzt gar nichts mehr vorfällt». Auf einem anderen Blatt stehe, wie die Gläubiger nun zu ihrem Geld kämen.

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