Villmergen
Wirtschaftsapéro: NAB-CEO spricht über den Fachkräftemangel

Am Wirtschaftsapéro von FDP, IG Industrie Allmend sowie Handwerker- und Gewerbeverein war der Fachkräftemangel das Thema.

Christian Breitschmid
Merken
Drucken
Teilen
NAB-CEO Roland Herrmann kämpft als Berner für die Aargauer Wirtschaft.

NAB-CEO Roland Herrmann kämpft als Berner für die Aargauer Wirtschaft.

Christian Breitschmid

Der Referent des Abends, Roland Herrmann, legte die Fakten ungeschönt und trocken auf den Tisch im Personalrestaurant der Montana Bausysteme AG: «Der Aargau leidet unter einem Fachkräftemangel. Jedes vierte KMU ist direkt davon betroffen. Besonders im Freiamt fehlt es an hochqualifizierten Arbeitskräften. Gut 42 000 Hochqualifizierte pendeln jeden Tag aus dem Aargau weg und arbeiten in einem anderen Kanton.»

Die 35 Teilnehmer des 13. Wirtschaftsapéros, zu dem die FDP Ortspartei Villmergen, die IG Industrie Allmend sowie der Handwerker- und Gewerbeverein Villmergen und Umgebung am Mittwoch geladen hatten, folgten kopfnickend und -schüttelnd den Ausführungen des CEO der Neuen Aargauer Bank (NAB). Roland Herrmann ist eine Ausnahmeerscheinung in der Welt der Wirtschaftsbosse.

Er hat zuerst in der Baubranche gearbeitet, dann Physik studiert, seinen Doktor gemacht und ist dann ins Bankgeschäft eingestiegen. Der Mann spricht also aus Erfahrung, wenn er die NAB-Regionalstudie 2017 vorlegt und deren Zahlen interpretiert. Noch stehe der Kanton Aargau, hinter Zürich und Zug, an dritter Stelle, wenn es um die Standortqualität gehe, erklärte Herrmann seinem Fachpublikum aus Politik und Wirtschaft, doch nutzten viele Arbeitnehmer ihren aargauischen Wohnort als Schlafgemeinde, um ihr Geld ausserhalb zu verdienen.

Für duales Bildungssystem

Als Strategien gegen den bestehenden und noch weiter wachsenden Fachkräftemangel empfiehlt Herrmann die stetige Weiterbildung der Mitarbeiter, die solide Ausbildung junger Menschen in den Betrieben und die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen. Weiter betonte der Leiter des NAB-Präsidialressorts: «Unser duales Bildungssystem ist wichtig. Wir müssen es stärken und jungen Menschen auch bewusst machen, dass es nicht nur den tertiären Bildungsweg gibt.»

In der anschliessenden Diskussion und auch beim Aperitif danach war das Ausbildungsthema in aller Munde. Edwin Riesen, Präsident der FDP Ortspartei Villmergen, wurde deutlich: «In Amerika bezahlen Studenten ihr Studium selber. So könnte man auch hier verhindern, dass einer mal ein bisschen das, dann wieder etwas Anderes studiert.» Die Eltern und Berufsberater täten im Sinne der Schweizer Wirtschaft gut daran, so Riesen, die Jugendlichen auf die guten Marktchancen für Berufsfachleute hinzuweisen.