Mit dem Rücktritt von Ueli Frey (CVP) als Gemeinderat von Muri beginnt sich das Wahlkarussell früher zu drehen als erwartet - dabei geht es auch um das Amt des Gemeindeammanns. Frey, der seit 2006 im Gemeinderat sitzt, war nämlich zumindest parteiintern als Nachfolger von Gemeindeammann Josef Etterlin gehandelt worden.

Etterlin wiederum räumte gestern gegenüber der az Aargauer Zeitung ein, dass er auf Ende der laufenden Amtsperiode, also im Jahr 2013, zurücktreten werde. Damit ist die Ausgangslage klar: Die CVP, die sozusagen «seit Menschengedenken» in Muri den Ammann stellt, wird diesen Sitz zu verteidigen suchen. Die andere Parteien dürften sich in die Startlöcher setzen – und ein Parteiloser hat alle Chancen, das Amt des Gemeindeammanns zu besetzen.

Auf den Beruf gesetzt

Ueli Frey hatte sich schon lange vor seiner Demission aus dem Rennen als Gemeindeammann genommen, «obwohl mich das Amt gereizt hätte». Bei der Abwägung Beruf oder Politik habe er sich klar für die berufliche Entwicklung entscheiden müssen. «Hätte ich mich der Politik und damit dem Ammannamt zugewandt, wäre ich nach zwei, drei Amtsperioden gut 50 Jahre alt und wohl weg vom Job gewesen.»

Die jetzige Demission als Gemeinderat ist ebenfalls beruflich begründet: Frey wird eine neue Aufgabe als Gruppenleiter in der Abteilung Landwirtschaft Aargau übernehmen; bisher arbeitete er in ähnlicher Funktion im Kanton Zug. Während er in Zug ein 80-Prozent-Pensum hatte, ist die neue Anstellung 100 Prozent – zu viel, um noch Zeit für den Gemeinderat aufwenden zu können. «Abgesehen davon möchte ich auch mehr Zeit meiner Familie und unseren zwei Kindern widmen.»

CVP ist im Zugzwang

Die CVP hat nur eine Möglichkeit, auch künftig den Gemeindeammann zu stellen. Sie muss eine Kandidatin oder einen Kandidaten finden, der das Amt übernehmen will und breit abgestützt ist. Der Bisherige Heinz Nater wird, wie er gestern erklärte, aus beruflichen Gründen für diesen Posten nicht zur Verfügung stehen.

Für die CVP stellt sich sogar die Frage, ob sie ihre zwei Sitze in der Exekutive überhaupt wird halten können. Die FDP dürfte Morgenluft wittern, nachdem sie seit dem Rücktritt von Agatha Wernli nicht mehr im Gemeinderat vertreten ist. Auch die Sozialdemokraten werden versuchen, sich wieder einmal in Position zu bringen. Die SVP könnte mit einem zweiten Sitz liebäugeln. Die Herausforderung für alle wird sein, über die Parteigrenzen hinaus wählbare Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Und alle, ausser vielleicht die SP, werden dabei immer auch auf das Amt des Ammanns schielen.

Budmiger in der Poleposition

Gute Chancen ausrechnen kann sich Vizeammann Hampi Budmiger, zwar parteilos, aber nicht weit von der CVP entfernt politisierend. «Ich könnte mir das Amt des Gemeindeammanns vorstellen», erklärte er gestern. Dass er dazu fähig wäre, beweist er seit seinem Amtsantritt 2006. Auch Milly Stöckli (SVP) schliesst «Diskussionen um diese Aufstiegsmöglichkeit» nicht aus.

«Ans Aufhören denke ich nicht. In welcher Funktion ich weiter in der Gemeinde politisieren werde, wird sich zeigen, wenn der Wahltermin näher rückt.» Lust auf eine Kandidatur verspüren könnte zudem Benjamin Brander, noch Parteipräsident der SVP, aber bald entlastet, wenn Simon Käch das Ruder übernehmen wird.

Bringt die FDP ihren Ortspräsidenten Jörg Weiss ins Spiel, dürften ihre Chancen nicht nur für den freien
Gemeinderatssitz, sondern sogar für das Ammannamt intakt sein.

Grosser zeitlicher Aufwand

Sowohl Gemeinderat als auch Gemeindeammann leisten viele Stunden Arbeit für die Öffentlichkeit. «Rund 800 Stunden jährlich», sagt Ueli Frey, räumt aber ein, dass diese Arbeit immer Freude gemacht habe. Von einem 60-Prozent-Pensum spricht Gemeindeammann Josef Etterlin.

Dieses hohe Pensum schränkt die Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten markant ein: Nur wer es sich einrichten kann, seine berufliche Perspektive anzupassen, kommt überhaupt für dieses Amt infrage.