Rudolfstetten

Wird es bald einen Ferdy-Kübler-Rank geben?

Der Zelgrank auf dem Gemeindegebiet von Rudolfstetten soll zu Ehren der Schweizer Radsportlegende umbenannt werden. ama

Der Zelgrank auf dem Gemeindegebiet von Rudolfstetten soll zu Ehren der Schweizer Radsportlegende umbenannt werden. ama

In der markanten Kurve am Mutschellen wurde das bekannteste Foto des Radrennfahrers geschossen. Die Kurve hat sich seither verändert. Die Pflastersteine sind dem Teerbelag gewichen, der Verkehr hat stark zugenommen. Das soll sich allerdings wieder ändern.

Es ist das wohl am häufigsten reproduzierte Foto von Ferdy Kübler. Auf Pflastersteinbelag rast der Radrennprofi eine Kurve hinunter – gebückte Haltung, aufmerksamer Blick. Kaum jemand weiss allerdings, wo das Schwarz/Weiss-Foto geschossen wurde. Es ist der Zelgrank auf dem Gemeindegebiet von Rudolfstetten, die erste Kurve nach dem Mutschellen. Aufgenommen wurde das Bild an der Tour de Suisse im Jahr 1955, während des Einzelzeitfahrens, das von Luzern nach Zürich führte. Das Bild ziert unter anderem die Biografie des Radrennprofis.

Die Kurve hat sich seither verändert. Die Pflastersteine sind dem Teerbelag gewichen, der Verkehr hat stark zugenommen. Nichts erinnert mehr an die damalige Zeit, als sich die Sportler mit den dünnen Reifen ihrer Rennvelos auf dem holprigen Belag durchschütteln liessen.

Ferdy-Kübler-Weg in Adliswil

Das soll sich allerdings ändern. Zumindest, wenn es nach Bruno Schuhmacher geht. Er ist Präsident des VeloClubs Adliswil, wo Ferdy Kübler während seiner aktiven Zeit wohnte. «Ferdy war national ein Begriff. Ein Denkmal finde ich angebracht», so Schuhmacher. Zumal vielen der jüngeren Generation der Name nicht mehr viel sage. In Adliswil gibt es bereits einen nach Ferdy Kübler benannten Weg, dennoch fände es Schuhmacher angebracht, auch die Kurve umzubenennen: «Es ist das berühmteste Foto, unter Velofahrern ist es bekannt. Zudem wäre es eine Aufwertung des Ranks.»

Bereits hat Schuhmacher beim Kanton angefragt, ob eine solche Umbenennung möglich wäre. Das war 2009, als Ferdy Kübler 90 Jahre alt wurde. Damals wurde auch der Gemeinderat von Rudolfstetten-Friedlisberg gefragt, was er davon halte.

Ferdy Kübler während der Tour de Suisse 1955 in besagter Kurve.

Ferdy Kübler während der Tour de Suisse 1955 in besagter Kurve.

Keinen Bezug zur Gemeinde

Der Gemeinderat zeigt sich jedoch wenig begeistert von der Idee. «Innerhalb der Gemeinde besteht kein Bedürfnis, der Kurve einen neuen Namen zu geben», sagt Josef Brem, der damals zwar noch nicht Gemeindeammann war, aber bereits im Gemeinderat sass. Brem glaubt nicht, dass die Diskussion im heutigen Gemeinderat zu einem anderen Ergebnis führen würde.

Im Gemeindehaus habe man sogar eine Umfrage gestartet, wem der Name Ferdy Kübler etwas sagt, erinnert sich Gemeindeschreiber Urs Schuhmacher. Das Ergebnis war ernüchternd. «Die Gemeinde Rudolfstetten-Friedlisberg hat keinen Bezug zu Ferdy Kübler. Es gäbe noch zig andere Kurven, wo dieser durchgefahren ist. Dass das Foto hier entstand, ist Zufall.»

Allgemein habe man aber nichts gegen ein Denkmal für eine Person. So hat man dem im letzten Jahr verstorbenen Entertainer Alfredo Smaldini noch zu seinen Lebzeiten einen Weg gewidmet. «Smaldini hat aber im Gegensatz zu Kübler im Dorf gewohnt», sagt Urs Schuhmacher.

Der Gemeindeschreiber glaubt auch nicht, dass sich die Bevölkerung an einen neuen Namen gewöhnen würde. Die Kurve Zelgrank ist nach einem Flurnamen benannt, genauso wie das daneben liegende Quartier und eine Quartierstrasse. «Im Volksmund wird es der Zelgrank bleiben», ist Schuhmacher überzeugt.

Beschriftung wäre problematisch

Letztlich sei es aber die Entscheidung des Kantons, ob er der Kurve einen neuen Namen verpassen will, denn sie liegt ausserorts. «Einen abschliessenden Entscheid hat der Gemeinderat auch nie gefällt», betont Schuhmacher. Sicher sei, dass die Gemeinde nichts an eine allfällige Beschriftung zahlen würde.

Beim Kanton ist kein offizielles Gesuch für einen Ferdy-Kübler-Rank bekannt, wie Benno Schmid, Leiter Kommunikation des Departements Bau, Verkehr und Umwelt sagt. Es habe sich mehr um eine informelle Anfrage gehandelt. So oder so dürfte es eine Umbenennung schwer haben, zumindest wenn der Rank beschriftet werden soll. Denn in einer Kurve wird nur signalisiert, was zwingend notwendig ist, wie Harald Potthast, Gebietsverantwortlicher Mutschellen der Fachstelle Verkehrssicherheit, betont. «Aufgrund der Verkehrssicherheit müssten wir es verneinen.» Und ohne Beschriftung könnte sich eine neue Bezeichnung schwerlich durchsetzen.

Bruno Schuhmacher hofft, dass es doch noch klappt, mit dem Ferdy-Kübler-Rank. Der Radrennfahrer ist heute 93 Jahre alt und lebt in Birmensdorf. «Es wäre schön, wenn die Einweihung des Ranks mit ihm zusammen stattfinden könnte», so Schuhmacher. Er habe ihn öfters auf der offenen Rennbahn in Oerlikon getroffen. «Ferdy hat mir gesagt, dass er es schön fände, wenn der Rank nach ihm benannt würde.»

Die Biografie Ferdy Kübler, «Ferdy National», ist im AS-Verlag erschienen.

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