Die Fernsehjournalistin Susanne Wille aus Villmergen liess in der Show «Mission Freiamt» mit prominenten Freiämter Gästen in Wohlen eine Bombe platzen: «Schon 1979 befassten sich mein Vater Franz Wille und einige andere Grossräte damit, aus dem Freiamt einen eigenen Kanton zu machen. Subversiv, nicht wahr?» Moderator Philipp Galizia aus Muri fragte ins Publikum: «Stimmt das?» «Stimmt», antwortete Franz Wille. Grosses Gelächter.

Philipp Galizia und der az-Journalist und Theaterautor Jörg Meier aus Wohlen haben sich Grosses vorgenommen: Aus dem Freiamt soll tatsächlich ein eigener Kanton werden. «Die Grösse hätten wir: 256 Quadratmeter Fläche, 105 000 Einwohner. Damit wären wir, je nachdem, wie man es berechnet, die Nummer 19 oder 23 in der Schweiz», so stellte Meier in der Rolle als Schiedsrichter das hochfliegende Projekt vor.

«Zuerst wollten wir unsere Show in der Kegelbahn im Chappelehof durchführen. Dann entschieden wir uns für den Saal.» Ein richtiger Entscheid: Denn der Chappelehofsaal war «pumpenvoll», auch auf der Galerie. Die Leute kugelten sich vor Lachen. Denn die erste Show mit Susanne Wille und dem Theaterautor und Regisseur Adi Meyer aus Wohlen war richtig lustig und macht Appetit auf mehr.

Glarner bleibt Glarner

«Der typische Freiämter lacht zwar mehr nur auf den Stockzähnen, die ihm ausgefallen sind.» So formulierte es einst der Freiämter Schriftsteller Josef Villiger. «Aber uns ist nicht ums Lachen. Man will uns alles wegnehmen. Zuerst verloren wir das Kloster Muri, jetzt sollen wir auch die Berufsschulen und die Kantonspolizeiposten hergeben», meinte Meier gallig.

Und was ist mit Neo-Nationalrat Glarner? «Ein Glarner bleibt ein Glarner und wird nie ein richtiger Freiämter!» Im Projekt für den Kanton Freiamt fehlt noch die Hauptstadt.

Soll es Wohlen, Bremgarten oder Muri sein? «Die Frage geht an die Freiämter Ethikkommission», orakelte Meier. Susanne Wille entschied den Wettstreit auf ihre Weise: «Hauptstadt soll die Himmelrychwiese in Villmergen werden. Dann, und nur dann könnte ich es mir allenfalls vorstellen, mit meiner Familie wieder ins Freiamt zurückzuziehen.»

Die Fernsehjournalistin erklärte, wie es ihr gelungen sei, sich in der Wahlsendung am vorletzten Sonntag so neutral zu geben: «Das ist mein Auftrag. Meine eigene Meinung ist privat.»

Freiämter Stück mit Kaiserin Zita

Der Exil-Wohler Adi Meyer, der seit 16 Jahren in Gelterkinden wohnt, gab zu: «Am Anfang war das schon merkwürdig. Ich kannte keinen Menschen. Aber ich bin viel in Wohlen, wo auch meine Geschwister und Verwandten leben.»

Ihn interessiere das Fremde, sagte er, angesprochen auf die Flüchtlingsströme. Ein Theaterstück über das Freiamt würde er so inszenieren: «Die Kaiserin Zita kommt mit der Kutsche übers Feld, dahinter ihr Gefolge. Mit dabei wären die Migranten, das Jugendorchester Freiamt, viele Junge und der Circus Monti. Nachher können ja Glarner und Gallati alles mit dem «Güllenwagen» zuschütten!»

Galizia räumte ein, dass auch seine Familie, ursprünglich aus Italien, eingebürgert worden sei. «Das Fremde zieht mich an. Ich will wissen, was hinter diesen Menschen steckt», bekannte Susanne Wille. Wenn sie im Kanton Freiamt Medienministerin wäre, würde sie sich für eine neutrale Presse einsetzen, «die sich getraut, etwas zu kritisieren». «Und für die Jungen würde ich einen Youtube-Kanal aufschalten.»

So ging es weiter und weiter. Adi Meyer trug die Novelle «E Nase voll Früemäss» von Josef Villiger vor. Das «Freiämter Staatsorchester» unterhielt das Publikum. Und der Jodelchor «Echo vom Lindenberg» aus Uezwil sang das Freiämter Lied von Kurt Seiler. Schön wars, ergreifend. Die nächsten Gäste in der «Mission Freiamt» sind am 10. Dezember Silvio Blatter und Josef Sachs.