Bremgarten
Wird das Altersheim zum Wohnkomplex?

Der Gemeindeverband Regionale Alterszentren soll zu einer Aktiengesellschaft werden, das Alterszentrum Bärenmatte zum Haus für betreutes Wohnen.

Dominic Kobelt
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So könnte das Alterszentrum Bärenmatte aussehen, wenn es fertig renoviert ist.

So könnte das Alterszentrum Bärenmatte aussehen, wenn es fertig renoviert ist.

Schon länger ist bekannt, dass sich der Gemeindeverband Regionale Alterszentren, der die Häuser Bärenmatt (Bremgarten) und Burkertsmatt (Widen) führt, neu ausrichten möchte. Seit Donnerstagabend gibt es nun konkrete Fakten über die künftige Strategie des Verbands und der beiden Häuser: An der Abgeordnetenversammlung stellte Geschäftsführer Roger Cébe die Pläne für die nächsten Jahre vor.

Einerseits möchte der Vorstand den Gemeindeverband in eine Aktiengesellschaft mit gemeinnützigem Zweck umwandeln. Aktionäre wären die Gemeinden, die Generalversammlung würde die heutige Abgeordnetenversammlung ersetzten. Die wichtigste Änderung beträfe den Vorstand: Er würde professionalisiert, Einsitz sollen Leute mit betriebswirtschaftlichem und medizinischem Hintergrund nehmen. Die Konsultativabstimmung war einstimmig: Auf die nächste Versammlung wird die Rechtsformänderung vorbereitet, dann können die Gemeinden über den ausgearbeiteten Vorschlag abstimmen.

Plan mit Raffinesse

Eine noch grössere Änderung betrifft die Strategie des Alterszentrums Bärenmatt. Momentan habe man ein Überangebot an Pflegebetten, die zukünftige Ausrichtung soll deshalb «Wohnen mit Service» sein. «In den nächsten 10 bis 15 Jahren brauchen wir die Bärenmatte nicht als Pflegheim», führte Cébe aus. Der Plan beinhaltet aber eine Raffinesse: Stockweise könnte das Haus mit vergleichsweise wenig Aufwand wieder umgebaut und so Pflegebetten angeboten werden. «Renovieren müssen wir sowieso. Mit der Neugestaltung sind wir flexibel für die Zukunft», erklärte Cébe.

Dass diese Idee nicht im luftleeren Raum schwebt, bewies die Präsentation von Christoph Kaech, Inhaber der Firma fsp Architekten, die ein Vorprojekt erarbeitet hat. «Wir hatten solche Freude, an dem Projekt zu arbeiten, dass wir schon weit fortgeschritten sind», sagte Kaech. So konnte er bereits anhand von Visualisierungen aufzeigen, wie das Gebäude, Zufahrten und Raumaufteilung aussehen könnten. Die Zimmer sind etwas grösser als heute, weil die jetzigen, als Ausbuchtungen gestalteten Balkone ersetzt würden durch solche, die quasi ans Gebäude gehängt werden. Vorgesehen sind 32 Zweizimmerwohnungen und 6 Dreizimmerwohnungen. «Sie sollen modern und attraktiv werden. Das Wohnen wird aber deutlich günstiger sein, wie wenn sie heute ins Altersheim müssen», so Cébe.

Die Cafeteria wird ähnlich einer Hotelhalle gestaltet und soll auch für die Bevölkerung zugänglich sein. Die Küche wird aber deutlich kleiner, da das Essen, falls das Projekt umgesetzt wird, in Widen zubereitet wird. «Widen wird zum Headquarter, dort werden beispielsweise Gastronomie und Reinigung untergebracht. Trotzdem braucht es in Bremgarten eine Küche, um Speisen aufzubereiten», erklärte der Geschäftsführer.

Einen Haken hat das Vorhaben: Wenn ein Teil des Betriebs auf Pflege umgestellt werden soll, so müssen es mindestens zwei Stockwerke sein. Weniger ist wirtschaftlich schlicht nicht rentabel. Wenn das Gebäude aber einst Alterswohnungen und Pflegebetten anbieten kann, hat dies für die Bewohner den Vorteil, dass sie nur die Abteilung zu wechseln brauchen, sobald sie Pflege benötigen.

Während der Renovation müssten die Bewohner die Bärenmatte verlasen – so grosse Umbauarbeiten könnten nicht während dem laufenden Betrieb vollzogen werden, sagte Cébe. Man werde geeignete Unterbringungsmöglichkeiten in der Region suchen.

Die Abgeordneten stimmt einstimmig dafür, dass die Ausrichtung «Wohnen mit Service» weiterverfolgt werden soll und sprachen einen Kredit über 85 000 Franken für die definitive Projektierung. Für die Umsetzung werden «weit über 20 Mio. Franken» nötig sein, sagte Cébe. Etwa die Hälfte davon könnte man aus eigenen Mitteln bezahlen.

Weiterer Diskussionspunkt an der Versammlung waren die erheblichen Rückstellungen, die das Geschäftsergebnis trüben. Grund dafür ist, dass der Preiüberwacher beanstandet, die Pauschalen im Alterszentrum seien zu hoch. Sollte er Recht erhalten, bedeutet das für die Alterszentren 800 000 Franken weniger Einnahmen. «Deshalb ist es existenziell, dass wir in diesem Fall unsere Linie durchziehen», sagte Cébe. Der Verband musste für die Verhandlungen einen Rechtsanwalt beiziehen, was die Rechnung zusätzlich belastete.

Neue Leitung

Geschäftsführer Hans-Peter Eckstein hatte Anfang April überraschend gekündigt – drei Jahre hat er sein Amt ausgeführt. Vorstandspräsident Roger Cébe übernahm daraufhin vorübergehend die Geschäftsführung. An der Abgeordnetenversammlung stellte er klar, dass die Kündigung erfolgt sei, weil man sich über die Neuorientierung nicht einig war. «Das gehört in der Geschäftswelt dazu», betonte Cébe. «Unsre Häuser funktionieren bestens.» Ecksteins Vorgänger war nach einem knappen Jahr entlassen worden, die Situation in den beiden Heimen war nicht eben gut. «Hans-Peter Eckstein hat seine Aufgabe sehr gut gemacht, sonst wären wir heute nicht da, wo wir sind», unterstrich Cébe. Auch Eckstein betonte: «Es waren drei spannende und intensive Jahre.» Momentan ist man noch auf der Suche nach einem neuen Direktor. Theo Rau wurde neu in den Vorstand gewählt, er ersetzt die Bremgarter Stadträtin Bernadette Sutter. (kob)

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