Hägglingen
«Wir wollen kein zweites Spreitenbach werden»

Ländlicher Charakter und Naherholungsgebiet bleiben auch in der neuen Bau- und Nutzungsordnung wichtig. Eine zentrale Frage bleibt aber: Wie eng soll man bauen?

Andrea Weibel
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azNetz

«Eine Bau- und Nutzungsordnung sollte immer auf rund 15 bis 20 Jahre ausgelegt sein. Unsere bisherige stammt aus dem Jahr 2000», erklärte der Hägglinger Gemeindeammann Urs Bosisio am
Mittwoch, als er zusammen mit der Planungskommission die Bürger über die geplanten Neuerungen informierte. Bis die neue Ordnung in Kraft trete, dürften auch 15 Jahre vergangen sein. Bosisio betonte, dass es sich bei den vorgestellten Neuerungen aber erst um Vorschläge handle, denn obwohl das Gesetz es nicht mehr verlange, beginne nächste Woche das Mitwirkungsverfahren für die Einwohner.

«Zusammengefasst ist für uns das moderate Wachstum und eine lockere Bebauung, um den ländlichen Charakter beizubehalten, sehr zentral», beschrieb Vizeammann Pius Schöpfer. «Wir wollen Hägglingen als Naherholungsraum erhalten und daher keine Mehrfamilienhaussiedlungen erstellen. Zudem besteht gewisser Handlungsbedarf im Dorfkern.» Diese fünf Punkte hat die Kommission einer Bevölkerungsumfrage entnehmen können, die diesen Sommer durchgeführt worden ist. Von 950 verteilten Bogen sind 189 beantwortet worden, freut sich die Kommission. «Wir stützen uns, so gut es geht, auf diese Antworten», so Schöpfer.

Wie eng soll man bauen?

Kritisch hinterfragt wurde danach vor allem zweierlei: die Auflagen des Kantons sowie der neue Hägglinger Zonenplan an sich. Der Kanton verlangt, dass nicht ausserhalb des Dorfes Land eingezont wird, sondern dass innerhalb des Dorfes verdichteter gebaut wird. «Mit welchem Recht schreibt uns der Kanton vor, wie viel Platz wir um unser Haus herum haben wollen? Wir haben schliesslich dafür bezahlt», fragte eine Hägglingerin aufgebracht.

«Wir wollen schliesslich nicht zu einem zweiten Spreitenbach werden», gab ihr ein anderer Einwohner recht. Robert Frauchiger, Präsident der Planungskommission, beschwichtigte: «Eine so aussergewöhnliche Bautätigkeit wie in den letzten vier bis fünf Jahren kann nicht unser Ziel sein, das wissen alle. Dennoch müssen wir uns anschauen, wo es möglich ist, innerhalb des Dorfes verdichteter zu bauen. Aber Angst vor einem zweiten Spreitenbach muss niemand haben.» In der Umfrage sei ja deutlich geworden, dass die Bevölkerung keine zusätzlichen Mehrfamilienhäuser im Dorf will.

Zonenplan als schlechtes Beispiel

Punkto Zonenplan gab Frauchiger einem Einwohner Recht: «Unser Zonenplan ist schon öfter als schlechtes Beispiel dargestellt worden, weil er mitten im Dorf noch zwei grosse Landwirtschaftszonen aufweist.» Allerdings handle es sich dabei um gutes, ebenes Land. «Da ist es doch gescheiter, wenn die Bauern dieses Land nutzen und wir die Häuser stattdessen an den Hang stellen.» Auch Philipp Kühne von der Kohli + Partner Kommunalplan AG in Wohlen unterstützte ihn darin.

Ab kommender Woche liegen die detaillierten Pläne auf der Gemeinde auf. «Was Sie jetzt gesagt haben, ist nicht aufgeschrieben worden. Wenn Sie Änderungen beantragen wollen, müssen Sie das auf der Gemeinde machen», erinnerte Gemeindeammann Bosisio die Leute. Das Mitwirkungsverfahren dauert 30 Tage.