Bremgarten
«Wir spielen stets mit offenen Karten»

Gespräch mit Hans-Peter Eckstein (51), dem Geschäftsführer der Alterszentren Bremgarten und Widen. Er betont, dass die professionelle und fürsorgliche Arbeit seiner Angestellten letztendlich matchentscheidend ist.

Lukas Schumacher
Drucken
Teilen
Hans-Peter Eckstein, Geschäftsführer der Alterszentren Bremgarten und Widen.

Hans-Peter Eckstein, Geschäftsführer der Alterszentren Bremgarten und Widen.

sl/zvg

Gratulation, die heftigen Turbulenzen in den zwei Alterszentren sind verflogen. Wie haben Sie das als neuer Chef gemeinsam mit Ihrem kleinen Leitungsteam geschafft?

Hans-Peter Eckstein: Ein Rezept dafür gab es nicht. Wir führten von Anfang an viele Gespräche mit Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitenden. Nichts geht über Kommunikation und Information. Dafür nutzen wir auch vermehrt unsere Webseite.

Offensichtlich ist es gelungen, Vertrauen zu schaffen und Goodwill zurückzugewinnen.

Eckstein: Wir spielen stets mit offenen Karten, wir haben ja auch nichts zu verbergen. Wichtig ist doch, dass sich unsere 145 Bewohner in Bremgarten und Berikon wohlfühlen, genauso die 160 Mitarbeitenden. Von den Angestellten verlangen wir viel. Ihre professionelle und fürsorgliche Arbeit ist letztlich matchentscheidend.

Ist genügend qualifiziertes Pflegepersonal in den zwei Alterszentren vorhanden?

Eckstein: Im September kommen einige neue Fachpersonen hinzu. Dann sind unsere Lücken weitgehend geschlossen. Erfreulich ist, dass wir auch Bewerbungen von ehemaligen Mitarbeitenden erhalten, vor allem von gut qualifizierten Schweizerinnen und Schweizern.

Welche Aufgaben sind aktuell zu lösen?

Eckstein: Wir arbeiten an mehreren kleineren und grösseren Projekten, optimieren Abläufe, führen neue Prozesse ein. So beispielsweise beim Essen. Mahlzeiten sind für betagte Menschen meist ein zentraler Lebensinhalt. Neu erhalten die Bewohner, die auf pürierte Kost angewiesen sind, das komplette Menü in der Pürform und nicht mehr als Einheitsbrei. Ein püriertes Kotelett oder ein pürierter Brokkoli hat dadurch ein ähnliches Aussehen wie das Kotelett oder der Brokkoli in unpürierter Form. Selbstverständlich kann man die ausgewogenen Menüs oder Diätspeisen auch auf die übliche, kompakte Art haben. Ausgebaut wird das Aktivitätenprogramm. Gedächtnistraining oder Altersturnen sollen auch Leute besuchen können, die nicht im Zentrum wohnen.

Dürfen beim Mittagessen auch Aussenstehende zugreifen?

Eckstein: Selbstverständlich. Wir möchten unser Mittagstisch-Angebot weiter ausbauen. Wer immer will, soll bei uns schmackhafte, gesunde Kost zu vernünftigen Preisen an sieben Tagen pro Woche einnehmen oder beziehen können.

Sie haben mehrfach betont, die beiden Alterszentren müssten zu Pflegezentren ausgebaut werden. Weshalb?

Eckstein: Daran führt kein Weg vorbei. Wir müssen uns verstärkt auf die Langzeitpflege ausrichten. Die Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgabe ist eine grosse Herausforderung und auch Inhalt unseres Strategieprozesses. Um die Langzeitpflege wirtschaftlich vernünftig zu betreiben, bräuchte es auch politische Efforts für die Restkostenfinanzierung der Pflege und für altersgerechte Wohnangebote.

Zahlt der Kanton Aargau zu wenig an die Pflege?

Eckstein: Mehrere Kantone begnügen sich mit eher bescheidenen Beiträgen, darunter auch der Aargau. Pro Pflegetag zahlt unser Kanton maximal 57 Franken. Das reicht nicht zur Deckung der Pflegekosten, die ja gemeinsam von den Krankenkassen, den Bewohnern und den Kantonen aufzubringen sind. Gemäss Berechnungen des kantonalen Heimverbands VAKA fehlen dieses Jahr im Aargau 12 Millionen Franken zur Finanzierung der Pflege. Eine enorme Summe.