Wohlen
«Wir sind dem Gemeinwohl und nicht dem Parteiwohl verpflichtet»

Zum Abschluss der Legislaturperiode hielt die scheidende Präsidentin Marlis Spörri im Wohler Einwohnerrat eine bemerkenswerte Rede. Das kommt von einem SVP-Mitglied doch etwas überraschend.

Toni Widmer
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Ariane Gregor (l.) probiert Marlis Spörri den neuen Strohhut an. to

Ariane Gregor (l.) probiert Marlis Spörri den neuen Strohhut an. to

Toni Widmer

Sie war zwei Jahre lang Präsidentin des Wohler Einwohnerrates. Und für viele gilt Marlis Spörri, die für die SVP auch im Aargauer Grossen Rat sitzt, als stramme Parteisoldatin. Und dann setzt ausgerechnet jene Marlis Spörri in ihrer präsidialen Abschiedsrede zu einem bemerkenswerten Appell an: «Wie Sie alle wissen, kommen grosse Herausforderungen auf unsere Gemeinde Wohlen zu und da müssen Kompromisse möglich sein. Deshalb appelliere ich hier an das Gemeinsame und bitte Sie, auch daran zu denken: Alle Parteien müssen ihren Beitrag dazu leisten. Wir hier im Saal sind dem Gemeinwohl und nicht dem Parteiwohl verpflichtet.»

«Eine wunderbare Zeit»

Die zwei Präsidialjahre bezeichnete Spörri als «eine wunderbare Zeit, mit allem, was dazugehört. Dieser Abschnitt hat mein Leben bereichert.» Irgendwie, scherzte die scheidende Amtsinhaberin, sei es ja schon noch speziell gewesen, trotz ihres doch eher kleinen Wuchses, das Amt der «höchsten Wohlerin» bekleiden zu dürfen. «Meine Körpergrösse war auch ein Grund, warum ich als erste Amtshandlung auf das pompöse Rednerpult verzichtet und ein einfaches, höhenverstellbares Pültli angeschafft habe.» Dieses Pültli, sinnierte Spörri, entspreche allerdings auch eher ihrer Art und Einstellung.

Auf unnötigen Luxus kam sie auch in ihrem Rückblick auf die vielen Anlässe zu sprechen, an der sie als Präsidentin des Einwohnerrates die Gemeinde Wohlen habe repräsentieren dürfen. Neben dem 25-Jahr-Jubiläum der ACLI-Begegnungsstätte, an der sie ihre erste Rede gehalten habe, bleibe ihr auch die Einweihung des sanierten Friedhofgebäudes in besonders guter Erinnerung: «Das Wohler Volk hat wirklich eine sehr gute Entscheidung getroffen, indem es die teurere Investition ablehnte. Es gibt auch erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche. So nach dem Motto: Wer den Luxus liebt, der hat nie genug Einnahmen.»

Immer gut vorbereitet

Vizepräsidentin und Amtsnachfolgerin in Spee, Ariane Gregor, attestierte Marlis Spörri eine engagierte Amtsführung. «Du warst immer bis ins Detail vorbereitet und hast dafür sehr viel Zeit investiert.» Als Geschenk überreichte Gregor der scheidenden Präsidentin einen Wohler Strohhut in Damenausführung.

Verabschiedet wurden zum Ende der Legislaturperiode 09/13 auch die im November abgewählten sechs Einwohnerräte.

Eine spezielle Ehrung wurde dem scheidenden Vizeammann Matthias Jauslin zuteil. Er gehörte von 1998 bis 2006 dem Einwohnerrat an, seither war er Gemeinderat. An seiner letzten Sitzung erhoben sich Einwohnerrat und Gemeinderat zur Standing Ovation.

Verhandelt wurde gestern auch: Der Rat genehmigt 13 Einbürgerungen und nahm Kenntnis davon, dass der Gemeinderat die Behandlung der Kreditabrechnung «Holzschnitzelheizung Junkholz» zurückgezogen hat.

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