Mutschellen
«Wir sind daran, eine Lösung zu erarbeiten»: Kunstrasen sorgt für Diskussionen

Auf der Sportanlage Burkertsmatt ist für zwei Millionen Franken ein zweites Kunstrasenfeld geplant. Darüber entscheidet nun das Volk.

Marc Ribolla
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Neben dem aktuellen Burkertsmatt-Kunstrasen soll ein zweiter entstehen.

Neben dem aktuellen Burkertsmatt-Kunstrasen soll ein zweiter entstehen.

Marc Ribolla

Im September hat die Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbands Sport-, Freizeit- und Begegnungszentrum Burkertsmatt einen Zwei-Millionen-Kredit für einen zweiten Kunstrasenplatz grossmehrheitlich bewilligt. Nun muss der Souverän der drei beteiligten Gemeinden Widen, Rudolfstetten-Friedlisberg und Berikon über die einzelnen Gemeindebeiträge befinden. Diese schwanken zwischen rund 600'000 und rund 740'000 Franken.

Während die Wider das Traktandum an der heutigen Gemeindeversammlung diskutieren können, fällt der Entscheid in Rudolfstetten und Berikon wegen der abgesagten Gemeindeversammlungen in einer Urnenabstimmung am 29.November. Eine direkte Diskussion der Stimmbürger fällt weg. Dass konträre Meinungen vorhanden sind, zeigt ein halbseitiges Inserat im «Bremgarter Bezirksanzeiger». Dort empfehlen nicht namentlich genannte Mitglieder der Ortsparteien der CVP, FDP und SVP aus den drei Gemeinden den Stimmbürgern ein Nein.

Bürgerliche monieren zu hohe Betriebskosten

Zu jenen Initianten gehört Lieni Füglistaller. Der Rudolfstetter SVP-Ortsparteipräsident und seine Mitstreiter kritisieren zum Beispiel die ihrer Meinung nach zu hohen Betriebskosten, die aus dem Ruder laufen würden und die Tatsache, dass ein Drittel der Benutzer der Anlagen von auswärtigen Gemeinden stamme. Füglistaller erklärt: «Die Allgemeinheit finanziert dieses Hobby im Wesentlichen. Pikanterweise wohnen 30 bis 35 Prozent der Vereinsmitglieder, welche die Anlage nutzen, nicht in einer der drei Verbandsgemeinden. Das ist störend.»

«Alternativen wie zum Beispiel Naturrasen gibt es keine», sagt Lieni Füglistaller.

«Alternativen wie zum Beispiel Naturrasen gibt es keine», sagt Lieni Füglistaller.

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Zudem stellen die bürgerlichen Inserenten kritische Fragen zur Art des Kunstrasens und verneinen die Dringlichkeit der Abstimmung. «Die Bevölkerung kann nun einfach Ja oder Nein sagen zum Kunstrasen. Anträge können in Berikon und Rudolfstetten keine gestellt werden bei diesen Abstimmungen. Alternativen wie zum Beispiel Naturrasen gibt es keine und der Platz kommt in unmittelbarer Nähe zu einem Quellschutzgebiet zu liegen», sagt Lieni Füglistaller. Er betont, dass er als Gründungsmitglied des FC Rudolfstetten nicht grundsätzlich gegen die Entwicklung der Burkertsmatt sei. Damit der Kunstrasen gebaut werden kann, braucht es die Zustimmung aller drei Gemeinden. Berikons Gemeinderat empfiehlt aber, die Vorlage abzulehnen. Aufgrund der unsicheren finanzpolitischen Lage 2021, wo in Berikon weitere höhere Ausgaben anstehen und tiefere Erträge erwartet werden und aufgrund fehlender Dringlichkeit.

«Die Anlage stösst an ihre Belastungsgrenze»

Das sehen die Befürworter des neuen Kunstrasens anders. Der Beriker Roland Keller, Präsident der Abgeordnetenversammlung, sagt: «Der Zeitpunkt ist jetzt nötig. Die Anlage stösst an ihre Belastungsgrenze.» Bereits jetzt würden die Fussballfelder überbeansprucht und der FC Mutschellen wachse weiter. Keller findet das namenlos geschaltete Inserat stillos. «Es stimmt zum Beispiel nicht, dass das Betriebsdefizit aus dem Ruder gelaufen ist. Man muss betrachten, wie es sich entwickelt hat. Nächste Jahr sind rund 666'000 Franken Defizit budgetiert, was ungefähr den letzten Jahren entspricht», sagt Keller.

Der zweite Kunstrasenplatz würde den Vereinen im Burkertsmatt-Einzugsgebiet einen Dienst erweisen, meint Rudolfstettens Vizeammann Daniel Wieser, der Vorstandsmitglied im Gemeindeverband ist. «Der FC könnte da auch im Winter trainieren, ohne weitere Hallen zu belegen. Diese stünden den anderen Vereinen zur Verfügung.» Der unverfüllte Kunstrasen schneide zudem im Vergleich mit einem Rasenplatz laut einer Studie der ZHAW ökologisch besser ab, argumentiert Wieser. Das Problem der auswärtigen Vereinsmitglieder ist dem Gemeindeverband bewusst. «Wir sind daran, eine Lösung zu erarbeiten, damit ein Ausgleich geschaffen werden kann», erklärt Wieser. Keller vergleicht die Burkertsmatt mit ähnlichen Anlagen wie dem Hallenbad Bremgarten oder der Eisbahn Wohlen, die auch von Auswärtigen besucht werden. «Die Gemeinderäte sind gefordert, damit sich auch umliegende Orte bei der Burkertsmatt finanziell beteiligen», findet er.

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