In einem Brief an die Lehrerschaft, die Eltern und die Medien informierte der Gemeinderat am Montagabend die Öffentlichkeit über den Grund für die fristlose Kündigung des Gemeindeabwarts. Gegen den 54-Jährigen läuft ein Strafverfahren, ihm wird vorgeworfen, verbotene Pornografie konsumiert und verbreitet zu haben.

Dabei handelt es sich um kinderpornografisches Material, bestätigt der Gemeindeammann Jürg Rüttimann nun. Von der Untersuchung gegen den Gemeindeangestellten erfuhr er, als die Kantonspolizei anfangs Dezember auf die Gemeinde zuging: «Wir waren vor den Kopf gestossen, wir wollten es zuerst gar nicht glauben. Er war ein tadelloser Mitarbeiter», sagt der Ammann auf Anfrage.

Kinderpornografie: das sagt der Joner Gemeindammann Jürg Rüttimann zum entlassenen Schulhausabwart

«Ein absolutes No-Go»

Das sagt der Joner Gemeindammann Jürg Rüttimann zum entlassenen Schulhausabwart.

Bevor die fristlose Kündigung ausgesprochen wurde, habe er Akteneinsicht verlangt: «Unser Anwalt hat das Protokoll der Einvernahme gelesen. Wir wollten wissen, ob wirklich etwas dran ist, ob nicht jemand versucht, ihn zu verleumden», sagt Rüttimann. Aber sowohl die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, als auch der Anwalt, den die Gemeinde beizog, bestätigten, dass es am Straftatbestand keine Zweifel gebe. «Das war ausschlaggebend für die fristlose Entlassung, auch wenn bis zum Urteil die Unschuldsvermutung gilt», sagt der Gemeindeammann.

Der Abwart war 18 Jahre lang bei der Gemeinde angestellt. Er kümmerte sich um alle öffentlichen Liegenschaften, seine Haupttätigkeit fand aber in der Schule statt. Laut Protokoll der Einvernahme haben aber zu keinem Zeitpunkt Annäherungen oder Übergriffe auf Schulkinder stattgefunden. Er habe auf dem Schulgelände keine Kameras angebracht, sagte der Abwart: «Wir haben die sensiblen Orte trotzdem geprüft und nichts gefunden», bestätigt Gemeindeammann Jürg Rüttimann.

Publikation im amtlichen Anzeiger

Auf der Gemeinde herrscht seit einigen Tagen Unruhe. Einige Mitarbeiter auf der Gemeinde seien vor der Pressemitteilung eingeweiht worden, sagt Rüttimann. Man kannte den Abwart im Dorf gut: «Es herrschte Entsetzen und Ungläubigkeit.»

Bereits vergangenen Donnerstag informierte die Gemeinde in ihrem amtlichen Anzeiger darüber, dass sie sich vom Leiter Haus- und Werkdienste getrennt hatte. Als dann die «NZZ am Sonntag» einen Artikel über die Ermittlungen gegen vier Schweizer wegen Kinderpornografie publiziert hat, hätten einige Personen in der Gemeinde eine Verbindung hergestellt, sagt der Gemeindeammann. Dabei ging es um eine Plattform namens «Elysium», auf der Mitglieder kinderpornografisches Material austauschten.

Im Dorf ist man fassungslos. «Als wir im Gemeindeblatt von der Entlassung gelesen haben, war uns klar, dass etwas Schlimmes passiert sein muss», sagt eine Mutter gegenüber der AZ. Auch sie hatte – so wie fast alle im Dorf - immer wieder mit dem Abwart zu tun. Dieser sei oft anwesend gewesen, um die Veranstaltungen in der Mehrzweckhalle zu koordinieren, bestätigt auch die Gemeinde. Er war nie negativ aufgefallen, im Gegenteil, er sei immer sehr hilfsbereit gewesen, sagt die Mutter weiter: «Es war ein Riesenschock.» Auch ihre Kinder, die im Teenageralter sind, kannten den Abwart. Dieser sei im Umgang mit den Schülern zurückhaltend und geduldig gewesen.

«Man will es fast nicht glauben, dass es ihn betrifft» sagt eine weitere Mutter, deren Kind die Schule besucht, an der der Abwart tätig war. Öffentlich äussern will sich niemand. Zu gut kennt man hier im 2000-Seelendorf den Abwart, zu fest wurde er als Person und seine Arbeit von allen geschätzt. Es sei schon die richtige Entscheidung gewesen, ihn zu entlassen, sagt eine weitere Mutter zögerlich: «Aber man wünscht ja keinem Menschen, dass ihm so etwas passiert.»

Abwart ist geständig

Wie den Ermittlern aufgefallen ist, dass der Gemeindeabwart kinderpornografisches Material konsumiert und verbreitet hat, werde aus ermittlungstaktischen Gründen nicht kommuniziert, sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aargau. Sie bestätigt aber, dass er nichts mit den Untersuchungen zu tun hat, über die die «NZZ am Sonntag» geschrieben hat: «Er ist nicht im Rahmen von «Elysium» aufgefallen.» Der Abwart habe die Tat gestanden und sei zu keiner Zeit in Untersuchungshaft gewesen.

Ob der Abwart auch auf seinem Schulcomputer kinderpornografisches Material gespeichert hatte, kann der Gemeindeammann nicht sagen: «Die Polizei hat diesen mitgenommen, unmittelbar nachdem sie uns informiert hat.» An diesem Computer hätten mehrere Leute gearbeitet.

Die fristlose Kündigung erfolgte in Absprache mit dem Gemeinderat: «Wir haben ihn zu dritt informiert. Der Gemeindeschreiber, ich und unser Anwalt waren anwesend», sagt der Gemeindeammann. «Er wusste, worum es beim Gespräch geht. Er war niedergeschmettert, dass es so weit gekommen ist.» Der entlassene Abwart war für eine Stellungnahme am Dienstag telefonisch nicht zu erreichen.