Oberwil-Lieli

«Wir konnten den Puls des Schulgeschehens direkter spüren»: Die Wogen haben sich geglättet

Die kurzfristige Lösung von Gemeinderäten in der Schulpflege erwies sich als sehr gut.

Die kurzfristige Lösung von Gemeinderäten in der Schulpflege erwies sich als sehr gut.

In Oberwil-Lieli sorgten vor einem Jahr die Rücktritte der Schulleiterin und aller drei Schulpflegemitglieder für Wirbel. Der Gemeinderat sprang interimistisch ein und konnte viel erreichen. Eine positive Bilanz.

Eigentlich wollten sie nur als Retter in der Not im grössten Sturm einspringen. Ausgangslage: Im Februar waren gleich alle drei Schulpflegemitglieder in Oberwil-Lieli geschlossen aus ihrem Amt zurückgetreten, nachdem auch die Schulleiterin gekündigt hatte.

Interimistisch übernahmen die Gemeinderäte Gabriela Bader und Stefan Strebel sowie Gemeindeammann Ilias Läber die Ämter der Schulpfleger. Bader erhielt den Vorsitz als Schulpflegepräsidentin. Das Trio wurde quasi ins kalte Wasser geworfen. «Für uns alle war es absolutes Neuland. Ich erlebte die Zeit in den vergangenen Monaten aber als sehr spannend. Wir stellten fest, dass es ein Vorteil ist, wenn die Gemeinde nahe an der Schule dran ist», sagt Gabriela Bader im Rückblick. Als direkt Involvierte sei der Informationsfluss bei Entscheiden optimaler und unverfälschter. «Wir konnten den Puls des Schulgeschehens direkter spüren.»

Eine spezielle Herausforderung war die temporäre Schulschliessung während des Lockdowns. Sie sei in jenen Monaten oft in der Schule anzutreffen gewesen und habe einen vertieften Einblick bekommen. «Das war sehr lehrreich.»

Neue Schulleitung und zurück zu Einzelklassen

Nebst den gemeinderätlichen Aufgaben brachte die Arbeit als interimistische Schulpflege einen zusätzlichen Aufwand mit sich. Hinzu kam die Suche nach einer neuen Schulleitung und die strategische Neuausrichtung der Schule Oberwil-Lieli. Beides ist nach Ansicht von Gabriela Bader gelungen.

Aus mehreren Kandidaten konnte der Posten der Schulleiterin per Anfang August an Beatrice Bissig vergeben werden. Sie arbeitete in den vergangenen drei Jahren als Schulleiterin im Kanton Zürich. «Die Feedbacks auf den Start von Beatrice Bissig sind sehr gut. Die Zusammenarbeit klappt und es ziehen alle an einem Strick», sagt Bader.

Vorwärtsgemacht hat die Schulpflege auch mit einem Strategiewechsel. Auf das laufende Schuljahr wurde in Oberwil-Lieli statt der Mehrklassigkeit (1./2., 3./4. etc.) wieder die Einklassigkeit eingeführt. Jede Klasse wird wieder separat von einer Lehrperson geführt. «Das bisherige Mehrklassensystem stiess beim Team und bei Eltern auf wenig Anklang. Wir spürten den Wunsch, dies rückgängig zu machen. Dank der neuen Ressourcierung der Volksschule konnten wir das umsetzen», sagt Gabriela Bader.

Wegen Corona ging die Amtszeit länger

Eigentlich wäre es nicht geplant gewesen, dass sie und ihre beiden Gemeinderatskollegen überhaupt so lange die Schulpflege führen. Denn wäre alles normal verlaufen, hätten im Mai Ersatzwahlen stattgefunden. Diese wurden wegen der Coronapandemie auf Ende September verlegt – und das Gemeinderatstrio musste seine Ämter zwangsläufig weiter ausüben. Bei den Ersatzwahlen schafften Bader und Strebel erneut den Sprung in die Schulpflege. Läber verpasste das absolute Mehr knapp, und auch drei weitere Kandidaten schafften die Wahl nicht. Für die Besetzung des dritten Sitzes kommt es deshalb am 29.November zu einem zweiten Wahlgang, zu dem Ilias Läber nicht mehr antritt.

Mit der vom Aargauer Stimmvolk beschlossenen Abschaffung der Schulpflege per 31.Dezember 2021 erwartet das Gremium in Oberwil-Lieli eine kurze restliche Amtszeit. Wie es danach weitergeht, ist offen. «Wir haben die Möglichkeit, dass die Schulpflege vom Gemeinderat geführt wird, oder wir können eine Kommission einsetzen. Mit dem Entscheid werden wir uns in den kommenden Monaten befassen, auch im Rahmen einer Weiterbildung beim Kanton», blickt Gabriela Bader abschliessend voraus.

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