Sarmenstorf
«Wir hören auf, bevor die Leute sagen, es reiche langsam»

Nach 20 Jahren treten Les Tönelis am Samstag zum letzten Mal öffentlich auf. Das Musikerpaar kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere als Tanzmusikduo zurückblicken.

Andrea Weibel
Merken
Drucken
Teilen
Les Tönelis: Cornelia und Toni Widmer waren 20 Jahren lang als Tanzmusik-Duo auf den Bühnen in und ausserhalb der Region unterwegs. Hanny Dorer

Les Tönelis: Cornelia und Toni Widmer waren 20 Jahren lang als Tanzmusik-Duo auf den Bühnen in und ausserhalb der Region unterwegs. Hanny Dorer

Toni Widmer ist im Freiamt gut bekannt. Allerdings nicht nur als Ressortleiter der az Freiamt. Noch viel bekannter ist er als eine Hälfte des Tanzmusik-Duos Les Tönelis. Von Walzer über Cha-Cha-Cha und Rumba bis zu deutschen Schlagern, Rock'n'Roll und Rock – zusammen mit seiner Frau Cornelia deckt Toni Widmer die gesamte Palette der klassischen Tanzmusik ab.

Seit 20 Jahren steht das Paar im Schnitt jedes zweite Wochenende auf irgendeiner Bühne, karrt jeweils 600 Kilo Material an und spielt bis in die frühen Morgenstunden. Doch jetzt ist Schluss. Definitiv. Les Tönelis treten von der Bühne ab. Ein letztes Mal treten sie am Samstag öffentlich auf. In zwei Wochen folgt noch ein geschlossener Tanznachmittag, ein letzter Schlussapplaus und weg sind sie.

«Langsam wird es uns zu viel»

«Wir hören auf, bevor uns die Leute sagen, es reiche langsam», lacht Toni Widmer. Etwas ernster erklärt er: «Ich werde bald 60 Jahre alt und meine Frau ist nicht viel jünger. Langsam wird es uns zu viel, immer bis früh am Morgen zu spielen und dann noch alles abzubauen. Das Üben braucht auch Zeit, obwohl wir ein grosses Repertoire mit gegen 400 Stücken draufhaben.»

Beinahe sein Leben lang hat der Saxofonist Tanzmusik gemacht und in verschiedensten Bands gespielt oder ausgeholfen. Cornelia hat ursprünglich Hammondorgel gelernt. «Als wir uns kennen lernten, hatte sie kein Instrument mehr. Weil sie gern Musik gemacht hat, kaufte ich ihr eine kleine Orgel, als wir vor 35 Jahren in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen sind», erinnert sich Toni Widmer. Ab und zu musizierte das Paar dann zusammen. «Später hatten vor allem die Kinder Freude, wenn ihnen Mama und Papa gelegentlich etwas vorspielten.»

Ernst wurde es nach dem 50. Geburtstag von Cornelias Vater, der selber auch Tanzmusiker gewesen war. «Das Orchester dort war nicht speziell gut. Da fand Cornelia, am 60. ihres Vaters würden wir dann auftreten.»

150 Lieder zum Anfang

Und so kam es auch. Doch zuvor sammelten sie erste Bühnenerfahrungen: «Wir haben daheim für unsere Kinder gespielt, als ein befreundetes Paar zu Besuch kam, uns zufällig hörte und spontan fragte, ob wir an ihrem Geburtstag spielen würden», erinnert sich Toni. Sie sagten zu, und so kam bald ein Auftritt nach dem anderen – vorerst stets im kleinen Rahmen, meistens für enge Freunde.

«Bald stellte sich die Frage, ob wir richtig als Tanzmusik-Duo einsteigen wollten. Das bedeutet nicht nur finanziellen Aufwand, sondern vor allem auch viel Zeit zum Üben. Man braucht zum Anfang mindestens ein Repertoire von etwa 150 Liedern.»

Nach einigem Überlegen war die Antwort klar: Les Tönelis wurden gegründet. Toni und Cornelia fuhren zum damaligen «Musik Bieri» in Wohlen, kauften sich Keyboard, Verstärkeranlage und alles, was man als Tanzmusiker sonst noch braucht. «In der zum Probelokal umfunktionierten Garage unseres Hauses übten wir mehrere Abende pro Woche und jedes freie Wochenende.»

Das zahlte sich bald aus: «Wir wollten anfänglich eigentlich Flyer verteilen und Werbung machen. Aber das war gar nicht nötig. Von überall her wurden wir angefragt und hätten bald weit öfter spielen können als die angestrebten 20 Auftritte pro Jahr.» Es wurde gelegentlich doch mehr: «32 Auftritte war der Rekord», lacht Toni Widmer, «aber in der Regel haben wir in all den Jahren die uns gesetzte Limite von 20 Auftritten eingehalten.

Mehr ging schon wegen meines Berufes mit den regelmässigen Wochenendeinsätzen kaum.» Es sei trotz der limitierten Zahl an Auftritten oft genug vorgekommen, dass er am Sonntagmorgen um fünf Uhr von einem Auftritt nach Hause gekommen sei und vier Stunden später bereits wieder im Büro gearbeitet habe.

Cornelia und Toni Widmer erzählen von unvergesslichen Auftritten, etwa am legendären Oldie-Ball in Dottikon, an Geburtstagsfesten in Wien, am Après-Ski im Südtirol, an Gala-Veranstaltungen in Fünfsternehotels im Bündnerland, aber auch an kleine, rauschende Familienfeste.

Gesellschaft hat sich verändert

Er werde die Bühne vermissen, sagt Toni Widmer. Cornelia geht es gleich: «Wir hatten so viele schöne Erlebnisse. Zum Beispiel am Wohler Chileplatzfäscht, als wir mehrmals bei der Integra gespielt haben. Oder bei den Senioren, die kaum mehr von der Tanzfläche herunter wollten.» Leider tanzten die Leute heute weniger als früher, und es sei schwieriger, die Stimmung hochzuhalten. Gerade auch, wenn die Raucher ständig draussen seien. Das Paar ist froh, jetzt aufzuhören, es sei der richtige Moment. «Nicht, dass uns noch jemand nach einem Auftritt von der Bühne tragen muss», scherzt Toni. Ein bisschen Wehmut ist bei ihm und seiner Frau dabei: «Es wird uns am Anfang sicher etwas fehlen.»

Letzter öffentlicher Auftritt: Samstag, 11. Oktober, 18.30 Uhr, bayrischer Abend mit Menü, Gasthof Adler, Sarmenstorf, Anmeldung erwünscht.