Zufikon
«Wir haben ein Problem in dieser Gemeinde»: Gemeinderat fordert Ammann heraus

Der Gemeindeammann Christian Baumann (64) wird von Gemeinderat Berndt Samsinger (61) herausgefordert.

Christian Breitschmid
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Links: Gemeinderat Berndt Samsinger (parteilos) will Gemeindeammann werden. Rechts: Gemeindeammann Christian Baumann (parteilos) will Ammann bleiben.

Links: Gemeinderat Berndt Samsinger (parteilos) will Gemeindeammann werden. Rechts: Gemeindeammann Christian Baumann (parteilos) will Ammann bleiben.

Christian Breitschmid

Wenn das Zufiker Stimmvolk am 24. September zur Urne schreitet, dann geht es um mehr als nur die Bestätigung der Dorfexekutive, es geht darum, unter welcher Führung der Gemeinderat an Zufikons Zukunft arbeiten wird. Vier der fünf bisherigen Gemeinderäte stellen sich wieder zu Wahl. Doris Rütimann (SP) tritt nicht mehr zur Wahl an. Dafür kandidiert Boris Sommer (SVP) neu für den Gemeinderat. Aber einer von den fünf, der parteilose Berndt Samsinger, will noch mehr. Er tritt gegen den amtierenden Gemeindeammann, den ebenfalls parteilosen Christian Baumann an, um diesen von seinem Sitz zu stossen. «Wir haben ein Problem in dieser Gemeinde», antwortet Samsinger auf die Frage nach seinen Beweggründen. «Es geht vor allem um Kommunikation. Man hätte wesentliche politische Aktivitäten der letzten Jahre kommunikativ besser abhandeln können; dazu zähle ich etwa die Verkehrspolitik oder den Antennenbau der Swisscom. Hätte man rechtzeitig mit den Betroffenen gesprochen und sie rechtzeitig informiert, hätte man die Frustration minimieren können.»

Moderates Wachstum

Während Samsinger eine neue Gesprächs- und Meinungsbildungskultur in der Gemeindepolitik anstrebt, geht es Baumann darum, die anstehenden Neubesetzungen in der Gemeindeverwaltung, Gemeindeschreiber und Leiter Bau und Technik, optimal zu begleiten. «Dazu braucht es eine hohe soziale Führungskompetenz», betont Baumann. «Ich wurde von der Verwaltung angefragt, diesen Prozess zu begleiten. Das tue ich natürlich, denn so kann ich der Verwaltung etwas von dem zurückgeben, was ich von ihr schon profitieren konnte. Aber auch dem Souverän, denn je besser eine Verwaltung funktioniert, umso effizienter fühlen sich Bürgerin und Bürger bei uns aufgehoben.»

Ein weiteres Anliegen Baumanns ist die Schaffung einer eigentlichen Dorfkernzone in Form einer Begegnungsstätte. «Das wäre das Tüpfelchen auf dem i, wenn wir so einen Ort hätten, wo sich Bürgerinnen und Bürger, Jung und Alt einfach treffen könnten. Es wäre eine Möglichkeit, den Zusammenhalt innerhalb unserer Gemeinde neu zu definieren.» Noch ein Bauprojekt kommt für Samsinger nicht infrage. Sein Legislaturziel Nummer eins ist die Bedürfnisabklärung: «Ich möchte zuerst die Meinungen der Bürger zu den wirklich brennenden Problemen abholen, möglichst repräsentativ, nicht selektiv. Visionen und Leitbilder sind nicht Sache der Verwaltung, sondern erst müssen die Leute eingebunden werden, bevor man ein Leitbild erstellt.» Ausserdem verletze die Bautätigkeit der vergangenen acht Jahre die Vorgaben des aktuellen Leitbildes, wonach Zufikon seinen ländlichen Charakter bewahren soll.

«Wir sind ein Vorzeigedorf, nicht nur im Aargau, sondern bald für die ganze Schweiz», sagt Baumann und räumt ein, dass dies wohl grosse Worte seien, die er aber mit den gesunden Gemeindefinanzen, der optimalen Verkehrsanbindung und der intakten Natur in und um Zufikon bekräftigen kann. «Wir verfügen über eine ausgezeichnete Infrastruktur, die Zufikon besonders für Familien zur attraktiven Wohngemeinde macht.» Darum sei es ihm auch ein Anliegen, Zufikon nicht einfach zuzubetonieren, sondern ein moderates Wachstum anzustreben. Mindestens in diesem Punkt scheinen sich Baumann und Samsinger einig zu sein. Auf Samsingers Website, die er eigens für seinen Wahlkampf im Internet aufgeschaltet hat, listet er im Kapitel «Unsere Visionen – mein Beitrag» unter anderen auch diese Massnahme auf: «...eine zukunftsgerichtete Standortentwicklung (Zufikon soll nicht noch mehr Schlafgemeinde sein)». Unter www.samsinger.ch können alle Wahlversprechen und Ideen des Herausforderers nachgelesen werden.

Amtsinhaber Baumann verzichtet auf solche Wahlkampfmittel. Er meint: «Wahltag ist Zahltag, das ist klar. Aber wenn ich jetzt in einen Überaktivismus verfalle, dann könnte das Tagesgeschäft darunter leiden. Mir ist es wichtiger, dass ich meine bisherige Kontinuität nicht runterschraube, sondern dass ich den Job, den der Souverän von mir verlangt, genauso seriös weitermache, wie ich es in den vergangenen zehn Jahren getan habe.»