Berikon

«Wir haben das Nitratproblem im Griff»

Erich Huwiler und Sonja Basler (links) vom kantonalen Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg erteilten den Landwirten praktische Tipps für die Bewirtschaftung. sl

Erich Huwiler und Sonja Basler (links) vom kantonalen Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg erteilten den Landwirten praktische Tipps für die Bewirtschaftung. sl

Flurbegehung mit 20 Landwirten aus der Region auf dem Gelände des Landwirtschaftsbetriebs Loostud

«Das Trinkwasser aus unserem Gebiet weist einen bescheidenen Nitratgehalt auf», sagte am Freitag in Berikon der Zufiker Gemeinderat Patrick Cimma. Cimma steht der vor rund 25 Jahren gegründeten Nitratkommission Reusstal vor, die zuständig zeichnet für die vier Gemeinden Oberwil-Lieli, Unterlunkhofen, Berikon und Zufikon.

Laut Patrick Cimma wurde letztes Jahr bei fast allen Wasserfassungen im Gebiet das hohe Qualitätsziel «Weniger als 25 Milligramm Nitrat je Liter Trinkwasser» praktisch ständig erreicht. Es habe bloss vereinzelte kleinere Ausreisser nach oben gegeben. Der Nitrat-Grenzwert von 40 Milligramm pro Liter Wasser sei auch dank des umsichtigen Düngens der Landwirte nie übertroffen worden. «Mit vereinten Kräften haben wir das Nitratproblem seit Jahren im Griff. Unser Trinkwasser kann man als sehr bekömmlich bezeichnen.»

Glanzkäfer und Stängelrüssler

Ein Überbleibsel der 1990er-Jahre, als hohe Nitratwerte überall ein ernsthaftes Problem darstellten, sind Flurbegehungen für Landwirte auf Landwirtschaftsbetrieben unter der Leitung von Fachleuten. Am Freitag war der Hof Loostud in Berikon Schaustätte eines Flurgangs. Sonja Basler und Erich Huwiler vom Aargauischen Landwirtschaftszentrum Liebegg gaben rund 20 Landwirten aus der Region fachliche Tipps rund um Gerstensorten, Saatdichten und Düngung, teilten Erkenntnisse aus Hofdüngerversuchen in Bünzen mit und befassten sich auch mit Rapspflanzen. Der gefürchtete Rapsglanzkäfer verursache dieses Jahr kaum Probleme, sagte Sonja Basler, er sei in den kalten Wintertagen stark dezimiert worden. Weniger Schaden als in anderen Jahren richtete am Raps auch der Stängelrüssler an.

Auf dem Hofgelände Loostud besichtigte man auch eine Bergwiese, die Manuel Koch vor vier Jahren als Futtermittelquelle angesät hatte. Wie Experte Erich Huwiler ausführte, gedeihen auf dieser Kunstwiese «viele, ja zu viele unterschiedliche Grassorten, aber erfreulicherweise recht wenig unerwünschter Klee.» Einige der hier vorkommenden Gräser seien eher geeignet für nasse Standorte, andere Gräser für trockene Standorte.

Stattlicher Hof mit Solaranlage

Der auf einer Anhöhe gelegene Betrieb Loostud wird seit fast 20 Jahren als Hofgemeinschaft geführt. Teilhaber sind Karl Friedrich aus Remetschwil, der Beriker Peter Wild und Manuel Koch, der mit seiner sechsköpfigen Familie und seinen Eltern im Loostud wohnt. Die Gemeinschaft betreut 90 Kühe und 50 Stück Jungvieh. Zum stattlichen Hof gehören eine Betriebshalle und zwei Laufställe samt Melkroboter. Nebst der Milchwirtschaft befasst sich die Gemeinschaft auf dem 59 Hektaren grossen Betrieb auch mit Ackerbau.

Vor einem Monat liess die Betriebsgemeinschaft eine Solaranlage installieren, die 30 Kilowatt Strom erzeugt. Die restlichen hier ungenutzten Dachflächen würden ausreichen, um problemlos 180 Kilowatt Solarstrom zu produzieren. Das Problem ist die Einspeisung ins Netz respektive die Zuleitung, weil der Hof rund 700 Meter entfernt von der nächsten Trafostation liegt. Daher winken Zusatzkosten in der Grössenordnung von gut 200 000 Franken. Die Hofgemeinschaft hofft, mit Unterstützung der öffentlichen Hand bald eine befriedigende Gesamtlösung zu finden.

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