Wohlen

Winkler Livecom meldet Kurzarbeit an: «Wir spüren die Corona-Folgen extrem»

Sehr viele Veranstaltungen, die Winkler Livecom beliefert, haben über 1000 Zuschauer und sind darum derzeit alle abgesagt.

Sehr viele Veranstaltungen, die Winkler Livecom beliefert, haben über 1000 Zuschauer und sind darum derzeit alle abgesagt.

Seit dem Veranstaltungsverbot des Bundes wurden viele Grossevents abgesagt. Die Firma Winkler Livecom in Wohlen rüstet Veranstaltungen technisch aus – und musste nun Kurzarbeit anmelden. Die Winkler Livecom in Wohlen rüstet viele Grossevents mit Veranstaltungstechnik aus.

Es ist leer in den grossen Gebäuden der Winkler Livecom. Auf den Parkplätzen beim Wohler Hauptsitz der Firma stehen kaum Autos, beim Veloständer kein einziges Fahrrad. Grund dafür: Die grosse Wohler Eventtechnikfirma hat kaum zu tun und musste wie andere Firmen Kurzarbeit anmelden. Der Grund dafür wiederum ist klar: Corona. «Wir spüren die Corona-­Folgen extrem», sagt Stefan Mathys, Mitinhaber und verantwortlich für Verkauf und Marketing. Er erinnert sich: «Am Tag, bevor der Bundesrat alle Anlässe mit über 1000 Personen verbot, habe ich mit einem Mitbewerber geredet. Die hatten schon verschiedene Absagen, wir keine einzige. Aber seit jenem Freitag hagelt es nur so Absagen.»

«Die heilige Kuh könnte geschlachtet werden»

Die Winkler Livecom ist an sehr grossen Projekten und Messen beteiligt. «Die Gartenmesse ­Giardina in Zürich hatten wir beispielsweise schon fast fertig aufgebaut, als der Stopp kam. Die hätte jetzt starten sollen, aber unser Material ist längst wieder im Lager», so Mathys. Die Baselworld dagegen wurde abgesagt, beziehungsweise auf Januar 2021 verschoben, noch bevor Winkler Material liefern konnte. «So verlieren wir sämtliche Einnahmen, abgesehen von den Planungskosten.»

Doch auch andere Veranstaltungen wie Generalversammlungen, beispielsweise jene von Banken, hätte die Winkler Livecom mit ihrer komplexen Technik beliefern können. «Von denen wurden viele verschoben oder in viel kleinerem Rahmen abgehalten. Auch das spüren wir stark.» In Zahlen heisst das: «Da gibt es Generalversammlungen, an denen wir über 200'000 Franken an Umsatz verloren haben. Aber bei Messen wie der Baselworld fällt ein signifikant grösseres Umsatzvolumen weg», macht Mathys deutlich. Er ist nicht verzweifelt, aber muss häufig leer schlucken. «Und der Absagenhagel hört nicht auf.»

Ausserdem befürchtet er, dass die Präzedenzfälle, die bei GVs geschaffen werden, Folgen haben könnten: «Eine GV ist eine heilige Kuh. Die Aktionäre treffen sich, viele sind älter, erwarten ein gutes Essen und ein Geschenk. Wenn das einmal ausfällt, ist die heilige Kuh geschlachtet. Es könnte sein, dass sich die Firmen überlegen, auch künftig auf den Grossevent zu verzichten, oder diesen in einem ganz neuen Setting durchzuführen», befürchtet Mathys.

Die Firma musste beim Kanton Kurzarbeit anmelden. «Immerhin sind wir froh, dass das sehr unkompliziert und schnell bearbeitet wurde.» Die Kurzarbeit, die alle der 80 Mitarbeiter der Firma betrifft, vom Büro über Logistik und Verkauf bis zum Projektmanagement, sei einer der Gründe, wieso Winkler noch keine Existenzangst haben muss. «Der andere Grund ist, dass wir ein gesundes und komplett eigenfinanziertes Unternehmen sind.»

Die Weltausstellung in Dubai als Hoffnung

Für Winkler ist der Sektor der mobilen Veranstaltungstechnik zwar der Hauptzweig. Ein immer grösser werdender Betriebszweig bilden die Projekte im Bereich der Festinstallationen. Im Gegensatz zu den Events ist dieser Bereich kurzfristig noch nicht von der Krise betroffen. Beispielsweise soll Anfang April ein grosses Projekt in der Westschweiz von der Wohler Firma fertiggestellt und übergeben werden. Auch am WEF in Davos, bei Konzert- und Festivalveranstaltern im Sommer und Weihnachtszirkussen im Winter stellt Winkler die Technik. Aber auch international ist die Firma tätig: Für die Weltausstellung, die im Oktober in Dubai ihre Tore öffnet, konnten bereits mehrere Aufträge gewonnen werden. Mathys: «Wir hoffen, dass sich bis dahin unsere Branche etwas beruhigt hat.»

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