Muri
Wimmelbild mit Jesuskind – neapolitanische Weihnachtskrippe im Freiamt

Eine prächtige Krippe in neapolitanischer Tradition ziert das Schaufenster der Grolimund AG.

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Solche Krippen haben in Napoli Tradition. Jetzt erfreut ein Weihnachtsdorf dieser Art die Passanten an der Luzernerstrasse 3 in Muri. Es wurde weitgehend aus Abfall vom Bau vom Neapolitaner Vincenzo Carotenuto erstellt, die Figuren sind über 100 Jahre alt.

Solche Krippen haben in Napoli Tradition. Jetzt erfreut ein Weihnachtsdorf dieser Art die Passanten an der Luzernerstrasse 3 in Muri. Es wurde weitgehend aus Abfall vom Bau vom Neapolitaner Vincenzo Carotenuto erstellt, die Figuren sind über 100 Jahre alt.

ES

Die Frau wäscht unermüdlich und ist alt, konkret über 100 Jahre alt. So alt sind auch die anderen Figuren: der Bäcker, der Fischer, der Schafhirte, die drei Könige und selbstverständlich Maria und Josef. Die Krippe im Schaufenster der Grolimund AG, Gebäudetechnik, in Muri, hingegen ist neu, hergestellt vorwiegend aus Abfallmaterial vom Bau. Hier bewegt sich viel, hier leuchtet es, hier kann man sich verweilen. Die Krippe ist eine Augenweide und ein echtes Stück Italien im winterlichen Freiamt. Der Neapolitaner Vincenzo Carotenuto hat sie erbaut und steht damit in einer alten Tradition der süditalienischen Stadt.

Kunstvolle Weihnachtskrippen prägen in Neapel die Weihnachtszeit. Eine ganze Altstadtstrasse, die Via San Gregorio Armeno, besteht nur aus Krippengeschäften, wo Figuren und ganze Krippenlandschaften hergestellt und verkauft werden. Aber Vincenzo Carotenuto, der in Erstfeld wohnt und mit einer Murianerin verheiratet ist, hat die Krippe, die jetzt in Muri zu bewundern ist, nicht einfach hier von einem Kunsthandwerker abgekauft. Der 38-jährige Logistiker hat sie vielmehr in stundenlanger Arbeit nach Feierabend selbst erbaut, wie Giuseppe Diana erklärt, der Schwager von Carotenuto, der bei Grolimund unter anderem als Servicetechniker und Ausstellungsberater tätig ist und die Krippe iniziiert hat. «Er war während dreier Monate an der Arbeit.»

Wertvoller Familienbesitz

Die fein gestalteten Figuren befinden sich seit über 100 Jahren im Familienbesitz. Sie haben schon unzählige Krippen geschmückt und sind zahlreich, denn die Weihnachtskrippe (presepe) bildet in Neapel das Leben des Volks im 18. Jahrhundert ab. Deshalb gibt es dort auch Bäcker, Wein trinkende Bauern, Gemüsehändler oder Fischer. Carotenuto hat ihnen für das Schaufenster in Muri ein heimeliges, weihnächtliches Dorf erbaut: Es gibt die Bauern, den Metzger und den Bäcker, der gerade den Holzofen einfeuert. Schafhirten schauen zu ihren Tieren, in einem Teich wird gefischt, Feuer flackert, im Hintergrund wartet ein Jäger auf Beute. Die drei Könige sind auf dem Weg zum Stall, wo jetzt das Christkind noch nicht in der Krippe liegt. «Das kommt selbstverständlich erst in der Nacht auf den 25. Dezember in den Stall», unterstreicht Diana.

Im Dorfbrunnen plätschert Wasser und auf der Anhöhe dreht eine Windmühle. Speziell ist auch, dass ein Grossteil der Krippe aus Abfallmaterial besteht – «Dämmstoffe und Bauschaum, halt Dinge, die auf unseren Baustellen so anfallen.» Zum Dreikönigstag geht die Krippe wieder zurück an den Erbauer. Carotenuto wird nächstes Jahr wieder eine neue kreieren, wie bisher einfach für sich, seine Familie und aus Freude am Gestalten. «Das macht er schon seit seiner Jugend so», freut sich Diana schon jetzt.

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