Wohlen
Wienerli mit Brot – der Evergreen für die Fasnächtler

Seit über 50 Jahren offeriert die Kammergesellschaft der Schuljugend am «Schmudo» eine warme Verpflegung

Ruedi Burkart
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«En Guete!» Der frühere Ehrenkammerer Traugott Gretler (links) verteilte mit seinen Kollegen Wienerli mit Brot quasi im Akkord.

«En Guete!» Der frühere Ehrenkammerer Traugott Gretler (links) verteilte mit seinen Kollegen Wienerli mit Brot quasi im Akkord.

Ruedi Burkart

Es gehört zur Wohler Fasnacht wie der Strauschnitt, der Kammerball oder auch der Göttiball – das traditionelle Pärli Wienerli mit Brot am Schmutzigen Donnerstag nach dem Kinderumzug. Auch am Donnerstag setzte gegen 14.30 Uhr bei kühler Witterung und Hochnebel ein Run auf den Stand beim Bärenkreisel ein. Die kostenlose Zwischenverpflegung ist beliebt. Nicht nur bei den Jungen. Auch die Erwachsenen langten dankbar zu, wie eine Stippvisite vor Ort zeigte. Und das ist kein Wunder. Schliesslich kann ein Tag an der Wohler Fasnacht sehr lang sein. Mit einem leeren Magen feiert es sich entschieden schlechter als mit einem vollen.

Peter «Pedro» Michel steht ein paar Meter abseits und mustert im allgemeinen Gewusel von lauten Kindern und nervösen Müttern die Szenerie mit sichtlichem Vergnügen. Zu Dutzenden stehen Schülerinnen und Schüler in der Schlange. «Wir freuen uns, dass wir diese langjährige Tradition weiterführen dürfen», so der Präsident der Kammergesellschaft Wohlen.

Halden, Coop, Bären

Begonnen hatte alles Anfang der 60er-Jahre. Um der Wohler Jugend in der Fasnachtszeit eine Freude zu machen, verteilten die Kammerherren auf dem Pausenplatz des Haldenschulhauses Wienerli. Ein paar Jahre später – als der Schülerumzug beim Bahnhof startete – stellten sie den Stand vor dem ehemaligen Coop an der oberen Zentralstrasse auf. Als schliesslich wegen des zunehmenden Verkehrs die Route abgeändert werden musste (Michel: «Es wurde immer schwieriger, die Strassen zu sperren.») stellte man den Wienerlistand beim Restaurant Bären auf. Dort stand er auch gestern wieder.

Wenn wegen der Sportferien kein Umzug stattfindet, kümmert sich die Kammergesellschaft darum, dass die obere Zentralstrasse für den Verkehr gesperrt bleibt. Michel: «So können wir die Aktion gefahrlos durchführen und den Kindern ein wenig Platz für ihre Strassenfasnacht bieten.»

1500 Paar Wienerli mit Brot und Tee wurden gestern nach dem Umzug verteilt. Finanziert wird die ganze Aktion laut dem Kammergesellschafts-Präsident zum einen durch Beiträge der in Wohlen ansässigen Banken und zum anderen durch eine Sammlung, welche der Säckelmeister jeweils an der jährlichen Versammlung vor der Inthronisation durchführt. «So kommen jeweils rund 2000 Franken zusammen. Der Rest wird aus unserer Wienerlikasse beglichen.» Gerüchten zufolge soll sich auch der amtierende Ehrenkammerer jeweils an die Wienerli-Aktion finanziell beteiligen.

Drängeln? Gibt es nicht

Einer, der seit Jahren beim Wienerlistand aushilft, ist Traugott Gretler. Der 76-jährige, frühere Schreiner aus dem Oberdorf, geht mit der nötigen Gelassenheit an die Arbeit. Drängeln geht beim ehemaligen Ehrenkammerer nicht, alles hat seine Ordnung. Einer von Gretlers Kollegen sorgt am einen Ende des Standes dafür, dass sich die Kinder auf der richtigen Seite anstellen.

Nach zwei Stunden leert sich die Zentralstrasse. Im Casino und in der Zanzibar gehen die fasnachtsbegeisterten Kinder und Teenager in die Verlängerung. «Es war ein wunderbarer Tag», schwärmt Kammerherren-Boss Michel um 17 Uhr. Zu Ende war er für ihn indes noch lange nicht.