Sozialhilfe

Wieder wie früher: Für Sozialhilfeempfänger gibt es Lohn statt Almosen

Prakhong Kobel ist glücklich über das Beschäftigungsprogramm: «Das ist für mich wie eine Schule.» ES

Prakhong Kobel ist glücklich über das Beschäftigungsprogramm: «Das ist für mich wie eine Schule.» ES

Das gibt's nur im Freiamt: Im Murimoos erhalten die Sozialhilfeempfänger seit einem Jahr Arbeit, Lohn, Anerkennung und Selbstvertrauen. Was das bringen soll, lesen Sie hier.

Das neu geschaffene Beschäftigungsprogramm Allegra ermöglicht ihnen wieder Tagesstrukturen und erleichtert den Wiedereintritt in die normale Arbeitswelt. «Als Unternehmen mit sozialem Auftrag haben wir zu diesem zukunftsträchtigen Projekt gerne Ja gesagt», erklärt Murimoos-Direktor Hans Däpp.

Geld selber verdienen

Der Anstoss dazu kam von der Gemeinde Muri. «Die meisten Menschen, die in schwierigen Situationen bei den Sozialen Diensten anklopfen, wollen nicht einfach nur finanzielle Unterstützung. Die meisten möchten ihr Leben selber gestalten und das Geld dafür mit Arbeit verdienen», erklärt Vizeammann Hampi Budmiger. Die bestehenden Beschäftigungsprogramme sind relativ weit weg. «Das nahe gelegene Murimoos mit seinen sehr breit gefächerten Arbeitsbereichen schien uns ideal für ein regionales Beschäftigungsprogramm.»

Gestartet wurde das Programm im Mai 2010 mit dem ersten Teilnehmer. Jetzt wurde die Projektphase abgeschlossen und Allegra findet
definitiv Aufnahme ins Angebot von Murimoos werken und wohnen.

Positive Erfahrungen

Arbeit sei im Leben eines Menschen ein zentraler Punkt, macht Josef Villiger, Leiter Soziale Dienste in Muri, klar. Die Auswirkungen
des Beschäftigungsprogramms seien nicht nur für die Betroffenen sehr positiv, sondern auch «beachtlich gross» für die Amtsstelle. «Es erfolgt eine Beruhigung für uns in unserer Arbeit.»

Gratis ist das Beschäftigungsprogramm selbstverständlich nicht zu haben: Wer arbeitet, erhält etwas mehr als der reine Sozialhilfeempfänger. Ausserdem muss die Gemeinde den Aufwand von Murimoos werken und wohnen bezahlen. «Aber die Investitionen lohnen sich», betont Villiger. Wer früher wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden kann, wer dank sinnvoller Beschäftigung nicht krank wird, spart der Allgemeinheit wesentliche Kosten.

René Leuthold und Prakhong Kobel sind zwei Allegra-Teilnehmende und voll des Lobes für das Beschäftigungsprogramm: «Das Geld, das ich von der Gemeinde erhalte, verdiene ich mit den eigenen Händen, das ist mir wichtig», sagt Leuthold. Und Kobel erklärt, durch ihre Arbeit im Bio-Markt des Murimoos gehe sie richtiggehend durch eine (Sprach-) Schule. «Durch diese Beschäftigung kann ich viel lernen.»

Viel Einsatzwille

Für Iwan Wirth, Leiter Agro-Werkstatt, ist das Allegra-Programm genauso eine Herausforderung wie für Erika Furrer, Leiterin des Bio-Marktes. Aber beide sprechen von guten Erfahrungen. «Sowohl Einsatzwille als auch das Lernbedürfnis der Teilnehmenden ist gross», stellt Wirth fest. Und Furrer meint: «Kann eine Teilnehmende wieder im Arbeitsleben Fuss fassen, empfinde ich das auch etwas als meinen Erfolg.» Die Teilnehmenden seien in allen Bereichen gut integrierbar, freut sich Franziska Baggenstos, Leiterin des
Beschäftigungsprogramms. Die Murimoos-Männer würden die Allegra-Leute gut aufnehmen, und auch die Tatsache, dass Frauen im Murimoos arbeiten, bereite keine Probleme.

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