Herdenschutz

Wie professionelle Türsteher: Wer nicht zur Herde gehört, kommt nicht vorbei

Wenn Maremmen-Abruzzen-Schäferhunde eine Herde bewachen, dann können die Schafe ungestört und gefahrlos weiden, denn die Hunde halten jedes Raubtier auf Distanz.

In Bremgarten treffen sich morgen zum ersten Mal die Schweizer Züchter und Halter der Herdenschutzhunderasse Pastore Abruzzese.

Flauschige, schneeweisse Fellknäuel mit schwarzen Knopfaugen und treuherzig-wachem Blick, munter und ständig unterwegs auf viel zu grossen Pfoten – so präsentieren sich die Welpen des Maremmen-Abruzzen-Schäferhundes. Wenn sie dann mal ausgewachsen sind, erreichen die Hündinnen eine Widerristhöhe von bis zu 68 Zentimetern, die Rüden nochmals fünf Zentimeter mehr. Mit ihren 40 bis 45 Kilogramm und den langen Haaren, die um den Hals eine veritable Mähne bilden, machen sie genau den Eindruck, den man von ihnen als Herdenschutzhunde erwartet: einen respektheischenden. Obwohl sie selber etwas Bärenhaftes in ihrer Erscheinung haben, wurden sie in Italien ursprünglich gezüchtet, um Schaf- und Ziegenherden gerade eben vor Bären, Wölfen, Luchsen und anderen Grossraubtieren zu schützen.

Vom Bund subventioniert

Auch in der Schweiz werden im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt und unter der Aufsicht der landwirtschaftlichen Beratungsstelle Agridea Herdenschutzhunde gezüchtet, ausgebildet und an Halter abgegeben, die sowohl theoretisch wie auch praktisch geschult werden im Umgang mit diesen speziellen Nutz- und Arbeitshunden. Für Zucht und Ausbildung der Tiere zeichnet der 2011 gegründete Verein Herdenschutzhunde Schweiz verantwortlich. Gezüchtet werden die beiden vom Bund anerkannten und subventionierten Rassen Abruzzen-Schäferhund (Cane da Pastore Abruzzese) und Pyrenäenberghund (Chien de Montagne des Pyrénées). Aktuell sind in der Schweiz 250 solcher Herdenschutzhunde, aus beiden Rassen, im Einsatz. Rund 60 weitere befinden sich noch in Ausbildung. Beide Rassen werden im Schweizer Verein in Leistungszuchten gezielt für ihre Aufgabe als Herdenschutzhunde gezüchtet. Da es sich dabei um reinrassige Zuchten handelt, teilt sich der Verein sozusagen reinblütig in zwei Gruppen, die Maremmano-Abruzzese- und die Montagne-des-Pyrénées-Züchter.

Fredi Bernet ist Zuchtwart im Verein und gehört zu den Anhängern der Rasse Maremmano-Abruzzese. «Diese Hunde sind extrem herdentreu», sagt der erfahrene Züchter und Ausbildner. «Sie funktionieren wie professionelle Türsteher. Wer nicht zur Herde gehört, kommt nicht an ihnen vorbei.» Wenn ein Pastore Abruzzese im «Arbeitsmodus» sei, dann lenke ihn nichts von seinem Schutzauftrag ab. Er stellt sich vor seine Herde und warnt den Eindringling mit lautem Knurren und Bellen. Wenn der Störenfried dann auf Distanz geht und abzieht, ist die Sache erledigt. Ansonsten seien diese Hunde aber sehr gesellschaftstauglich, erklärt Bernet. Darum freut er sich auch sehr auf das erste Treffen der Schweizer Züchter und Halter dieser charakterstarken Tiere, morgen in Bremgarten.

Wie in den Abruzzen

Erwartet werden rund 30 Hundehalter mit etwa 60 Tieren, darunter auch die eingangs beschriebenen Welpen. Bernet hat solche Treffen schon in den Abruzzen erlebt und wollte diese Stimmung auch in die Schweiz bringen. «Das Forsthaus Bremgarten ist der ideale Austragungsort: zentral gelegen und für die Teilnehmer, die aus der ganzen Schweiz anreisen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.» Das Treffen beginnt um 10 Uhr. Um 12 Uhr gibt es Schafsragout aus der Paellapfanne, und um 14.30 Uhr machen sich Züchter und Besucher mit den Hunden auf zum «Monster Walk». «Wobei sich ‹Monster› auf den grossen Spaziergang und nicht auf unsere Hunde bezieht», betont Bernet lachend.

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Autor

Christian Breitschmid

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