Wer als ehemaliges Oberhaupt einer mittelgrossen Schweizer Gemeinde im «Blick» ein fast doppelseitiges Interview geben darf, hat entweder im Leben etwas Aussergewöhnliches geleistet oder aber der gleichen Zeitung einmal – eher unfreiwillig – zu einer wenig schmeichelhaften Schlagzeile verholfen. So geschehen bei Walter Dubler aus Wohlen. Der einst «frechste Gemeindeammann der Schweiz», wie ihn der «Blick» früher nannte, konnte in der Ausgabe vom Donnerstag ausführen, wie er «zwei Jahre lang auf dem Grill lag».

Dubler erzählt im Interview – nicht zum ersten Mal – von seiner Genugtuung nach dem Freispruch des Bundesgerichts (der Vorwurf war unter anderem Betrug) und seinem Leiden vor diesem Urteil. «Wie eine Wurst, die am Spiess über dem Feuer gedreht wird», schildert Dubler seine damalige Gefühlslage. Der Grill-Vergleich allein ist einem Mann mit dem Selbstverständnis eines Dublers allerdings nicht genug. «Wie permanente Terroranschläge», sagt er zur Frage, wie es gewesen sei, als ihn nach 18 Jahren als Gemeindeammann plötzlich alle attackiert hätten.

Auch ein US-Präsident darf nicht fehlen in Dublers Auslegeordnung der eigenen Gefühlswelt. «John F. Kennedy hatte recht, als er sagte, dass es in der Politik nur Kollegen, aber keine Freunde gebe.» Im nächsten Satz ist Dubler von Washington zurück in Wohlen: «Ich habe schnell gemerkt, dass mich einige in der Gemeinde beerben wollen, als sie merkten, dass ich ein Problem habe.» Wenn einem Politiker Blut das Hosenbein runterlaufe, seien die Alligatoren schnell zur Stelle.

Dubler verzeiht Regierung nicht

Zum Glück für Dubler gibt es Richter in Lausanne. Denn: «Ich hatte kein Vertrauen mehr in das aargauische Rechtssystem.» Auch dies sei ein Grund gewesen, warum er die Entlassung aus dem Amt durch den Regierungsrat nicht angefochten habe. Verzeihen kann Dubler der Regierung nicht. Es gebe Schäden, die seien irreversibel.

Versöhnliche, zuversichtliche Töne findet er erst beim Gedanken an die Familie. Seine Mutter, die seine Entlassung und Verurteilung in zweiter Instanz zum Glück nicht mehr habe miterleben müssen, schaue jetzt vielleicht vom Himmel herab und sehe, dass zumindest juristisch alles gut gekommen sei. (roc)